Das machen die Mitarbeiter der Prozess- und Versorgungstechnik

VW-Werk: Die Herren über Kabel und Rohre

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Schier unendliche Rohre und Leitungen: Die Versorgungsstränge des VW-Werks befinden sich häufig in den Untergeschossen. Alle technischen Anlagen des gesamten Werkes können von einem Leitstand in der Halle 1 überwacht und geschaltet werden, wie hier von Meister Megdi Tafoski (kleines Foto, links) und Jörg Stüssel.

Baunatal. „Wir können alles schalten, was schaltbar ist“, sagt Jörg Stüssel. Dann kommt ein Anruf aus Halle 3, dort soll der Mitarbeiter der Prozess- und Versorgungstechnik überprüfen, ob Pumpen laufen. Stüssel muss sich dafür erst gar nicht von Halle 1 auf den Weg durchs halbe VW-Werk machen.

Er kann alle Versorgungselemente zum Beispiel für Heizung, Wasser und Druckluft auf dem 1,6 Millionen Quadratmeter großen Gelände im Leitstand der Halle 1 über PC und Monitor überwachen - und schalten.

„Laufen alle“, lautet Stüssels kurze Info an den Kollegen am Telefon. 43 Maschinisten plus vier Teamsprecher sorgen 365 Tage im Jahr 24 Stunden rund um die Uhr dafür, dass im VW-Werk Duschen, Toiletten, Heizkörper funktionieren sowie Druckluft-, Wasser- und Gasleitungen dicht sind.

Das VW-Werk ist organisiert wie eine Stadt, es betreibt fünf eigene Brunnen zur Trinkwasserversorgung. „Die sind fast 200 Meter tief“, erläutert Dr. Holger Rose, Chef der Versorgungstechnik. Zusätzlich gibt es einen eigenen Hochbehälter mit 6000 Kubikmeter Wasser am Baunsberg. „Die Hälfte davon ist Löschwasserreserve“, sagt Rose.

Energie für 16.000 Häuser

500 Lüftungsanlagen werden von den Mitarbeitern bedient und am Laufen gehalten. Obwohl die Maschinen im Werk viel Wärme produzieren, reiche diese im Winter nicht für das Beheizen der riesigen Hallen aus, sagt Teamleiter Megdi Tafoski. Energie werde gebraucht wie für 16.000 Einfamilienhäuser.

Werden ständig kontrolliert: Die riesigen Turbo-Kompressoren. Frank Saul schaut nach, ob die Maschine, die Druckluft für die Produktion erzeugt, richtig arbeitet.

Viel Zeit stecken die Mitarbeiter in die Kontrolle der schier endlosen Leitungen, die sich oft in den Untergeschossen der Produktionshallen befinden. Die ziehen sich an den Decken der Gänge entlang und verlieren sich in weiter Ferne zu einem für den Laien unüberschaubaren grauen Bündel.

In einigen Röhren wird Gas transportiert, in anderen kochend heißes Wasser - unter zwölf Bar Druck. Jedes Verbindungsstück, jedes Rohr, in dem sich Gas oder heißes Wasser befindet, werde regelmäßig zusammen mit dem TÜV untersucht, sagt Tafoski. Seifenwasser zeige, ob es irgendwo ein Leck gibt. „Dann gibt das eine Seifenblase.“

Wenn trotzdem einmal ein Störfall eintritt, dann müssen die Leute von Wolfgang Rose schnell handeln. Schließlich könnte auch Gas oder ein anderer Gefahrstoff austreten. Auch bei Wärme ist Eile geboten. „Vieles ist weit über 100 Grad heiß, da hört der Spaß auf“, sagt Rose. In einem Notfall wird sofort zusätzlich die Werksfeuerwehr alarmiert.

Viel läuft mit Druckluft

Viel funktioniert in der Produktion mit Druckluft. Allein 15 Turbo-Kompressoren mit jeweils 1,1 Megawatt Leistung und einem jährlichen Stromverbrauch von 300.000 Euro pressen die Luft in die Leitungen. Wie wichtig die Versorgung letztendlich ist, bringt Megdi Tafoski auf den Punkt: „Ohne Druckluft und ohne Kühlwasser bewegt sich in der Fabrik nichts.“

Von Sven Kühling

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