Streit um Wasser zwischen Nieste und Kassel ist beigelegt

Wanderschule Nieste baut neues Wasserwerk in Strecken ein

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Nieste. Alle nutzen es, aber die Wenigsten fragen sich, wo es herkommt: Wasser. Die Wanderschule in Nieste will das ändern. Parallel zum Bau des neuen Wasserwerks im Tal der Nieste entwickelt sie ein touristisches Konzept. 

In Nieste bauen die Städtischen Werke Kassel Netz und Service aktuell ein neues Wasserwerk. Die Wanderschule Nieste will dieses jetzt in ein touristisches Konzept einbinden. Der einstige Wasserstreit scheint damit endgültig begraben – denn statt sich um das gute Wasser zu streiten, will Nieste vom Bau der Anlage touristisch profitieren.

Begleitend zu den Arbeiten, die Mitte des Jahres abgeschlossen sein sollen, wird das Konzept, in dessen Mittelpunkt der Schwarzstorch steht, erarbeitet. „Der Schwarzstorch ist ein seltenes Tier und siedelt sich nur dort an, wo er ideale Lebensbedingungen vorfindet“, erklärt Helmut Lippert. Und dazu gehöre auch eine optimale Wasserqualität. Die habe man im Gläsnertal – ein Entscheidungskriterium für den Bau des Wasserwerks an dieser Stelle.

Ziel: Bürger sensibilisieren

30 Jahre wurde gestritten: Heute ist der Konflikt um die Frage, wer wie viel Wasser bekommt, gelöst.

Nach der Fertigstellung des Wasserwerks werde dieses als Station mit „kleinen Wassererlebnissen“ in die Wanderungen der Wanderschule um den Niester Riesen eingebunden – vor allem, um auf die schützenswerte Region hinzuweisen. „Drei unserer Wanderbegleiter werden für die Wanderungen von den Städtischen Werken ausgebildet“, so Lippert.

Da das Wasserwerk ein geschützter Bereich sei, wolle man nach dessen Fertigstellung einen separaten Ausstellungsbereich schaffen, an dem die Besucher alles über Flora und Fauna und zur Geschichte des Wassers im Gläsnertal finden – auf Infotafeln und im Video erklärt. Dem Schwarzstorch, der dieses Jahr bereits an den Fischteichen gesichtet wurde, gibt als Protagonist die Informationen an die Besucher weiter.

Start des Konzepts ist ein Geschichten- und Malwettbewerb für Kinder. Sie sind aufgerufen, die Geschichte von Alois Adebar und seiner Frau Sari weiterzuerzählen. Denn das Storchenpaar, dass sich noch im Winterquartier in Ägypten aufhält, sucht einen Platz zum Nisten. In Text und Bild sollen die Kinder begründen, weshalb ausgerechnet der kleine Ort an der hessisch-niedersächsischen Landesgrenze optimal für die Ansiedlung ist. Letztlich soll daraus ein Comic entstehen, kündigt Helmut Lippert an.

Werk Mitte 2017 fertig

Am Wasserwerk selbst hat sich seit Baubeginn im vergangenen Jahr einiges getan. Die Bodenplatte für das Haus zur Wasseraufbereitung ist bereits fertiggestellt, mit den Arbeiten geht es laut Pressesprecher Ingo Pijanka am 24. April weiter. Als Nächstes komme eine Stahlträgerkonstruktion hinzu, danach werde gemauert. Mitte 2017 soll das Werk fertig sein und an das Kasseler Wassernetz angeschlossen werden. Das touristische Konzept wolle man unterstützen, so der Sprecher. Gespräche dazu würden bereits laufen.

Eine Fotostrecke zum einstigen Wasserstreit gibt es hier.

    

Der Wettbewerb: Informationen zum Wettbewerb für Kinder von 8 bis 12 Jahren sowie die Geschichte zum Fortschreiben gibt es bei der Gemeinde Nieste. Die Geschichten und Bilder sollen bis 30. März dort abgegeben werden oder man schickt sie an touristik@grimmsteig.de

Hintergrund

30 Jahre lang, von 1974 bis 2004, dauerte der Wasserstreit zwischen der Gemeinde Nieste und den Städtischen Werken Kassel, der zeitweise vor Gericht ausgetragen wurde. Jetzt ist er begraben. Hintergrund des Streits war die Frage, wie viel Grundwasser aus dem Tal der Nieste entnommen werden darf ohne der Natur zu schaden. Der Oberlauf der Nieste war in trockenen Sommern regelmäßig trocken gefallen. Laut Bürgermeister Edgar Paul (SPD) ist die Diskussion seit 2004 zugunsten einer für beide Protagonisten profitablen Kooperation ausgeräumt. Paul selbst war 1984 einer der Mitbegründer der Bürgerinitiative gegen Wasserraubbau: „Die Kooperation läuft inzwischen einwandfrei, sodass beide Kommunen vom Wasserreichtum der Nieste profitieren.“


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