Vogel soll Samstag aus der Halle gebracht werden

Uhu nistet sich in Baunataler VW-Werk ein: Rettungsaktion geplant

Kassel/Baunatal. Es ist mit Sicherheit eine der ungewöhnlichsten Begegnungen, die Mitarbeiter des VW-Werks je hatten: Seit Dienstag blickt ein Uhu von einem Rohr unter dem Dach der Halle 1 auf sie herab.

Der große Greifvogel, so berichtet VW-Sprecher Heiko Hillwig, war auf unbekanntem Weg nachts in die Halle gelangt. Jetzt sitzt das Uhu-Weibchen in etwa zehn Metern Höhe über den Köpfen der Mitarbeiter im Getriebebau. Das Angebot von Fluchtmöglichkeiten – geöffnete Fenster und ein von Dachdeckern extra geschaffenes Loch im Dach – hat der Uhu bislang nicht genutzt.

Hat den Greifvogel im Blick: Mitarbeiterin Carina Jakob arbeitet im Getriebebau.

„Ich bin schon sowas wie die Uhu-Beauftragte hier“, sagt Carina Jakob, Mitarbeiterin im Getriebebau. Sie achte gemeinsam mit ihren Kollegen darauf, dass der Vogel nicht erschreckt werde. „Auch sollen wir keine Handy-Fotos mit Blitzlicht machen“, ergänzt die 21-jährige Schauenburgerin. Man merkt, die Beschäftigten haben sich schon mit dem Uhu angefreundet. Einen Namen, so sagt ein Kollege im Vorbeigehen, habe man dem Vogel aber noch nicht gegeben. „Er heißt Uhu.“

„Gut, dass die Kollegen so gelassen sind“, sagt auch Ralf Schmeißing aus der Bauabteilung des VW-Werks. Schmeißing kümmert sich ebenfalls um das Wohl des Greifvogels – schließlich kennt sich der aktive Jäger mit Tieren aus. Hinzugezogen hat er inzwischen Falkner Lutz Rochelmeyer, der in Malsfeld eine Auffangstation für Greifvögel betreibt.

Kennt sich mit Uhus gut aus: Falkner Lutz Rochelmeyer uas Malsfeld.

Am Samstag will der Falkner versuchen, den Uhu aus der Halle zu bekommen. Dazu gebe es mehrere Möglichkeiten, sagt der Experte. Eventuell fange er ihn mit einem Netz ein. Angelockt werde das Tier dann mit einer toten Taube. Nur in Notfällen setzen Falkner Betäubungspfeile ein. „Man kann den Vogel betäuben. Das ist aber die letzte Variante“, betont Rochelmeyer, der dazu eine extra Ausbildung absolviert hat. Geschossen werde der Pfeil mit einem Blasrohr.

Und fallen die Tiere dann womöglich betäubt von ihrem Sitzplatz aus der Höhe auf den Boden? „Nein“, sagt der Falkner. Greifvögel ließen sich, wenn sie merkten, dass sie schwindelig werden, langsam durch die Luft auf den Boden trudeln.

Eingebunden in die Rettung des Uhu-Weibchens ist auch die Obere Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Kassel. Die Behörde sei von VW wegen des Besuchs des Greifvogels kontaktiert worden, berichtet RP-Sprecher Michael Conrad. Das RP habe Tipps gegeben, was man in einem solchen Fall tun könne, so der Sprecher. „Wir haben geraten, nachts Fenster der Halle zu öffnen, damit das Tier rausfliegen kann.“

Dass sich ein Uhu in eine große Werkshalle verirrt, das kommt nach Meinung des Falkners äußerst selten vor. „Das ist aber eben ein Stück Natur“, sagt der Malsfelder und rät zu Unaufgeregtheit in einem solchen Fall. Grundsätzlich könnten Uhus bis zu acht Tagen ohne Futter überleben. Aber die Ausscheidungen des Tieres deuteten sogar darauf hin, dass es irgendwo etwas zu fressen finde.

Für die VWler ist der Besuch des Uhus jedenfalls eine Besonderheit. Und vielleicht trägt ja aufgrund dieses ungewöhnlichen Ereignisses irgendwann mal ein Volkswagenmodell den Namen "VW Uhu"?

Hintergrund: Das sind Uhus

  • Ein Uhu gehört zur Ordnung der Eulen, es ist die größte Eulenart.
  • Uhus haben einen massigen Körper und einen auffällig dicken Kopf mit Federohren. Die Augen sind orangegelb.
  • In Mitteleuropa brütet die Art vor allem in den Alpen sowie den Mittelgebirgen, daneben haben Uhus hier in den vergangenen Jahrzehnten aber auch das Flachland wieder besiedelt.
  • Die Spannweite der Männchen beträgt durchschnittlich 157 Zentimeter, die der Weibchen 168 Zentimeter.
  • Ein Uhurevier hat im Durchschnitt eine Größe von 40 Quadratkilometern.
  • Uhus ernähren sich in erster Linie von kleinen bis mittelgroßen Säugern und Vögeln. Zu seiner Beute zählen in Mitteleuropa vor allem Igel, Ratten, Mäuse, Kaninchen, Feldhasen, Rabenvögel, Tauben und Enten.

Berühmte Uhus der Region

Im Sommer sorgten bereits andere Uhus in Kassel für Schlagzeilen. Im Lutherturm hatte sich eine Uhu-Familie eingenistet. Der Vater ist mittlerweile jedoch gestorben.

Der wohl bekannteste Uhu der Region war aber wohl Uhu Heinrich, der jahrelang einer der Lieblings im Wildtierpark Edersee war. 

Rubriklistenbild: © Kühling

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.