Neue Feuerwache

Werkfeuerwehr bei VW: In fünf Minuten am Brandherd

Baunatal. Wenn es im VW-Werk brennt, dann muss alles ganz schnell gehen. In nur einer Minute müssen die Leute der Werkfeuerwehr vom Auslösen des Alarms mit ihren Fahrzeugen die neue Feuerwache verlassen. In fünf Minuten müssen sie am Brandherd sein.

Mit Blaulicht und Martinshorn geht es in die Gießerei, ins Presswerk zur Warmumformung oder zum Kraftwerk. Meistens fahren die Einsatzkräfte mit ihren Autos sogar direkt in die Produktionshallen, um zu helfen. Deshalb sind die Gefährte auch etwas flacher gebaut als herkömmliche Feuerwehrautos in Stadt und Land.

Die neue Feuerwache soll die Brandschützer dabei unterstützen, noch schneller, noch schlagkräftiger zu sein. Der Standort sei jetzt zentral im Werk, „bisher waren wir am Rand südlich der Halle 1“, sagt Peter Nückel, Leiter der Werksicherheit, zu der auch die Feuerwehr zählt. Immerhin gelte für Werkfeuerwehren per Gesetz eine Hilfsfrist von fünf Minuten, ergänzt Ralf Seitz, Leiter der Wehr. Für kommunale Wehren hingegen gelten zehn Minuten vom Alarm bis zur Aktion am Einsatzort.

Viele Bildschirme: Peter Müller hat Dienst in der neuen Leitstelle. 20.000 Meldepunkte sind hier aufgeschaltet.

47 hauptamtliche Feuerwehrleute, darunter ein Frau, arbeiten bei der Wehr im Baunataler VW-Werk. Unterstützt werden sie von 27 Freiwilligen aus ganz unterschiedlichen Bereichen des Standortes. Die fahren bei Bedarf mit raus oder ergänzen die Kräfte in der Wache.

2013 rückte die Wehr nach Angaben von VW zu 967 Einsätzen aus. „Es gibt keinen Tag, wo es kein Ereignis gibt“, sagt Seitz. Die Aufgaben sind ganz unterschiedlich. Es könne sein dass jemand in einem Aufzug feststeckt, erklären Seitz und Nückel. Es könne aber auch sein, dass eine Maschine brennt. „Wir haben es bei der Warmumformung mit Oberflächen zu tun, die fast 1000 Grad heiß sind“, so Nückel. „Flüssiges Aluminium in der Gießerei hat 700 Grad.“

Die neue Feuerwache hat eine Grundfläche von 2400 Quadratmetern. Neben 13 Fahrzeugen und neun Abrollbehältern mit Spezialausrüstung gibt es Platz für Schulungs- und Sozialräume, eine Atemschutzwerkstatt und eine Station zum Auffüllen von Feuerlöschern. Davon gibt es allein 8500 im Werk. Wie teuer die neue Feuerwache war, das verrät Nückel auf Nachfrage nicht.

Großeinsatz 2006: Rolf-Martin Barkhof, damaliger Chef der Werksicherheit, dirigiert die Löscharbeiten. Magnesium-Schrottteile hatten Feuer gefangen, der Schein der Flammen aus dem VW-Werk war weithin sichtbar. Foto: privat/nh

Ein großer Teil der Arbeit - insbesondere in der neuen Leitstelle der Feuerwache - gehört dem vorbeugenden Brandschutz und der Überwachung der Produktionsanlagen. Per Computer lassen sich rund 20.000 Meldepunkte kontrollieren, Maschinen, wenn sie brennen, per Knopfdruck abschalten. Auch Schleusen und Tore, an jedem Punkt im riesigen VW-Werk und im benachbarten OTC, können die Feuerwehrleute aus der Leitstelle 24 Stunden rund um die Uhr per Mausclick öffnen und schließen.

Hintergrund: Großfeuer am 13. Mai 2006

Am 13. Mai 2006 brach im VW-Werk in Baunatal ein Großbrand aus. Magnesiumschrott hatte explosionsartig Feuer gefangen. Die Rauchsäule und der Schein der Flammen war weithin sichtbar. 300 Feuerwehrleute waren damals im Einsatz. Die Löscharbeiten gestalteten sich schwierig. Die brennenden Magnesiumteile waren bis zu 3000 Grad heiß. Erst nach 14 Stunden waren die letzten Flammen gelöscht.

Von Sven Kühling

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