Sozialverträgliches Instrument

Altersteilzeit für 1400 Angestellte: VW-Werk in Baunatal baut Arbeitsplätze ab

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Es geht um den Ausstieg aus dem Berufsleben: 2000 von insgesamt 16.600 Beschäftigten aus dem VW-Werk Kassel in Baunatal kommen nach Angaben der Personalleitung aktuell für ein Altersteilzeitmodell in Frage. Das Bild entstand während einer Betriebsversammlung im Werk.

Baunatal. Seit einem Jahr gilt bei VW das Sparprogramm Zukunftspakt. Das beinhaltet auch Abbau von Arbeitsplätzen. Das VW-Werk Kassel in Baunatal setzt dabei vorrangig auf das Modell der Altersteilzeit.

Insgesamt sollen bis 2025 in den deutschen VW-Werken bis zu 23.000 Jobs verschwinden. Auch in Baunatal wurden dafür erste Weichen gestellt: Rund 1400 Beschäftigte der Jahrgänge 1955 bis 1960 haben in Baunatal einen Altersteilzeitvertrag unterschrieben. 2000 Mitarbeiter dieser Jahrgänge gebe es insgesamt am Standort, sagt Personalchef Dr. Michael Ritter im Gespräch mit der HNA. „Wir gehen von einer Abschlussquote von rund 70 Prozent aus.“

Dr. Michael Ritter

Seit dem Ende einer staatlichen Förderung von Altersteilzeit im Jahr 2009 bietet Volkswagen in Eigenregie einen Weg in den Ruhestand an. Laut Ritter können die Mitarbeiter wählen unter Laufzeiten zwischen zwei und sieben Jahren. Sprich: Jeweils die Hälfte der Zeit wird gearbeitet, die andere Hälfte verbringt man zuhause. „Über den gesamten Zeitraum bekommt man das Altersteilzeitentgeld“, sagt Ritter und weist damit auf finanzielle Einbußen beim Gehalt hin.

Thomas Frye

Dennoch: Die Altersteilzeit kommt im Werk gut an. Personalchef Ritter und Thomas Frye vom VW-Betriebsrat sprechen von vielen positiven Rückmeldungen. „Die Leute warten darauf“, sagt Frye. „Bei uns ist Altersteilzeit positiv besetzt. Das zeigen auch die Zahlen.“

Ritter macht deutlich, dass das Angebot Teil des Sparprogramms Zukunftspakt des Markenvorstandes in Wolfsburg ist. „Es ist ein zentrales Instrument im Rahmen des sozial verträglichen Mitarbeiterabbaus und damit ein Instrument des Zukunftspaktes.“ Er räumt ein, dass die Mitarbeiter in Baunatal intensiver auf das Modell der Altersteilzeit hingewiesen werden. Letztendlich gelte aber vor einem Vertragsabschluss die „Freiwilligkeit auf beiden Seiten“.

Über 16.000 Arbeiter in Baunatal

Aktuell arbeiten 16.600 Frauen und Männer in dem nordhessischen Werk. Die Zahl werde sich auf lange Sicht deutlich verringern, sagt Ritter. „Der langfristige Mitarbeiterbedarf wird nennenswert absinken.“ Als Grund nennt der Personalchef den Umbruch vom Verbrennungsmotor zum Elektroantrieb. Weil in der Produktion von E-Motoren deutlich weniger Teile benötigt werden, brauche man weniger Beschäftigte. Ritter bezieht sich dabei aber in erster Linie auf den Getriebebau mit aktuell 4000 Arbeitnehmern. Noch brummt dort der Laden, weil die Direktschaltgetriebe aus Baunatal in vielen Modellen des Konzerns gebraucht werden. Ritter und Frye bestätigen aber, dass schon jetzt Szenarien für das Elektro-Zeitalter entwickelt werden.

Es könne aber durchaus sein, sagt Ritter, dass in anderen Produktionsbereichen in Baunatal neue Aufträge an Land gezogen werden und dafür neue Mitarbeiter eingestellt werden. Deshalb will sich Ritter nicht auf eine Prognose für eine Beschäftigtenzahl in zehn Jahren einlassen.

Mindestens zwei Angestellte im VW Werk Kassel haben die Altersteilzeit übrigens nicht nötig. Sie haben ihre Verträge gekündigt, nachdem sie Millionen im Lotto gewonnen haben.

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