Produktionsrekord

VW-Werk: Mit Elvis-Getriebe auf Rekordjagd

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Moderne Technik sorgt für Produktionssteigerung: Christian Kazalla „füttert“ den neuen Industrieroboter in Halle 3.

Baunatal. Wer einen Eindruck vom Fortschritt der Effizienz in der Produktion des Volkswagenwerks Baunatal bekommen will, der sollte sich vor allem in der Halle 3 des Werks umschauen. Dort werden seit 16 Jahren Getriebe für die Konzernmarke Audi gebaut.

Die Mitarbeiter dort haben gerade einen neuen Produktionsrekord aufgestellt: Rund 400.000 Getriebe wurden 2013 gefertigt, dieses Jahr sollen es sogar rund 440.000 werden. Diese neue Bestmarke soll mit einer Investition von 40 Millionen Euro in eine weitere Fertigungsstraße, neue Maschinen und Roboter gestemmt werden.

Inzwischen sind diese stufenlosen so genannten „Multitronic“-Getriebe, die die die Motorkraft verschiedener, großer Audi-Modelle wie den A6 oder A8 auf die Straße bringen und für Laufruhe sorgen, vor allem Dank der Chinesen ein Verkaufsschlager. „Die sind ganz wild drauf“, sagt Robert Wielgoss, verantwortlich für die mechanische Fertigung. 40 Prozent dieser Getriebe gehen ins Audi-Werk nach Fernost. Der Boom begann so richtig, als der Konzern vor sechs Jahren mit einem preisgekrönten Werbespot und einer wackelnden Elvis-Presley-Puppe für Furore sorgte: Die Rock-Legende (gestorben 1977) auf dem Armaturenbrett beruhigte sich, sobald sie in einem Audi mit stufenlosem Getriebe fuhr.

Andreas Stagel arbeitet an der neuen Produktionslinie für Audi-Getriebe. Stefan Koch (links) und Robert Wielgoss schauen, wie er mit den Arbeitsschritten zurechtkommt.

Der Erfolg des Getriebes ist aber nicht nur ein Beispiel für schlaues Marketing sondern auch für konsequente Effizienzsteigerung in der Produktion. 1997 hätten die Mitarbeiter täglich 50 Getriebe pro Tag per Hand gefertigt, sagt Stefan Koch, in Halle 3 zuständig für die Montage. Heute seien es 1650 Stück. Ab März peile man 1900 Getriebe an. Diese Leistungsexplosion hat das Werk nicht nur den allgegenwärtigen Industrierobotern zu verdanken. Denn Handarbeit spielt in der Fertigung immer noch eine große Rolle.

Keine Zeit für Warten

Entscheidend war die Verschlankung der Arbeitsprozesse, ohne dabei die Menschen zu überfordern. Ein Rad greift in das andere. Alles muss im Fluss sein, keine Maschine, kein Arbeiter darf Zeit mit Warten auf den nächsten Arbeitsschritt verschwenden. Diese Philosophie des Werkleiters Professor Hans-Helmut Becker habe man in Halle 3 vorbildlich umgesetzt, sagt Werk-Sprecher Rudi Stassek. „Der Arbeitsplatz ist organisiert wie im Operationssaal. Das Op-Besteck ist sofort greifbar“, so beschreibt es Wielgoss.

Von 55 auf 44 Sekunden

Dazu gehörte nach seinen Worten ein Strauß von 300 bis 400 Optimierungsmaßnahmen. Den Produktionstakt habe man von 55 auf 44 Sekunden beschleunigen können. Wichtig sei dabei die Einbindung jedes Arbeiters an der Produktionsstraße.

„Wir wollen die Mitarbeiter mitnehmen. Denn sie wissen, wie es funktioniert“, sagt Koch. Andreas Stagel, der die Kette für die stufenlose Kraftübertragung am Getriebe montiert, liefert dafür gleich ein Beispiel. Warum müsse er denn jeden Handgriff mit Knopfdruck bestätigen, fragt er. Das koste unnötige Zeit und störe den Rhythmus. Wielgoss und Koch nehmen den Einwand ernst. Sie werden das prüfen.

Von Peter Dilling

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