Vortragsveranstaltung des VDE-Bezirksvereins Kassel

Baunatal: Weiter starker Protest gegen Stromtrasse Suedlink

+
Gut besucht: Die Vortragsveranstaltung des VDE-Bezirksvereins sorgte für ein volles Haus im Uni-Hörsaal der ehemaligen Ingenieurschule in Kassel.

Kassel/Baunatal. Die Pläne für die 700 Kilometer lange 500.000-kV-Gleichstromleitung Suedlink, die Windstrom von Schleswig-Holstein nach Bayern transportieren soll, stoßen in Nordhessen weiterhin auf heftigen Widerstand.

Das mussten die Vertreter des Netzbetreibers Tennet am Donnerstag bei einer sehr gut besuchten Vortragsveranstaltung des VDE-Bezirksvereins in Kassel erfahren.

Auch Kommunalpolitiker und Bürger aus Baunatal und Schauenburg meldeten sich zu Wort, sie machten die jetzt ins Spiel gebrachte Verschiebung des ursprünglichen Trassenverlaufs nach Osten in Richtung Habichtswald und ihrer Gemeinden zum Thema.

Man habe allein aus Hessen mehr als 1000 Hinweise von Einzelpersonen und Kommunen überwiegend zu der im Februar vorgestellten Trassenführung erhalten, sagte Thomas Wagner (Tennet-Kommunikation). Daraus seien 28 Alternativen zur ursprünglichen Trasse entwickelt worden, die jetzt von einem Fachbüro überprüft und noch in diesem Jahr der Bundesnetzagentur als Genehmigungsbehörde vorgelegt werden sollen.

Lesen Sie auch:

Suedlink: Proteste auch gegen neue Trassenvarianten

„Suedlink kommt“, sagte Wagner. Man könne aber über Handlungsspielräume sprechen. Außerdem sei es im Vorfeld des offiziellen Verfahrens weiterhin möglich, Trassenvarianten vorzutragen.

Über Details der von Tennet bevorzugten Trassenführung durch die Region gab es während der VDE-Veranstaltung keine Informationen.

„Wir sind über die uns belastende Alternativtrasse nicht informiert worden“, kritisierten der Beigeordnete der Gemeinde Schauenburg, Dietmar Speckmann (CDU), und eine Bürgerin der Stadt Baunatal übereinstimmend. Tennet werde jetzt auch die Bürgermeister aus den neu betroffenen Gemeinden in den Dialog einbeziehen, versicherte Wagner.

Service: Eine Vorabversion des Tennet-Antrags mit allen Trassenvorschlägen gibt es auf www.suedlink.tennet.eu

In Dänemark habe man komplett auf Freileitungen verzichtet, hieß es. Das müsse auch in Schauenburg so gemacht werden, sagte eine Bürgerin aus der Gemeinde. Die 65 Meter hohen Strommasten würden die kommunale Weiterentwicklung und ein Zusammenwachsen der Ortsteile unmöglich machen. Die Politik gebe grundsätzlich Freileitungen vor, man müsse allerdings einen Abstand von 400 Metern zur Wohnbebauung und die Grenzwerte für die Belastungen durch Schall und elektrische Magnetfelder einhalten, sagte der Tennet-Vertreter. Sie rechne frühestens 2018 mit der Planfeststellung, danach werde Suedlink als reine Stromtransport-Trasse errichtet, sagte Tennet-Projektleiterin Paula Wagner. Mit örtlichen Verteilnetzen komme die Gleichstromleitung nicht in Kontakt. Gesundheitliche Risiken für Anwohner - etwa durch elektrische oder magnetische Felder - schloss ihr Kollege Dr. Stephan Pöhler vom Technik-Management aus. Dieser Auffassung widersprach eine Besucherin der Vortragsveranstaltung, die auf anderslautende Untersuchungsergebnisse europäischer Institute verwies.

Unterdessen kündigte der Landratskandidat Patrick Weilbach (CDU) in einer Pressemitteilung an, eine Prüfung der Kombination der beiden durch die Tennet vorgeschlagenen Trassenvarianten West und Mitte-West zu beantragen. (ppw)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.