Studie prognostiziert enormen Mangel

Zu wenig Wohnraum für Senioren

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Angestrebtes Ziel: Das Verbändebündnis „Wohnen 65plus“ hat eine Studie in Auftrag gegeben, die für die kommenden Jahre einen Mangel an Seniorenwohnungen prognostiziert. Ziel des Verbändebündnisses ist es, ältere Menschen so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden wohnen zu lassen.

Kreis Kassel. Im Landkreis werden in den kommenden Jahren knapp 9000 altengerechte Wohnungen fehlen. Das geht aus einer vom Verbändebündnis „Wohnen 65plus“ in Auftrag gegebenen Studie des Regionaldaten-Instituts Pestel hervor.

Die Wissenschaftler aus Hannover geben darin auf Grundlage der aktuellen Zensus-Zahlen eine Prognose für die Bevölkerungsentwicklung im Kreis Kassel. Demnach werden im Jahr 2035 knapp 74.000 Menschen älter als 65 Jahre alt sein. Das sind 37 Prozent mehr als heute.

„Mit der starken Zunahme Älterer steigt auch die Zahl der Pflegebedürftigen rasant an“, sagt Pestel-Studienleiter Matthias Günther. „Bei dieser Entwicklung wird es höchste Zeit, barrierefreie Wohnungen für Senioren zu schaffen, damit ältere Menschen so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden wohnen bleiben können“, so der Experte. Der alternativ denkbare Umzug ins Pflegeheim koste im Vergleich zur ambulanten Pflege zu Hause jährlich 7200 Euro mehr.

Verglichen mit dem nötigen Aufwand, eine Wohnung altersgerecht zu sanieren, gehe die Rechnung schnell auf. „Rein wirtschaftlich betrachtet lohnt es sich, in das altersgerechte Bauen zu investieren.“

Apropos Investition: Im Landkreis müssten knapp 140 Millionen Euro investiert werden, um die erforderlichen 9000 Wohnungen zu schaffen. Dazu wären finanzielle Anreize und ein Umdenken seitens der Politik wünschenswert.

Neben zinsverbilligten Krediten bei der KfW-Förderung sind direkte Bau-Zuschüsse und steuerliche Abschreibmöglichkeiten denkbar. „Denn ein Kredit mit zwanzig Jahren Laufzeit stößt bei 70-Jährigen naturgemäß auf wenig Interesse“, gibt Günther zu bedenken.

Das sagt der Makler

Steigenden Bedarf an altersgerechten Wohnungen bestätigt auch Dr. Hans-Jürgen Kampe von Immobilien Hosch Kröger Kampe. „Wir verzeichnen eine sehr starke Nachfrage nach barrierefreien Wohnungen. Viele Senioren würden gern ihr Haus verkaufen, wenn sie im Gegenzug eine seniorengerechte Wohnung mit guter Infrastruktur bekämen. Derzeit gibt es davon viel zu wenig. Bei bis zu elf Euro Miete pro Quadratmeter lohnt es sich, langfristig in altersgerechtes Bauen zu investieren.“

Das sagt der Landkreis

Zuschüsse durch den Landkreises gibt es laut Ute Jäger von der Pressestelle im Rahmen der Programme zur Wohnungsbauförderung und der Dorfentwicklung: „Hier liegt der Fokus bei der Entscheidung einer Bewilligung auf dem barrierefreien und damit behindertengerechten Ausbau.“ Damit können in Zukunft diese Wohnungen auch von Senioren optimal genutzt werden. (zms)

Kontakt: Servicezentrum Regionalentwicklung Hofgeismar, Tel: 0 56 71/ 80 01 24 13.

Von Martina Sommerlade

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