Größter Arbeitgeber der Region – Standort war gefährdet

Hans-Helmut Becker formte VW-Werk zur Einheit

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Er geht möglicherweise: Prof. Hans-Helmut Becker hat das VW-Werk Kassel in Baunatal auf einen guten Weg geführt.

Baunatal. Prof. Hans-Helmut Becker (64) hat in den vergangenen acht Jahren beeindruckende Ergebnisse erzielt: Bis 2018 werden zwei Milliarden Euro am Standort investiert. Die Zahl der Beschäftigten ist mit 16 100 so hoch wie seit vielen Jahren nicht mehr. Fast vier Millionen Getriebe wurden 2013 gefertigt, und seit Herbst läuft in Baunatal exklusiv die Serienproduktion für den E-Antrieb von Volkswagen.

Damit fällt die Bilanz für den Macher aus Borken-Nassenerfurth (Schwalm-Eder-Kreis), der im Januar 2006 als Nachfolger von Prof. Rüdiger Weißner an die Spitze des VW-Werkes trat, bislang durchweg positiv aus. Becker, der Praktiker, der selbst ab 1985 in der Gießerei des größten Arbeitgebers der Region arbeitete und ab 1990 deren Leiter war, formte den Gemischtwarenladen VW-Werk zu einer Einheit. Lange Wege ging der Werkleiter zu Fuß durch die Hallen, um möglichst guten Kontakt zu seinen Mitarbeitern zu halten.

Wenn sich die Gelegenheit bot, erinnerte er seine Mannschaft daran, dass der Erfolg des Werkes nur durch eine außerordentliche Teamleistung zustande komme. Dieser Gemeinschaftssinn hielt mit Becker Einzug zu einer Zeit, als der Standort Baunatal höchst gefährdet war.

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Gemutmaßt wird bis heute, dass VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard 2006 große Produktionsbereiche an Zulieferer abgeben wollte. Der Standort Baunatal stand damals kurz vor der Zerschlagung. Immerhin waren die Nordhessen in dieser Phase mit anderen Werken für dreistellige Millionendefizite verantwortlich.

Gemeinsam mit dem Betriebsrat – und nicht wie häufig in früheren Zeiten gegen diesen – begab sich Hans-Helmut Becker auf den „Kasseler Weg“. Dieser hat Beschäftigungssicherung als oberstes Ziel. Mit den Betriebsräten Jürgen Stumpf und später Carsten Bätzold sorgte Becker aus der Krise heraus sogar für eine Steigerung der Beschäftigtenzahl. In den vergangenen beiden Jahren wurden immer wieder Leiharbeiter auf feste Stellen übernommen, vor wenigen Tagen erst 117, im Jahr 2013 waren es 568.

Der VW-Vorstand in Wolfsburg ist mit den Baunatalern offensichtlich zufrieden. Nahezu im Halbjahresrhythmus vergibt die Konzernspitze Aufträge für neue Produkte, beispielsweise für den Bau hochwertiger Audi-Doppelkupplungsgetriebe. Ansehen brachte den Nordhessen zusätzlich der Zuschlag für den Bau des VW-Elektromotors im Jahr 2010. Der zweitgrößte VW-Standort nach Wolfsburg mischt im weltweiten Konzerngeschehen kräftig mit.

Extra Champagner

Natürlich findet der Nordhesse, dem sein Stammitaliener in Borken extra einen Champagner gewidmet hat, der hemdsärmlig und durchaus kumpelhaft sein kann, in der Belegschaft auch Kritiker. Manche bezeichnen ihn als „harten Hund“. Andere bemängeln fehlendes staatsmännisches Auftreten. Aber genau diese Mischung könnte zu den eingangs genannten Erfolgen geführt haben.

Von Sven Kühling

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