Tiere werden in Fallen gefangen und dann erlegt

Waschbären geht es in Lohfelden an den Kragen

Lohfelden. Jetzt wird es ernst für die Waschbären, die sich in allen Ortsteilen der Gemeinde Lohfelden angesiedelt haben. Das Rathaus hat Lebendtierfallen angeschafft, die von betroffenen Einwohnern bei Bedarf über eine Servicestelle angefordert werden können.

„Seit dem Ende der Schonzeit sind Fallen im Einsatz, bislang aber ohne Erfolg“, sagte Karl-Heinz Rasch. Das liege daran, dass es noch Beerenfrüchte in großem Umfang gebe. „Die Tiere reagieren dann nicht so sehr auf die Köder in der Falle“, sagte der Jagdpächter in einem Gespräch mit der HNA. Karl-Heinz Rasch hat die Aktion „in guter Zusammenarbeit“ mit der Ordnungsbehörde im Rathaus und seinen Kollegen initiiert. Dann übergab Bürgermeister Michael Reuter (SPD) die vier Fallen an die Jagdpächter. Wer Probleme mit Waschbären hat, kann sich unter 0561/51102-24 melden. Die Gemeindeverwaltung informiert den zuständigen Jagdpächter, der die Falle aufbaut und kontrolliert.

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In Lohfelden macht die Waschbärenplage den Bewohnern hauptsächlich im Bereich Berliner Straße/Seestraße und im Altteil Crumbachs das Leben schwer. „Auch bei uns im Dorfe gibt überall Waschbären“, sagte Jagdpächter Jost Gundelach aus Vollmarshausen. Die so putzig aussehenden Tiere räumen die Mülltonnen aus oder gehen in die Dachstühle alter Fachwerk-häuser, wo sie großen Schaden anstellen können. Zahlreiche Hausbesitzer schützen sich inzwischen vor der Eroberung mit Vorrichtungen an den Fallrohren, einige sogar mit Elektrozäunen.

Michael Reuter

Die Waschbären seien auch eine Gefahr für Junghasen oder für das Gelege von Kleinbrütern. „Wir wollen versuchen, die Population auf einem für die Bevölkerung erträglichen Niveau zu halten“, sagte der Jagdpächter. Es gibt aber immer noch Bürger, die die ursprünglich nur in Nordamerika heimischen und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Pelzträger auch in Deutschland angesiedelten Waschbären „einfach süß“ finden, sie mit Katzenfutter anlocken oder mit Rosinen, Ei oder Honig verwöhnen. Das verstärke eher das Ausbreitungsproblem, so Karl-Heinz Rasch.

Mehr zum Waschbär lesen Sie im Regiowiki.

Die meisten Menschen hätten erkannt, dass sie den anpassungsfähigen Tieren keine Schlaf- und Wurfplätze anbieten und kein Futter rausstellen dürfen, zu diesem Schluss kam der Biologe Frank-Uwe F. Michler (Universität Dresden), der die Wachbärenplage in Kassel erforscht hat. Die Jagdpächter sind in bebauten Gebieten zur Ausübung der Jagd nicht berechtigt. Man sei aber in Kooperation mit der Gemeinde aktiv, um die Bürger zu entlasten, sagte Karl-Heinz Rasch. Die gefangenen Tiere würden in einem Spezialkorb abtransportiert und anschließend waidgerecht erlegt, so der erfahrene Jäger.

