Interview: Das Vorstandsduo der Grünen im Landkreis Kassel über die Bedeutung und die Ziele der Partei

„Weitere Steigerung ist drin“

Kreis kassel. Die Kommunalwahl im vergangenen Jahr hat den Grünen im Landkreis Kassel Aufwind gebracht. Über die Bedeutung der Partei als drittstärkste Kraft im Kreistag und über ihre Ziele sprachen wir mit dem Vorstandsduo Gudrun Bednarek-Siegfried und Ulli Tribull.

Frau Bednarek-Siegfried, Herr Tribull, bei der Kreistagswahl im vergangenen Jahr legten die Grünen von 8,1 auf 14,5 Prozent der Stimmen zu. Das war nur wenige Wochen nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima. Wo stehen die Grünen heute?

Gudrun Bednarek-Siegfried: Ich denke, das gute Ergebnis vom vergangenen Jahr ist auf alle Fälle zu halten und kann im Hinblick auf die Landtagswahl 2013 sicher noch ausgebaut werden. Eine weitere Steigerung ist drin. Die Bedeutung der Grünen ist trotz des zeitlichen Abstands zu Fukushima nicht geschwunden.

Was tun Sie konkret, um das hohe Niveau zu halten?

Bednarek-Siegfried: Wir setzen Themenschwerpunkte. Einer ist die Initiative für mehr Artenvielfalt im Landkreis, das Thema Fracking (Gasförderung mit Hilfe von Chemikalien, Anmerkung der Redaktion) beschäftigt uns, und den weiteren Ausbau der Massentierhaltung sehen wir kritisch. Ein weiterer Schwerpunkt ist natürlich der Ausbau der erneuerbaren Energien. Dabei wollen wir auch deutlich machen, dass es keine Energiewende um jeden Preis geben darf, sondern diese im Einklang mit dem Natur- und Landschaftsschutz stehen muss.

Kritiker sagen, dass die Grünen aus dem Ergebnis vom vergangenen Jahr nicht sehr viel gemacht haben. Die Chance, auf Kreisebene eine Koalition mit der SPD zu bilden, wurde nicht genutzt, die Sozialdemokraten setzen auf wechselnde Mehrheiten.

Ulli Tribull: Die Grünen sehen sich nicht als Steigbügelhalter der SPD. Es kommt uns vor allem darauf an, möglichst viele unserer Ziele durchzusetzen. Wir bilden lieber Koalitionen über Inhalte. Mit unterschiedlichen Parteien gibt es unterschiedliche Schnittmengen.

Wie ist eigentlich Ihr Verhältnis zu den Piraten, Ihren momentan wohl gefährlichsten Gegnern?

Tribull: Das Verhältnis der Grünen zu den Piraten ist sehr wohlwollend.

Und das der Piraten zu den Grünen?

Tribull: Ebenso. Die Piraten sind gegenwärtig aber eher ein Thema in der Stadt Kassel.

Bednarek-Siegfried: Im Übrigen besetzen die Piraten nicht alle unsere Themenbereiche.

Aber sie sind attraktiv für Jugendliche.

Bednarek-Siegfried: Für Jugendliche ist eher das große Thema der Grünen, der Umweltschutz, wichtig. Da kommt von den Piraten bislang kaum etwas.

Die Grünen haben bei der Kommunalwahl vielerorts zugelegt. Das zur Verfügung stehende Personal ist allerdings nicht mitgewachsen. Was tun Sie, um gute Leute für ein Engagement in Partei und Parlamenten zu gewinnen?

Tribull: Was heißt gute Leute? Es geht nicht um gut und schlecht. Jeder hat in der Demokratie die Möglichkeit, sich zu engagieren. So groß ist das Problem gar nicht: Für die Kreistagswahl hatten wir mehr als genug Bewerber. Natürlich müssen wir Mitglieder aktivieren und neue dazugewinnen. Und wir wollen eine noch breitere Diskussion innerhalb der Grünen. Die jüngsten Kreisversammlungen haben gezeigt, dass das Interesse wächst. Da kamen etwa 45 Leute zusammen.

Von wie vielen Mitgliedern insgesamt?

Bednarek-Siegfried: Aktuell haben wir im Landkreis 160 Mitglieder. Und wir überlegen, weitere Ortsverbände zu gründen.

Von Peter Ketteritzsch

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