Ausstellung in Altenritte

Ausstellung in Altenritte: VW-Werk befeuert den Wandel

Baunatal. Helmut Bringmann gehörte zu den ersten Besuchern einer Ausstellung über die Anfangsjahre des VW-Werks im Heimatmuseum von Altenritte, die am Montag im Vorgriff auf das Stadtjubiläum Baunatals 2016 offiziell eröffnet wurde.

Die Aussichten für Helmut Bringmann waren im Herbst 1957 trübe: Am Ende seiner Elektrikerlehre in Kassel drohte Arbeitslosigkeit. Kleine Handwerksbetriebe hätten damals gern zu dieser Jahreszeit Mitarbeiter entlassen, um sich die Zahlung des Weihnachtsgeldes zu sparen, erinnert sich der Altenritter. Der Lohn sei auch nicht gerade üppig gewesen. Doch Bringmann hatte Glück: Er gehörte zu den ersten 100 Arbeitern, die im gerade gebauten VW-Werk in Altenbauna im Sommer 1958 einen Job erhielten. „Ich hatte die Mitarbeiternummer 400091“, sagt der 73-Jährige.

Das Baunataler Stadtarchiv und der Heimat- und Geschichtsverein haben mit Unterstützung des Volkswagenwerks und des Pressearchivs der HNA viele Bild- und Textdokumente zusammengetragen. Die Schau zeichnet anschaulich nach, wie sehr das Auto-Werk den Wandel im Bauna-Tal vom Dorf zur Stadt befeuert hat und noch heute vorantreibt: Nach der Übernahme des zerbombten ehemaligen Geländes der Henschel Flugzeugmotorenwerke und dem Bau der Halle 1 veränderte sich auch das Gesicht der umliegenden Orte, die in wenigen Jahren zur Stadt zusammenwuchsen.

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Da wurden beispielsweise viele neue Häuser gebaut. Straßenzüge wurden verbreitert, weil sich nach einem Schichtwechsel regelmäßig die VW-Arbeiter mit ihren Autos im Stau durch die Dörfer quälten. Das Werk sorgte für Arbeitsplätze und Steuereinnahmen, die Stadt für die nötige Infrastruktur. Das ist auch heute noch so. 16.000 Menschen aus der Region arbeiten momentan dort. „Wir tun alles, damit es VW gut geht, dann tut VW auch alles, dass es uns gut geht“, sagte Bürgermeister Manfred Schaub während der Eröffnung, an der auch Manager des Werks teilnahmen.

Die Ausstellung ist vor allem für Werksveteranen eine Fundgrube der Erinnerungen. Leonardo Ciuffreda (63), der 1978 bei VW anfing, und Günther Pöpperl (70), der 1962 in der Getriebeaufbereitung anheuerte, schauten sich die Bilder mit den Szenen des Arbeitsalltags in Halle 1 an.

„Wir haben damals unsere Pausenbrote auf Holzkisten verzehrt“, sagt Pöpperl. Er hat seinerzeit Tellerräder in die Getriebe des legendären Käfers von Hand eingebaut. Heute erledigen das Roboter.

Fotos vom VW-Werk

VW-Werk feuert Wandel in Baunatal an

Ciuffreda hat Kotflügel für den Käfer gepresst. „Die wurden an Ketten über unseren Köpfen zur Lackiererei transportiert“, erzählt er. Die Arbeit sei hart gewesen. „Das war kein Spaß“, meint der Baunataler mit italienischen Wurzeln. Beide sind stolz darauf, wie modern sich das Werk entwickelt hat. VW hat das Leben der beiden geprägt. Ihre Kinder arbeiten längst auch im Werk. Helmut Bringmann hat eine Enkelin, die dort ihre Lehre macht.

Von Peter Dilling

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