Diese Tierarten sind nach Deutschland eingewandert

Die chinesische Wollhandkrabbe reiste als blinder Passagier auf Schiffen von Ostasien nach Europa. Mittlerweile lebt sie in allen in Nord- und Ostsee mündenden Flüssen. Da sich sich gut an verschiedene Temperaturen und Salzgehalte des Wassers anpassen kann, konnte sie sich schnell ausbreiten. © dpa
Die Biberratte stammt ursprünglich aus Südamerika. Sie wurden nach Deutschland gebracht, um sie in Pelzfarmen zu züchten. Teilweise wurden Tiere absichtlich freigesetzt, einige konnten der Käfighaltung entfliehen. © dpa
Das Kanada-Grauhörnchen gleicht dem heimischen Eichhörnchen, hat im Gegensatz zu ihm aber keine Haarpinsel and den Ohren. Es stammt aus Nordamerika. © dpa
Der aus Afrika und Asien stammende Halsbandsittich ist ebenfalls in Deutschland heimisch geworden. © dpa
Die aus Nordamerika eingeschleppte Körbchenmuschel hat Deutschland von Westen her nach Osten durchquert und findet sich nun auch an der Oder. Die Muschelart stammt aus Asien und gelangte vermutlich im Ballastwasser von Schiffen über Nordamerika nach Europa. © dpa
Die Gartenameise Lasius neglectus stammt aus der türkischen Schwarzmeerregion. Inzwischen hat sich die Art in Europa verbreitet. Eingeschleppt wird die Art nach Informationen der Uni Regensburg zum Beispiel beim Import von großen Kübelpflanzen, in deren Töpfen sich die Kolonien einnisten können. © Gert Brovad, Zoologisches Musium, Universität Kopenhagen
Der Bisam stammt aus Nordamerika und wurde laut WWF zu Jagdzwecken in die Tschechoslowakei gebracht. Anfang der 1920er wurden die Tiere zu Tausenden in Pelztierfarmen gehalten. Nachdem ihre Felle an Wert verloren hatten, wurden sie in die Natur entlassen.   © dpa
Der Ochsenfrosch, auch Riesenfrosch genannt, kann ausgestreckt eine Länge von bis zu 50 Zentimetern erreichen. Urspünglich ist er in Nordamerika heimisch.   © dpa
Die Pazifische Auster kommt aus asiatischen Gewässern. Sie breitet sich im Wattenmeer immer weiter aus. © dpa
Die Rippenqualle stammt aus den tropisch warmen amerikanischen Atlantikgewässern. 1982 gelangte sie im Ballastwasser der Schiffe ins Schwarze Meer. 2006 wurde die Rippenqualle auch in der Ostsee entdeckt. © dpa
Ein unangenehmer Einwanderer ist die Asiatische Tigermücke. Sie überträgt unter anderm gefährliche Krankheiten wie das Dengue-Fieber.  © dpa
Der Nordamerikanische Wäschbär wurde 1927 als Pelztier nach Deutschland gebracht. Laut der Umweltschutzorganisation WWf wurde er 1934 gezielt am nordhessischen Edersee ausgesetzt, von wo er sich seitdem immer weiter ausbreitet. Außer dem Uhu, der seine Jungtiere reißt, hat er keine natürlichen Feinde.   © dpa
Auch der Mink wurde zunächst als Pelztier gehalten und dann in die Freiheit entlassen. Er konnte sich in seinem neuen Lebensraum gut ausbreiten. © 
Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstitutes haben zwei neue Spinnenarten in Deutschland verstärkt nachgewiesen. Eine davon ist die Zitterspinne Holocnemus puchei. Sie vertilgt Insekten, unter anderem Schaben und Stechmücken. © Senckenberg
Die zweite Art ist die Kräuseljagdspinne Zoropsis spinimana. Sie haben eine Körperlänge von bis zu zwei Zentimetern. Beide Arten stammen aus dem Mittelmeerraum. © Dr. Ambros Hänggi (Naturhistorisches Museum Basel)
Der asiatische Marienkäfer sollte in Gewächshäusern die Schädlinge bekämpfen - gelangte dann aber in die Freiheit. Mittlerweile ist die gebietsfremde Art häufiger anzutreffen als der Siebenpunkt-Marienkäfer. © dpa
Bei etwa zehn Prozent der Pflanzen in Deutschland handelt es sich um gebietsfremde Arten. Der Riesen-Bärenklau aus dem Kaukasus ist seit Anfang des 20. Jahrhunderts in Europa zu finden.  © dpa
Das Indische Springkraut stammt aus dem westlichen Himalaja. Die Pflanze kam als Zierkraut nach Europa und breitete sich in Rekordzeit aus. © dpa

Von Hans-Peter Wohlgehagen

Rubriklistenbild: © Wohlgehagen

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