Neue Tramverbindung: Vellmarer Geschäftsleute im Zentrum profitieren bislang kaum davon

Nur wenige Kunden aus Kassel

Sprechen vielen Geschäftsleuten am Rathausplatz aus dem Herzen: Mit dem Slogan „Geh nicht fort, bleib im Ort“ werben Thomas und Tanja Hühner vom Wein-Lädchen um Kunden.  Fotos: Wewetzer (2)

Vellmar. „Geh nicht fort, bleib im Ort“ - mit diesem Slogan an der Eingangstür sprechen Thomas und Tanja Hühner vom Wein-Lädchen am Vellmarer Rathausplatz vielen heimischen Geschäftsleuten aus dem Herzen.

Gerade vor dem Hintergrund der neuen Straßenbahnlinie. Denn sie befürchten, dass jetzt mehr Menschen mit der Tram zum Einkaufen nach Kassel fahren. Rund zwei Monate nach Eröffnung der Strecke hat die HNA zum Jahreswechsel stichprobenartig erkundet, ob und wo sich Kundenströme am Rathausplatz - mit der Haltestelle Stadtmitte als dem Verkehrsknotenpunkt für Busse und Bahnen - verändert haben, wo es Gewinner, wo Verlierer gibt.

Fazit: Trotz des Neugierigkeitssfaktors haben die dort ansässigen Geschäfte von der Tram bis zum Jahreswechsel nur wenig profitiert. Aber auch der befürchtete Aderlass in Richtung Kassel blieb wohl weitgehend aus.

Denn viele alteingesessene Betriebe wie zum Beispiel Damenmoden Döring können sich auf ihre Stammkundschaft verlassen. Die hätten für das „ergiebige Weihnachtsgeschäft“ gesorgt, sagt Inhaber Rainer Döring. Dass Leute aus Kassel mal vorbeigeschaut hätten, habe man zwar bemerkt, es seien aber Einzelfälle gewesen.

Auch „Gina Moden“ baut auf Stammkundschaft, auch wenn man sich über „drei, vier Kunden“, die bislang mit der Bahn aus Kassel zu ihr gekommen seien, gefreut habe, erzählt Mitarbeiterin Ursula Walter.

Gerade mal eine Besuchergruppe aus Kassel registrierte man im Eiscafé da Carlo, gar keine Resonanz wegen der neuen Tramlinie im Wein-Lädchen bei Thomas Hühner und im Blumenstudio von Rosemarie Damm.

Eine gewisse Ausnahmestellung nimmt Katharina Engelhardt vom „büchereck“ ein. Über die Lesungen des Literaturvereins Ecke und Kreis Vellmar mit oft namhaften Autoren erreicht man schon lange ein Kasseler Publikum, von dem auch die Buchhandlung in der Einkaufspassage profitiert.

„Uns hat das ganz schlimm getroffen.“

Corinna Turki, Modegeschäft „jeans 2000“

Zu den Verlierern des Tramprojekts gehört „Jeans 2000“, das überwiegend junge Mode anbietet. „Uns hat das ganz schlimm getroffen“, analysiert Mitarbeiterin Corinna Turki. Denn gerade junge Kunden ohne Führerschein nutzten jetzt verstärkt die bequeme Fahrt- und Einkaufsmöglichkeit nach Kassel per Tram.

„Für uns lohnt sich das auf jeden Fall.“

Yvonne Brinkmann, Ahneparkcafé

Und auch Gewinner gibt es in Sachen Tram. „Für uns lohnt sich das auf jeden Fall“, hat Yvonne Brinkmann, Mitarbeiterin des nur wenige Gehminuten vom Zentrum entfernten Ahneparkcafés, festgestellt. Viele Wandergruppen und Ausflügler kämen mit der Tram ins Café im idyllischen Park. Und jede zweite Frage nach dem Aufenthalt laute: „Wie kommen wir wieder zurück zur Straßenbahn?“ KOMMENTAR HINTERGRUND

Von Stefan Wewetzer

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