Betriebsversammlung: 450 Millionen Euro sollen 2012 in Standort Baunatal fließen

VW-Werk wächst weiter

Im Aufwind: VW will die Produktion am Standort Baunatal weiter steigern. Wegen der Krise in Europa gibt sich das Management bei Neueinstellungen aber derzeit zurückhaltend. Archivfoto: vw / nh

Baunatal. Das VW-Werk Kassel in Baunatal wächst weiter. Zum einen soll der Ausstoß an Getrieben von 3,96 Millionen 2011 auf 4,2 Millionen im kommenden Jahr steigen. Zum anderen soll noch mehr in die Produktionsanlagen investiert werden.

2011 wurden 260 Millionen Euro in den Baunataler Standort gesteckt, im kommenden Jahr sollen es 450 Millionen Euro sein. Diese Zahlen nannte Werkleiter Prof. Hans-Helmut Becker gestern am Rande einer Betriebsversammlung mit rund 6000 Beschäftigten in Halle 2 in Baunatal.

VW-Markenvorstand Werner Neubauer hatte ebenfalls gute Nachrichten für den nordhessischen Standort im Gepäck. Er stellte die Produktion eines neuen Hybridgetriebes (DQ 400 e), das einen Elektroantrieb mit einem Verbrennungsmotor koppelt, für das Baunataler Werk in Aussicht. „Wer das entwickelt, muss das auch bauen“, sagte Neubauer nach Angaben des Werkmanagements während der Versammlung. Gibt der VW-Gesamtvorstand dafür grünes Licht, werden täglich einige Hundert dieser Einheiten in Baunatal gebaut werden.

Vorsichtiger geworden ist der Autobauer bei Neueinstellungen. Man müsse erst abwarten, wie sich die Krise in Europa entwickelt, sagte Betriebsratschef Jürgen Stumpf. „Wir spüren schon eine Delle durch Griechenland, Spanien und Italien. Auch wenn sich das am Standort hier noch nicht so auswirkt.“

In den vergangenen 16 Monaten hat VW in Baunatal 1400 Verträge von Leiharbeitern in feste Stellen nach VW-Tarif umgewandelt.

Für weitere 2000 Leiharbeiter, die wegen des enormen Auftragsvolumens derzeit in der Produktion tätig sind, gibt es diese Perspektive vorerst nicht. Zwar werde man die Mitarbeiter, deren Verträge 2012 enden, nicht auf die Straße setzen, erklärten Stumpf und Becker einhellig, Zusagen für feste Stellen seien derzeit aber nicht möglich.

Im ersten Quartal will sich der Vorstand in Wolfsburg laut Stumpf mit diesem Thema beschäftigen und ein Gesamtvolumen für Neueinstellungen bei Volkswagen benennen. Mit Blick auf die europäische Entwicklung geben sich alle Beteiligten derzeit aber auffällig abwartend.

Die Renner im Getriebebau in Baunatal sind die Direktschaltgetriebe. Zwei Millionen Einheiten sollen 2012 in Nordhessen gefertigt werden. Und der Werkleiter entpuppt sich als Fan dieser automatischen Schalteinheit. „Wer einmal ein DSG gefahren hat, der kauft kein anderes mehr.“

VW in Baunatal setzt aber nicht auf die Ausweitung der Produktion. Völlig neue Produkte müssten an Land gezogen werden, sagte Becker. Das bringe Beschäftigung im Werk. Eines dieser neuen Produkte ist für den Standort der E-Antrieb, der ab 2013 für das Modell e-Up in Serie gehen soll. Die Fertigungsstätten dafür und ein neues Direktschaltgetriebe für Audi befinden sich derzeit im Aufbau.

Trotz dieser Entwicklung: Das Werkmanagement wechselt aktuell zwischen Gas- und Bremspedal. Werkleiter Becker: „Die Steigerungen aus den vergangenen beiden Jahren kann man auf Dauer nicht beibehalten.“

Von Sven Kühling

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