Laborgruppe Agrolab in Ihringshausen sammelt Wasserproben

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Dicht verschlossen: In einer solchen Kühlkiste, die Christian Popa hält, werden täglich genommene Proben zum Beispiel aus Trinkwasserleitungen von Ihringshausen aus verschickt.

Fuldatal. Beim Wasser ist praktisch alles im Fluss. Oder wie Christian Popa sagt: „Wasser lebt, es verändert sich ständig.“ Nicht immer zum Guten, und hier kommt der Diplom-Ingenieur ins Spiel.

Er und seine vier Mitarbeiter sorgen für Klarheit, ob sich zum Beispiel im Trinkwasser Keime wie Legionellen befinden oder das Nass mit anderen Schadstoffen belastet ist.

Der 40-Jährige hat sein Büro in Ihringshausen, ist Gebietsbetreuer der europaweit tätigen Laborgruppe Agrolab. Diese betreibt allein in Deutschland acht Labore und ist flächendeckend mit 18 Gebietsniederlassungen wie in Ihringshausen vertreten.

Von Fuldatal aus werden für den Verbund Proben in der Mitte Deutschlands, in Südniedersachsen und Nordhessen genommen. Jene aus dem nördlichen Bereich per Kurier jeweils am Abend zum Labor nach Kiel befördert. Aus Nordhessen gehen die Kühlkisten mit den Flaschen aus Glas oder Kunststoff nach Eching an den Ammersee. Denn Labore sind jeweils nur für bestimmte Bereiche im Bundesgebiet zugelassen, sagt Popa.

Kurzclip: Christian Popa

Zu seinem Job war der studierte Landschaftsarchitekt eher beiläufig gekommen. Für seine Diplomarbeit an der Uni Kassel hatte er Quellen und Bäche im Werra-Meißner-Kreis chemisch, physikalisch und geologisch untersucht. Da lag es nahe, als Probennehmer für ein kleines Labor in Ihringshausen zu arbeiten.

Das war ab 2000 und „ging bis 2006 gut“. Dann standen seine Arbeitgeber vor der Frage: größer werden oder untergehen. Sie wählten einen dritten Weg, sie verkauften an Agrolab. Christian Popa blieb am Standort, seit zwei Jahren leitet er das Büro. Ein Labor betreibt die Gruppe in Fuldatal nicht mehr.

Klar werde generell alles untersucht und werden entsprechende Proben auch von Böden, Lebensmitteln oder Bauschutt genommen, wenn ein Auftraggeber dies wünsche. Ein Schwerpunkt liege aber beim Wasser.

So arbeitet Popa zum Beispiel für den Wasserversorger Städtische Werke Kassel oder für Wohnungsbaugesellschaften, Hotels und Altenheime. Privatleute lassen Proben nehmen, wenn sie Vermieter sind oder als Selbstversorger ihr Trinkwasser aus eigenem Brunnen bekommen. Letztere müssen das Wasser jedes Jahr untersuchen lassen. Bei Mietshäusern, Altenheimen und Hotels wird verwendetes Kalt- und Warmwasser kontrolliert, das somit an Endverbraucher als Dritte abgegeben wird.

Damit soll ausgeschlossen werden, dass das Leitungswasser zum Beispiel Blei, Nickel oder Kupfer enthält beziehungsweise mit Legionellen belastet ist. Diese Keime können beim Duschen über die Atemwege in den menschlichen Organismus gelangen und zu Lungeninfektionen führen, die tödlich enden können. Die Proben werden nach vorgeschriebenem Verfahren genommen und protokolliert. Popa: „Das ist komplex. Es hängt mehr dran, als viele Leute denken.“

Zapfen aus einem sterilen Wasserhahn

Wasserproben werden laut Christian Popa nach Terminvereinbarung zum Beispiel in Hotels „meistens in der Küche“ genommen. Zuvor werden Perlator und Sieb abgeschraubt, dann der Wasserhahn sterilisiert. „Schließlich soll das Leitungssystem untersucht werden und nicht nur die Zapfstelle.“

Dann wird für die mikrobiologische Untersuchung die Probe in eine sterile Einweg-Kunststoffflasche gezapft. Für die chemische Untersuchung wird flüssige Salpetersäure hinzugenommen, damit die möglichen Metalle in der Wasserlösung bleiben.

Außerdem müssen in einem Protokoll Färbung, Trübung, Temperatur, Geruch und Geschmack festgehalten werden. „Man muss das Wasser ja nicht trinken“, sagt der 40-Jährige. Leitfähigkeit und pH-Wert werden per Messgeräte bestimmt.

Die zuerst genommene Probe in einem Gebäude ist eine orientierende Untersuchung. Werden im Labor zum Beispiel Metalle im Kaltwasser festgestellt, gibt es weitere Untersuchungen nach folgendem Ablauf:

• Von der sterilisierten Zapfstelle werde der erste Liter entnommen, nachdem vier Stunden nicht gezapft wurde. Diese Probe erlaube Aussagen über den Wasserhahn und den direkten Anschluss des Rohres.

• Der zweite im Anschluss entnommene Liter Wasser erlaube Aussagen über die Installation.

• Dann lasse man das Wasser laufen, bis es eine konstante Temperatur habe, und nehme den dritten Liter. Dieses Wasser habe sich zuvor nicht im Leitungssystem des Gebäudes befunden, stamme also direkt vom Versorger. (mic)

Von Michael Schräer

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