Nächste ADAC-Nordhessentour soll Standorte aussparen

Weiter Streit um Rallye: Nächstes Mal ohne Lohfelden und Kaufungen

Gegensätze: An der Einmündung der Landesstraße 3203 und Kreisstraße 10 zwischen Lohfelden und Kaufungen passiert ein Trecker den Aufstellplatz für die startbereiten Rallye-Fahrzeuge. Fotos:  Wohlgehagen

Lohfelden / Kaufungen. Die ADAC-Nordhessen-Rallye des Kurhessischen Motorsportclubs Kassel (KMCK), die am Samstagabend nach heftigen Auseinandersetzungen mit Landwirten an der Strecke vorzeitig abgebrochen wurde, erregt weiterhin die Gemüter.

Veranstalter, Fahrer, Motorsportfans und Landwirte bezichtigen sich – auch auf HNA online –, überreagiert zu haben. Einige Landwirte hatten sich schon während der Veranstaltung lautstark über eine „völlig desolate Organisation an der Strecke“ beklagt und versucht, die Rennstrecke auf eigene Faust zu überqueren.

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Der Automobilsportclub Melsungen überschrieb eine Pressemitteilung aufgrund der Vorfälle sogar mit „Bauernkrieg in Lohfelden“: Die Landwirte seien erst nach dem Start „in Scharen“ herbeigefahren, um ihr Getreide an der Kompostierungsanlage abzuwiegen und so die Veranstaltung bewusst zu stören.

Fest steht, dass die Polizei gegen einen 49-jährigen Landwirt aus Kaufungen wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, versuchter Körperverletzung, Sachbeschädigung und Nötigung ermittelt. Das bestätigte Polizei-Pressesprecher Wolfgang Jungnitsch.

Im Werra-Meißner-Kreis habe es bei den Wertungsprüfungen überhaupt keine Probleme gegeben, „auch in Lohfelden und Kaufungen hätten die Bauern ruhig ein bisschen langsamer machen und dreimal eine Stunde warten können“, sagte KMCK-Sprecher Orest-Bodo Paul. 

Die Veranstaltung werde im nächsten Jahr voraussichtlich nicht in der Erntezeit stattfinden, Lohfelden und Kaufungen wolle man auf jeden Fall ausklammern, kündigte der Pressesprecher an. Der KMCK kritisierte die Teilrücknahme der motorsportlichen Erlaubnis durch das Regierungspräsidium Kassel am Tage vor der Veranstaltung. Das habe zu erheblichem Mehraufwand und wirtschaftlichen Verlusten geführt, sagte Paul, man lasse Schadenersatzansprüche prüfen. 

Anlass für die teilweise Rücknahme der Renngenehmigung sei ein kurzfristiger Hinweis der Gemeinde Lohfelden zum Trinkwasserschutz gewesen, sagte RP-Sprecher Michael Conrad. „Der Veranstalter hatte die Auflage, besondere Rücksicht auf den Ernteverkehr zu nehmen und das Rennen bei Bedarf zu unterbrechen“, so Conrad weiter.

Lohfeldens Bürgermeister Michael Reuter (SPD) machte „keinen Hehl daraus“, einer solchen Veranstaltung – zudem in der Erntezeit – persönlich ablehnend gegenüberzustehen. Sein Amtskollege Arnim Roß (Kaufungen) sagte, er habe wegen der Vorfälle in den Jahren 2011 und 2012 ohnehin ablehnend Stellung genommen. Dass die Veranstaltung dennoch auf Kaufunger Gebiet stattfinden durfte, liege in der Zuständigkeit des Regierungspräsidiums.

„Man muss für ein nächstes Mal über das Thema reden. Denn die Landwirte stehen während der Ernte erheblich unter Zeitdruck“, sagte der Vorsitzende des Kreisbauernverbands, Erich Schaumburg.

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