VW-Betriebsrat: E-Antrieb für China bringt Jobs in Baunatal

Rollt ausschließlich mit Elektromotoren aus Baunatal: Der E-Up von VW. Mit der Offensive des Konzerns auf dem chinesischen Markt könnte mittelfristig eine Produktionsstätte für die umweltfreundlichen Antriebe im Reich der Mitte entstehen. Archivfotos: Kühling

Baunatal. Der VW-Konzern will in China innerhalb von vier Jahren 20 Modelle mit Elektroantrieb auf den Markt bringen. Bislang ist das VW-Werk Kassel in Baunatal der einzige Standort, an dem Elektromotoren für Volkswagen gebaut werden.

Betriebsratsvorsitzender Carsten Bätzold sieht deshalb in der China-Offensive für E-Autos zunächst einmal Chancen für das nordhessische Werk mit derzeit 16.600 Beschäftigten.

VW-China-Chef Jochem Heinzmann hatte am Dienstag vor Journalisten in Shanghai die Elektro-Strategie des Konzerns vorgestellt. „China wird sich sehr rasant entwickeln“, sagte er. Triebfeder dafür ist unter anderem, dass es in einigen chinesischen Städten bereits Zulassungsbeschränkungen für Autos mit herkömmlichem Antrieb gibt.

Als „Chance“ für Baunatal bewertet deshalb Betriebsratvorsitzender Carsten Bätzold das Engagement. „Wir sind doch derzeit die einzigen, die einen solchen Antrieb nach China liefern können“, sagt er im Gespräch mit der HNA. „Da sind wir in einer komfortablen Situation.“

Bätzold geht davon aus, dass das Werk in Baunatal bis zum Aufbau einer eigenen E-Antrieb-Produktion in China enorm profitiert. „Das wird bei uns die nächsten Jahren zu Beschäftigungsaufbau führen.“

Carsten Bätzold

Dass in China irgendwann eine eigene Produktionsstätte für Elektromotoren aufgebaut wird, das gilt in VW-Kreisen als sicher. Vergleichbares haben die Baunataler jüngst schon im Bereich der Getriebefertigung erlebt. Im neuen Werk in Tanjin werden inzwischen exact die gleichen Direktschaltgetriebe gefertigt wie im Leitwerk in Baunatal.

Die Getriebe für rund drei Millionen VW-Fahrzeuge für den chinesischen Markt werden inzwischen zum Großteil in China selbst gefertigt. „Wir liefern nur noch 400.000 Getrieb zu“, erläutert VW-Sprecher Rudi Stassek.

Angst, dass der Standort in Nordhessen durch eine chinesische Elektromotoren-Fabrik später einmal Schaden nehmen könnte, hat Carsten Bätzold nicht. „In den nächsten zehn Jahren ist das jedenfalls kein Thema“, sagt der Betriebsratschef. Und: Baunatal werde weiter Leitwerk für die E-Mobilität bleiben. „Entwicklung, Qualitätssicherung und technischer Support werden weiter hier stattfinden.“

In Deutschland gibt es bisher den Golf und den Up als reine Elektrovarianten von VW zu kaufen. Einen Golf gibt es ab rund 35 000 Euro. Seit wenigen Tagen gibt es zudem den Golf GTE mit Plug-In-Hybrid, der Elektroantrieb und Benzinmotor kombiniert. Die Elektromotoren für E-Golf, E-Up und GTE werden bislang ausschließlich in Baunatal gefertigt.

Vom Werkmanagement in Baunatal gab es gestern zu den Auswirkungen des China-Engagements auf den nordhessischen Standort keine Stellungnahme.

Von Sven Kühling

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