Gerd Betz pilgerte nach Marburg – 210 Kilometer alleine zu Fuß unterwegs

Wandeln auf heiliger Spur

Zu Fuß unterwegs: Gerd Betz pilgerte auf den Spuren der Heiligen Elisabeth nach Marburg. Foto: Büntig

Fuldabrück. Den Wunsch, auf Pilgerreise zu gehen, hegte Gerd Betz schon lange. Aber die Realisierung kam nie zustande. Doch nun machte er sich auf die Reise und ging auf den Spuren der Heiligen Elisabeth nach Marburg.

„Eigentlich wollten wir als Gruppe pilgern, aber wie es oft ist – zum Schluss blieb ich alleine übrig“, berichtet Gerd Betz über die Planung seiner Pilgerreise.

Der ehemalige Berufssoldat ist weit herumgekommen, einen dauerhaften Wohnort in Fuldabrück gab es erst seit dem Ruhestand. Aber auch jetzt noch ist er in verschiedenen Ehrenämtern häufig unterwegs und betreut Reisegruppen, führt sie durch Kassel, Berlin oder auch ins Ausland wie zum Beispiel nach St. Petersburg.

Warum pilgern und warum auf dem Elisabethpfad? „Ich bin immer schon kirchengeschichtlich interessiert; und das Schicksal der Heiligen Elisabeth ist mir schon als Schüler nahe gegangen“, sagt der 68-Jährige zur Begründung.

Und so machte er sich am 28. Mai auf den Weg. Den ersten Tag genoss er ganz besonders: Sein zehnjähriger Enkel Timo begleitete ihn die ersten 16 Kilometer. Danach ging es in Tagesetappen zwischen 28 und 32 Kilometer von Eisenach über Waldkappel, Spangenberg und Schwalmstadt bis nach Marburg.

Acht Tage war Betz unterwegs, insgesamt legte er 210 Kilometer zurück. Während der Pilgertour besuchte der Rentner 30 Kirchen, in denen er die Stempel für seinen Pilgerausweis erhielt.

Ein Verzeichnis der Pilgerherbergen half bei der Organisation der Übernachtungen. Diese waren nicht nur kostengünstig, die Herbergseltern waren zudem ausgesprochen freundlich. „Ich wurde spontan zu einem Grillfest eingeladen, alle Leute unterwegs waren sehr nett und hilfsbereit“, schwärmt der Pilger.

Er sei mit Elisabeth aufgewacht und eingeschlafen, berichtet Betz. Das Leben dieser faszinierenden Frau habe ihn sehr beschäftigt, dabei seien die Gedanken aber auch sehr bald auf das eigene Leben geschweift. „Mir wurde bewusst, wie gut es mir geht. Ich habe eine tolle Familie, wir sind gesund, es geht uns gut. Das alles hat mich mit großer Dankbarkeit erfüllt.“

Beim Pilgern störte niemand seine Gedanken, ganz in Ruhe genoss er die Natur und konnte sich Dinge bewusst machen, die im normalen Alltag einfach so vorbei rauschen.

So lernte er auch das Alleinsein zu schätzen. „Wer mit sich selbst was anfangen kann, profitiert immens davon, alleine zu pilgern“, erkannte Betz. Neben diesen Erfahrungen war es auch ein Test der eigenen Belastbarkeit; Betz ist auch stolz darauf, diese Tour so gut geschafft zu haben. Wieder daheim, bleibt der Vorsatz, einmal im Jahr eine Pilgertour in seinen bewegten Alltag einzubauen. Um zu sich selbst und zur Ruhe zu finden. (pbü)

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