Land ließ Fauna und Flora erneut untersuchen

A44: Weiterbau in der Söhre würde wegen Kammmolch und Co. zu Konflikten führen

+
Relikt aus der Vorkriegszeit: Mitten in der Söhre steht eine mit Steinen verkleidete Brücke aus Beton, die 1938 als Teil der Ost-West-Verbindung in Hitlers Netz der Reichsautobahnen errichtet wurde. Wegen des Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurden die Pläne ad acta gelegt

Söhrewald/Kaufungen/Helsa. Ein Weiterbau der Autobahn 44 durch die Söhre würde zu Konflikten im Hinblick auf die dort vorhandenen Tiere und Pflanzen führen. Das ist das Ergebnis der vom Hessischen Verkehrsministerium in Auftrag gegebenen neuerlichen Untersuchung der Söhretrasse.

Verkehrsminister Florian Rentsch (FDP), der in wenigen Tagen sein Amt an den Grünen Tarek Al-Wazir abgibt, hatte die Kartierung des 500 Meter breiten Söhrekorridors Anfang 2013 in Auftrag gegeben. Die Spezialisten einer Firma aus Marburg erfassten daraufhin zwischen Februar und Oktober die Flora und Fauna in dem betroffenen Gebiet. Das Ergebnis der rund 200.000 Euro teuren Untersuchung: Innerhalb des infrage kommenden Korridors gibt es diverse schützenswerte Lebensräume und Biotope sowie Tierarten.

Als Beispiele nannte Rentsch Feldlerche, Kammmolch, mehrere Fledermausarten sowie Haselmaus, Luchs und Wildkatze.

Florian Rentsch

Zweck der Kartierung war es, die Datenlage zu der Söhretrasse zu aktualisieren, da sie im Zuge des Planfeststellungsverfahrens für den A44-Abschnitt zwischen Kassel und Helsa offiziell noch immer als Alternativroute geprüft wird. Politisch ist die Söhretrasse, die grob auf der Vorkriegsplanung für eine Ost-West-Autobahn basiert, seit Jahren vom Tisch; nicht zuletzt auch deshalb, weil inzwischen Fakten geschaffen wurden.

Bei Helsa-Eschenstruth hat der Bau des vier Kilometer langen Hirschhagen-Tunnels begonnen, und entlang der Autobahn 7 zwischen Kassel-Mitte und Kassel-Ost entstehen für insgesamt 40 Millionen Euro gigantische Lärmschutzwände. Mit dem vorliegenden Ergebnis der Kartierung ist eine Autobahn durch die Söhre aber offiziell noch nicht vom Tisch. „Ob eine Trasse im Söhrekorridor aufgrund umweltrechtlicher Belange eine Alternative zu einer Trasse im Lossetal darstellen könnte, wird abschließend im Planfeststellungsverfahren zu prüfen sein“, sagte der aus Kaufungen stammende Rentsch. Im Zuge des Planfeststellungsverfahrens werden routinemäßig auch mögliche Alternativrouten geprüft.

Pläne nicht veröffentlicht

Wie berichtet, liegen die Pläne für die A44 zwischen Kassel und Helsa gegenwärtig zur Prüfung beim Bundesrechnungshof. Offiziell vorgestellt wurden sie bis heute nicht.

Von Peter Ketteritzsch

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.