Bildungs- und Teilhabepaket: Nur wenige Berechtigte beantragen Hilfe

Warme Mahlzeit: Für das Mittagessen ihres Kindes in der Schule können bedürftige Familien eine finanzielle Unterstützung bekommen. Archivfoto: dpa

Kreis Kassel. Bildung und Teilnahme am gesellschaftlichen Leben soll auch Kindern aus finanziell weniger gut gestellten Familien ermöglicht werden. Dafür gibt es seit Beginn vergangenen Jahres das Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung. Doch die Mittel werden nur wenig in Anspruch genommen.

Aus einem von der Regierung gefüllten Geldtopf können betroffene Eltern für ihre Kinder die Kostenübernahme zum Beispiel für Nachhilfe, den Sportverein oder das Schulessen beantragen - die im Volksmund sogenannten Bildungsgutscheine.

Beantragen kann die Leistungen für sein Kind, wer Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe nach den Regeln des Sozialgesetzbuches XII, Wohngeld oder Kinderzuschlag bekommt. „Die Bedürftigkeit muss nachgewiesen werden, um Missbrauch zu vermeiden“, erläutert Landkreis-Pressesprecher Harald Kühlborn. Die Mittel würden aber nicht in dem Maße beantragt, wie zunächst erwartet.

Dies gilt nicht nur für den Landkreis, sondern auch für die Stadt Kassel mit insgesamt 6997 bewilligten Einzelhilfen, wie Sozialamtsleiter Detlev Ruchhöft sagt.

„Im laufenden Jahr sind 997 Anträge von Hartz-IV-Familien genehmigt worden. Das ist weniger als ein Drittel der theoretisch berechtigten Kinder“, fügt er hinzu. „Viele Leute scheuen den Aufwand oder fürchten, dass ihre Kinder stigmatisiert werden könnten“, sagt Kühlborn.

Am häufigsten würde der Zuschuss für Schulbedarf beantragt. „Das geht relativ einfach, wenn man schon Arbeitslosengeld bekommt: Man muss nur nachweisen, dass das Kind zur Schule geht, und bekommt die 70 Euro zum Anfang des Schuljahres“, erklärt der Sprecher. Der Aufwand für die anderen Bildungsgutscheine sei ungleich höher.

„Da es sich um Bundesmittel handelt, gibt es entsprechend strikte Vorschriften vom Bund“, erklärt Kühlborn weiter. Für das Essensgeld hätten die Schulen beispielsweise früher nur die Schülerzahl angeben müssen und dann eine Pauschale vom Amt erhalten. Heute würden Strichlisten geführt, welches zuschussberechtigte Kind wie oft in der Schule essen würde. So könnten die Ämter den genauen Betrag für jedes Kind abrechnen.

„Mein persönlicher Alternativvorschlag wäre, das Geld vom Bund direkt den örtlichen Sozialämtern zur Verfügung zu stellen. Dann könnten die sich um die Verteilung und Verwaltung kümmern, und man müsste das nicht den Schulen und den Eltern aufbürden“, sagt Kühlborn abschließend. Auf diese Weise würde die Hemmschwelle abgebaut und die Hilfe bei mehr Kindern ankommen.

Hintergrund: Die Gutscheine im Überblick

Sogenannte Bildungsgutscheine gibt es für

• das Mittagessen in Schule oder Hort: ein Eigenanteil von einem Euro pro Kind und Mahlzeit muss weiter gezahlt werden,

• die Teilnahme an Tagesausflügen oder mehrtägigen Fahrten von Schule oder Hort,

• Schulbedarf wie Ranzen, Hefte, Stifte, Sportzeug: je 70 Euro zum 1. August und 30 Euro zum 1. Februar,

• eine Monatskarte für den Weg zur nächstgelegenen Schule des gewählten Bildungsganges ab drei Kilometern Länge, sofern nicht schon z. B. nach dem hessischen Schulgesetz bezahlt,

• Nachhilfe außerhalb der Schule, wenn das Klassenziel nicht mithilfe kostenloser Angebote von Schule oder Fördervereinen erreicht wird,

• die Teilhabe am soziokulturellen Leben, also Vereinsmitgliedschaften, Musikunterricht, kulturelle Bildungsveranstaltungen oder Teilnahme an Freizeiten: zehn Euro pro Monat. (kes)

Von Patrick Kessler

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