Sozialzentrum vom Tisch

Werk-Hilfe stellt Wirtschaftlichkeit durch Konkurrenz am Kammerberg in Frage

In Sichtweite: An der Straße Am Siebenborn zu Fuße des Kammerbergs plant ein Investor den Bau eines Pflegewohnhauses mit 24 Plätzen. Zudem sollen auf dem Gelände auch altersgerechte Wohnungen entstehen. Das neue Projekt liegt in Sichtweite zu dem von der Werk-Hilfe geplanten Sozialzentrum. Dieses sollte gegenüber des Einkaufszentrums entstehen (Edeka / Aldi, im Hintergrund hinter den Bäumen zu sehen), hinter dem alten Sägewerk. Foto: Schilling

Ahnatal. Der Bau des Sozialzentrums in Weimar ist vorerst vom Tisch. Der Vorstand der Werk-Hilfe Calden teilte Ahnatals Bürgermeister Michael Aufenanger schriftlich mit, dass er beschlossen habe „die Realisierung des Sozialen Zentrums zurückzustellen und ruhen zu lassen“.

Der Vorsitzende der Werk-Hilfe, Heinz-Dieter Olbrich, begründet den Beschluss mit dem geplanten Bau eines Pflegeheims an der Straße Am Siebenborn am Kammerberg. „Dass damit die Wirtschaftlichkeit des Sozialen Zentrums mehr als in Frage gestellt wird, müsste auch der Gemeinde einsichtig sein“, heißt es in einem Schreiben.

Insbesondere kritisiert Olbrich auf Anfrage der HNA, dass die Werk-Hilfe nicht im Vorfeld informiert und die die Planung mit eingebunden wurde. „Eine Vernetzung und Zusammenarbeit hätte beiden Projekten zugutekommen können. Diese Chance ist vertan.“

Auch auf Nachfrage habe die Werk-Hilfe weder Informationen zu Konzeption und Größe des geplanten Pflegeheims bekommen, noch über den dort angedachten Umfang der verschiedenen Betreuungsformen für ältere Menschen.

Projekt ruht bis auf Weiteres

„Bis wir diese Informationen haben, müssen wir das Projekt ruhen lassen“, sagt Olbrich. Erst dann könne man prüfen, ob sich das Sozialzentrum weiterhin rechne. Die Werk-Hilfe kritisiert zudem, dass „die Konzeption der Träger am Kammerberg der der Werk-Hilfe ähnelt, so dass wir uns darüber hinaus insgesamt getäuscht und hintergangen fühlen“.

Für den Bürgermeister ist es nicht nachvollziehbar, dass die Werk-Hilfe die Wirtschaftlichkeit des Sozialzentrums in Frage stellt. „Der Bedarf nach barrierefreien Wohnungen ist groß“, erklärt Aufenanger. Gerade Ahnatal hätte in diesem Bereich Nachholbedarf. „Es gibt viele ältere Menschen, die dringend darauf angewiesen sind, dass etwas passiert. Denen sind wir verpflichtet.“

Auch bei den politischen Fraktionen stößt die Kritik auf Unverständnis. So ging Rüdiger Reedwisch (CDU) bei der jüngsten Gemeindevertretersitzung mit der Werk-Hilfe hart ins Gericht. „Das Schreiben ist eine Unverfrorenheit uns gegenüber“, erklärte er. Die Werk-Hilfe habe die Gemeinde hingehalten; es dauere nicht sechs bis sieben Jahre, um so etwas zu bauen. „Die wollen die Kurve kratzen und uns den Dreck hinschmeißen“, mutmaßte Reedwisch und sprach von 100 Interessenten, die auf das Sozialzentrum warteten.

Den Vorwurf der Täuschung weisen auch die Sozialdemokraten in einer Pressemitteilung zurück.

Sie kritisieren, dass die Werk-Hilfe zugesagte Termine zum Baubeginn immer wieder verschoben habe.

Weiter heißt es: „Es entsteht eher der Eindruck, dass die völlig anders gelagerten Projekte „Am Siebenborn“ der willkommene Anlass zum Ausstieg aus dem Projekt Sozialzentrum waren.“

Einstimmig beschlossen die Gemeindevertreter, der Werk-Hilfe eine Frist bis Ende Januar 2014 zu setzen, um ein verbindliches Realisierungskonzept vorzulegen.

Sollte die Werk-Hilfe nicht mehr bereit sein, das Projekt zu verwirklichen, müsse sich die Gemeinde wohl oder übel andere Partner suchen.

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