VW-Konzept: Sauberkeit für höhere Qualität und zufriedene Mitarbeiter

Baunatal. Wände und Fußböden sind weiß, das übliche Grau und Grün von Industriebauten verschwindet zunehmend. Messstellen kontrollieren, wieviel Partikel in der Luft sind. Sauberkeit spart Geld.

Diese einfache Formel steckt hinter dem Konzept „Clean Factory“ von Volkswagen. „Wir wollen die klinisch reine Fabrik“, sagt Rupert Zeh, am Standort Baunatal für die Werktechnik zuständig.

Reinlichkeit erhöht die Qualität, indem durch Verschmutzung bedingte Fehler und somit Kosten vermieden werden. Sauberkeit steigert auch die Motivation der Mitarbeiter: Wer wenig Mängel und Ausschuss produziert, sondern ein gutes Ergebnis, erledigt den Job zufriedener und damit besser. Auf diesen Ideen basiert das Konzept. Zahlen zu Resultaten will VW allerdings nicht nennen.

Über allem steht das Ökologieprogramm „Think blue“ (auf Deutsch: Denke blau) von Volkswagen. Dessen Ziel lautet: Bis 2018 will der Konzern 25 Prozent Energie einsparen. Auch Schmutz kostet Energie.

VW-Konzept: Sauberkeit für höhere Qualität und zufriedene Mitarbeiter

Praktisch bedeutet „Clean Factory“ neben der dominierenden Farbe Weiß unter anderem, dass nur bestimmte Fahrzeuge mit der Sauberkeitsklasse 3 mitten in die Hallen dürfen, in die sogenannten Hochsauberkeitsbereiche. Für Klasse 2 ist in Hallengeschoss und Gießerei Schluss, Klasse 1 darf ledgilich ins Erdgeschoss und zu den Rampen, Klasse 0 muss draußen bleiben. Weitere Vorkehrungen: • Ölnebel werden gleich in den Maschinen abgesaugt. • Alte Maschinen, die neue Verwendung finden, werden gesäubert und überarbeitet. • Wo eine Produktionslinie länger steht, werden wartende Teile abgedeckt, um Verschmutzung zu verhindern. • Müllautos dürfen nicht mehr in die Hallen.

Ein Blick in Halle 3: Sabrina Lux aus Landwehrhagen hockt auf dem weißen Boden und wienert eine weiße Maschine. Hier wird die Produktion des Direktschal, Audi TT und starke Passat- sowie Golf-Motoren erweitert. Einige Meter weiter fährt Megdi Tafoski aus Lohfelden mit seinem weißen Fahrzeug vor. Eine „2“ prangt in gelben Rahmen auf der Scheibe: Er darf damit nicht in alle Bereiche.

In der Abteilung nebenan sieht es noch grau, grün und dunkel aus – ein augenfälliger Gegensatz. Auch hier werden Wände und Böden irgendwann weiß leuchten.

Alle Vorkehrungen beruhen auf einem Drei-Stufen-Plan, der seit Februar 2011 gilt. Natürlich ist längst nicht alles umgesetzt, es gibt noch dreckige Ecken im Werk. Aber sie sollen, wo immer möglich, umgehend verschwinden.

Zum Konzept gehört auch, dass acht Teams „mit besonderer Ausbildung und Sensibilität“, so Zeh, nach der Sauberkeit schauen und die Abteilungen beraten. Geschäftsführer und Montageleiter externer Firmen werden geschult, damit sie ihre Mitarbeiter einweisen. Das muss gegenüber VW belegt werden, „damit die wissen, wie wir mit Sauberkeit umgehen“, sagt Zeh.

Von Ingrid Jünemann

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