Schwere Maschinen, hohe Temperaturen

VW in Baunatal hat Unfallzahl seit 2009 halbiert

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Zu Unfällen fahren Mitarbeiter des werkseigenen Gesundheitsschutzes teilweise mit dem Rettungswagen in die Produktionshallen hinein, wie das hier Ärztin Kathrin Schuchardt und Rettungsassistent Dirk Brede demonstrieren.

Baunatal. Die Zahl der Arbeitsunfälle im Baunataler VW-Werk hat sich seit 2009 halbiert. Waren es vor vier Jahren noch 173 Unfälle, sank die Zahl bis zum Jahr 2012 auf 84. Bei VW wird dabei mit schweren Maschinen und Material mit hohen Temperaturen gearbeitet.

Diese Entwicklung beschrieb Jörg Ruppert, Leitender Sicherheitsingenieur, jetzt bei der Verleihung des Sicherheitspokales im VW-Werk. Bei dem Wettbewerb werden die Abteilungen des Autobauers mit über 200 Beschäftigten ausgezeichnet, die die wenigsten Unfälle in einem Jahr verzeichneten.

Gießerei, Presswerk, Getriebebau - bei VW in Baunatal wird mit schweren Maschinen und Material mit hohen Temperaturen gearbeitet. Unfälle mit Verletzungen sind an vielen Stellen möglich. „Prävention ist alles“, sagt deshalb stellvertretender Werkleiter Michael Breuer. Schließlich bedeute jeder Unfall auch ein persönliches Schicksal für den Mitarbeiter.

Eine vorzeitige gründliche Analyse der Arbeitssituation sei hilfreich, erläutert Ruppert. Als Beispiel nennt der Sicherheitsingenieur die in Baunatal neu installierte Produktion für den E-Antrieb. Weil dort - völlig neu für die Arbeit am Standort - mit hohen Spannungen gearbeitet werde, habe man im Vorfeld sämtliche Mitarbeiter qualifiziert. „Kabel mit 400 Volt Spannung bieten einfach eine höhere Gefährdung“, sagt er.

Der präventive Ansatz beim Arbeitsschutz war jedenfalls erfolgreich. Laut Ruppert gab es in den drei Jahren seit Gründung des Produktionszweiges für den Elektroantrieb keinen einzigen Arbeitsunfall.

Ausgezeichnet: Diese VW-Mitarbeiter haben sich für mehr Sicherheit am Arbeitsplatz eingesetzt. Das Foto zeigt die Sieger des Sicherheitspokales am Standort Baunatal und die Ehrenden.

Die Zahl der Unfälle insgesamt ist kontinuierlich gesunken. 2010 waren es noch 119, 2011 registrierte man 106 und eben 2012 nur noch 84. Als arbeitsrelevanter Unfall gilt in der Statistik, wenn ein Mitarbeiter länger als einen Tag am Arbeitsplatz ausfällt.

Beim Sicherheitspokal werden alle Abteilungen in ihrer Entwicklung bei den Arbeitsunfällen überprüft. Da natürlich bei den Büroarbeiten weniger passiert als in der Produktion, werden die unterschiedlichen Tätigkeiten laut Ruppert nach einem komplizierten Schlüssel berechnet.

Am besten schnitt die Qualitätssicherung mit über 400 Mitarbeitern ab. 2012 verzeichnete diese Abteilung keinen einzigen Arbeitsunfall. Als bester Produktionsbereich wurde das Vorserien-Center mit ebenfalls keinem Unfall ausgezeichnet. Die beste Entwicklung in der Statistik legte die Fertigung des Getriebes DQ 200 hin. Gab es unter den knapp 600 Mitarbeitern der Abteilung 2009 noch zehn Unfälle, waren es im vergangenen Jahr lediglich zwei.

Harald Siebenberg vom Betriebsrat bringt es auf den Punkt: Es gehe darum, dass wir die Gesundheit, die wir mit zum Arbeitsplatz bringen, auch am Abend wieder mit nach Hause nehmen können“.

Von Sven Kühling

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