Landgericht Kassel: Weiter Streit um Tritt in den Hintern

Niestetal/Kassel. Sieben Monate Gefängnis für Beleidigung der Nachbarin und einen Tritt in ihren Hintern – bei diesem Urteil gegen einen 45-Jährigen Niestetaler bleibt es zunächst auch nach dem Berufungsprozess am Kasseler Landgericht.

Die 7. Strafkammer verwarf sowohl die Berufung der Staatsanwaltschaft als auch die des Angeklagten.

Rechtskräftig ist das Urteil damit aber noch nicht. Der 45-Jährige will weiter um einen Freispruch kämpfen. „Wir gehen in Revision“, hat Verteidiger Sven Schoeller bereits angekündigt. Die Staatsanwaltschaft hatte mit ihrer Berufung eine höhere Freiheitsstrafe von 13 Monaten erreichen wollen. Ihre Prozessvertreterin Ute Spellbrink und Anwalt Schoeller lieferten sich fast eine Stunde lang einen engagierten Wettstreit der Argumente in ihren Plädoyers.

Schoeller erinnerte an zentrale Rechtsgrundsätze: „Es ist nicht so, dass mein Mandant seine Unschuld beweisen muss, sondern ihm muss Schuld nachgewiesen werden.“ Er spielte durch, warum die Schilderungen der „angeblich geschädigten“ Nachbarin „bizarr“ seien, die des 45-Jährigen aber „plausibel“. Die Frau habe eine Aversion gegen seinen Mandanten: „Die protokolliert den seit 2006.“ Vor Gericht habe sie eine Brandrede gehalten, sie übertreibe maßlos. Staatsanwältin Spellbrink konterte mit Grundsätzlichem: „Der Angeklagte kann und darf lügen“, betonte sie. Eine Zeugin aber mache sich strafbar, wenn sie vor Gericht nicht die Wahrheit sage. Und die 62-Jährige sei zwar temperamentvoll: „Die lässt sich nichts gefallen.“ Ihre Schilderungen aber seien schlüssig. Die des einschlägig vorbestraften Angeklagten, der im Konflikt mit der Frau ganz friedlich geblieben sein wolle, seien „sehr unwahrscheinlich“.

Zur Frage von Verletzungen hatte das Landgericht – anders als die erste Instanz – gutachterliche Expertisen eingeholt: Bestätigt wurde dabei, dass die Zeugin drei Tage nach dem angeklagten Tritt an einem noch frischen Steißbeinbruch litt. Mit der von ihr beschriebenen Krafteinwirkung allerdings sei solch eine Fraktur schwer zu erklären.

Das Amtsgericht hatte im Oktober 2011 befunden, der Angeklagte habe die Frührentnerin mit dem Tritt vor allem herabwürdigen wollen. Getreten habe er im Zorn für eine Anzeige, die die Frau erstattet habe, nachdem der 45-Jährige sie als „Schlampe“ und Prostituierte bezeichnet hatte.

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