Kampf gegen Plage: Marga Trautmann-Winter muss sich in Niestes Mitte selbst helfen

20 Waschbären gefangen

Verzweifelter Kampf: Marga Trautmann-Winter hat in dieser Falle schon knapp 20 Waschbären gefangen und dem Jäger übergeben. Dass sie damit gegen geltendes Jagdrecht verstößt, ist ihr klar. Aber sie jage ja auch nicht, sondern wehre sich gegen eine schlimme Plage, die Schäden anrichte und Krankheiten ins Haus bringe. Foto: Stier

Nieste. „Ich krieg die Krise, wir können kaum noch schlafen.“ Marga Trautmann-Winter, längjährige Leiterin der Grundschule Nieste, hat sich ihren Ruhestand etwas anders vorgestellt. Doch das gut 200 Jahre alte große Fachwerkhaus in der Dorfmitte von Nieste mit seinen verwinkelten Anbauten haben sie und ihr Mann nicht für sich allein: Unterm Dach und im Garten leben Waschbären in unbekannter Zahl.

Fast 20 Tiere hat die Lehrerin schon in ihrem idyllischen, 2000 Quadratmeter großen Garten gefangen und vom Jagdberechtigten abholen lassen. Wohl wissend, dass das Aufstellen der Lebendfalle rechtlich verboten ist. „Man muss sich selbst helfen und sich wehren, das hat mit Tierliebe nichts zu tun. Es ist eine unvorstellbare Belastung, solche Viecher im Haus zu haben“, sagte Trautmann-Winter.

Frank Becker, Jagdaufseher und Waschbär-Experte aus Kassel, habe ihr auch nicht helfen können. „Der hat sich unser Grundstück angeguckt und gesagt, da könne man nichts machen.“ Um 80 Euro ärmer und die Erkenntnis reicher, selbst aktiv werden zu müssen, schaffte sich die Ex-Schulleiterin eine Drahtfalle an. Zuvor hatten Waschbären die Zuleitung zur Solar-Warmwasseranlage auf dem Dach zerbissen und einen Schaden von 650 Euro angerichtet. Der Anblick der gefangenen Räuber in der Falle sei beängstigend, berichtet Trautmann-Winter: „Die knurren und werfen sich mit gefletschten Zähnen gegen die Gitter. Dem möchte ich nicht begegnen, wenn er frei ist. Ich könnte den Jäger jedes Mal küssen, wenn er ein Tier abholt.“

Beim Nachbarn dringe der Urin der Tiere inzwischen schon durch die Decke in die Wohnung. Auch auf ihrem Dachboden mit seinen Lehmdecken könnte das passieren.

Bestialischer Gestank

Dort haben die schlauen und offenbar auch säuberlichen Waschbären gut 20 „Toiletten“ angelegt. Trautmann-Winter: „Der Gestank ist bestialisch.“ Im Bett liegend höre sie die nachtaktiven Tiere über sich herumlaufen.

Von den Behörden fühlt sich Marga Trautmann-Winter allein gelassen. „Wir haben Haus und Garten mit viel Geld und Liebe hergerichtet - und jetzt soll ich nichts gegen die Waschbären machen dürfen, die mir Krankheiten ins Haus bringen? Die gehören doch gar nicht hierher!“

Für den Dachboden, den sie sich inzwischen kaum noch zu betreten wagt, will sich die wehrhafte Frau nun eine zweite Falle kaufen. Der Kampf wird härter. (tom)

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