Heizölkunden müssen jetzt Geduld haben: Der harte Winter bringt Lieferverzögerungen mit sich

Warteliste für den teuren Stoff

Froh über den Nachschub: Heizölkundin Helga Batz.

Kaufungen / Fuldabrück. Es ist bitterkalt an diesem klaren Wintermorgen in Oberkaufungen. Die Heizungen laufen da ohne Unterlass. Auch der Pegelstand im Heizöltank von Helga Batz nähert sich bedrohlich der Nulllinie. Sie ist froh, als der Kaufunger Brennstoffhändler Bernd Breitenfeld mit seinem Tanklaster vorfährt und den Schlauch ausrollt. In wenigen Minuten sind 1000 Liter in den Tank gerauscht. Breitenfeld verabschiedet sich hastig. Er muss weiter.

Denn im Osten Kassels warten noch viele Kunden auf ihn, die dringend Heizöl benötigen. Ein Zwölf-Stunden-Tag ist momentan normal für den Heizölhändler. „Ich habe Aufträge bis weit in die nächste Woche“, sagt er. Seinen Kollegen gehe es ähnlich.

Schuld an der derzeit ungewöhnlich starken Nachfrage sind zwei Faktoren: Zum einen hätten viele Kunden bei den relativ hohen Preisen im Sommer nicht vollgetankt, weil sie mit später fallenden Preisen und einem milden Winter gerechnet hätten. Es kam jedoch nach dem Jahreswechsel anders: Der Heizölpreis stieg, die Temperaturen fielen in den Keller. Batz hat rechtzeitig nachbestellt. Breitenfeld muss anschließend zu einem Lohfeldener Kunden, der bereits im Kalten sitzt, wie der Heizölhändler erzählt.

Nachschubprobleme

Der starke Frost habe die Lage noch verschärft, sagt Breitenfeld. Es gebe manchmal Nachschubprobleme im Zentrallager in Kassel, weil die Schifffahrtswege der Binnenschifffahrt, die das Heizöl transportiert, oft zugefroren seien. Außerdem macht der teure Brennstoff, für den die Kunden derzeit deutlich über 90 Cent pro Liter zahlen müssen, bei den niedrigen Temperaturen Probleme. Wenn das Heizöl unter eine Temperatur von Null Grad sinke, bilde sich Paraffin, was den Heizungen schaden könne. Breitenfeld stellt seinen Tanklaster deshalb nachts in einer warmen Halle ab, damit der Brennstoff nicht zu kalt wird.

Das Öl, das Helga Batz bekommt, ist keine zwei Grad warm. Breitenfeld empfiehlt ihr deshalb, die Heizung bis zum Mittag abzustellen, bis sich das Öl im warmen Heizungskeller angewärmt hat.

„Wir haben momentan Lieferzeiten von um die zehn Tage“, sagt Karl-Heinz Wald vom bundesweit tätigen Mineralölunternehmen Mobene, das auch den örtlichen Lieferanten AWS Wärme-Service in Bergshausen beliefert. Zwei Tage seien sonst normal, sagt Wald. Doch aufgrund der vielen Nachfragen gehe es nicht schneller. Die Folge seien „Kaltsitzer“, wie sie der Mineralölexperte Wald im Fachjargon nennt. Das sind Heizölkunden, die den letzten Tropfen bereits verfeuert haben. Mobene bestätigt ebenfalls, dass es wegen zugefrorener Verkehrswege manchmal zu Nachschubproblemen kommt. Das sei regional allerdings sehr unterschiedlich, sagt Wald. DAS SAGT

Von Peter Dilling

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