Wenn Sandkörner tanzen

Video: Führung durch Sinnesgänge ist spannendes Erlebnis

Kaufungen. „Töne sind mehr als das, was wir mit den Ohren wahrnehmen“, sagt Frank Hellbrück vom Kasseler Verein Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne. Er steht vor einer mächtigen, wassergefüllten Schale und ist von zwei Dutzend Erzieherinnen und einem Erzieher umringt.

Die warten darauf, dass sie Hellbrück durch die geschlängelten Gänge der 16 Brennkammern des großen Ofens der alten Ziegelei in Oberkaufungen führt: Klänge, Stille, Vibrationen, schwingende Pendel, optische Täuschungen und zuletzt eine kleine Mutprobe stehen auf dem Programm der Führung.

Töne kann man sehen und spüren: Hellbrück reibt die Griffe der Klangschale, ein tiefer Ton erklingt, das Wasser in der Schale kräuselt sich erst leicht und spritzt in Dutzenden kleiner Springbrunnen auf, als er die Griffe energischer bearbeitet.

„Kinder lieben das. Eine Klangschale werden wir auf jeden Fall anschaffen“, sagt Hermine Reuwsaat vom Montessori-Kindergarten in Kassel. „Haben Sie schon mal einen Ton gesehen?“, fragt Hellbrück wenig später seine Gruppe.

Kunst wie aus dem Nichts: Der Geigenbogen (rechts) versetzt die Metallplatte in Schwingungen. Daniel Treu (von links), Anja Köchling und Hermine Reuwsaat beobachten, wie der Sand auf der Platte dadurch geometrische Formen bildet. Fotos: Dilling

Reuwsaat beobachtet mit ihren Kollegen Anja Köchling und Daniel Treu gebannt, wie ihr Führer auf einer Metallplatte eine Handvoll Sand in verschiedene Muster verwandelt, einfach indem er mit einem Geigenbogen das Metall in Schwingungen versetzt. Auch dieses Experiment könnten Erzieherinnen mit den Kindern ausprobieren, sagt Hellbrück. Ausrangierte Streicherbögen würden Musiker sogar verschenken.

An einer anderen der 35 Sinnesstationen dreht Hellbrück eine Spiralscheibe. Als diese immer langsamer wird, scheint die Backsteinwand des Ziegeleiofens dahinter für das Auge des Beobachters zu atmen. „Das ist ja Wahnsinn“, sagt Reuwsaat verblüfft.

Am Ende der Führung wartet neben einem entspannenden Flug auf der Partnerschaukel und einem pendelnden Felsbrocken eine kleine Mutprobe auf die Erzieher: Fast alle wagen sich in den stockdunklen, engen und gewundenen Gang des Ofens. Das ist nichts für Leute mit Platzangst.

Sabine Warmut von der Kita Hertingshausen kehrt wie einige andere nach ein paar Metern in der unheimlichen dunklen Stille um. Von den Sinnesgängen ist sie dennoch insgesamt begeistert. „Das ist besser, als wenn man den Kindern die Phänomene nur erzählen kann“, sagt sie.

Von Peter Dilling

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