Werkschutz von VW: „Kennen Haus aus dem Effeff“

Endspurt für die Jahresproduktion: Viktor Dokter (links), Mirsad Zekovid und Ursula Fiala nehmen fertige Direktschaltgetriebe vom Haken, Abteilungsleiter Bernd Löber hat alles im Blick. 398 000 Stück sollen es bis Jahresende werden.

Baunatal. Teilweise menschenleere Gänge in den Hallen, stillstehende Maschinen. Der Ofen der Härterei brennt nur auf Sparflamme: Zwischen den Jahren schlägt der Puls des Volkswagenwerks Baunatal deutlich schwächer als sonst.

Nur 2000 der 14000 Beschäftigten arbeiten. Doch die Mannschaft des Werkschutzes ist in diesen Tagen besonders gefordert. Sie ist in voller Personalstärke an Bord.

Warum, das sieht man schon am Südtor des VW-Werks, wo ein Lkw nach dem anderen abgefertigt wird. Wegen des Brummi-Fahrverbots an den Feiertagen herrscht hier besonders viel Betrieb. Joachim Hochbach und seine Kollegen vom Werkschutz kontrollieren Ladungen und Frachtbriefe. Nur was deklariert ist, darf hinein oder hinaus. Doch es sind nicht nur die Lastwagen, die für Arbeit bei den Sicherheitsleuten sorgen. Handwerker von VW-Partnerfirmen begehren Einlass, um in dieser ruhigen Zeit zu renovieren oder zu reparieren, was während des laufenden Betriebs zu umständlich wäre.

„Wir hatten mal einen Praktikanten, der hat sich zwei Stunden im Werk verlaufen.“

Diese Handwerker dürfen nicht allein bleiben. Mitarbeiter des Werkschutzes haben ein Auge auf die Aktenschränke, während Handwerker die Wände in der Personalabteilung streichen. „Wir zeigen gerade zwischen den Jahren überall im Werk Präsenz“, sagt Dirk Wiegand, Leiter des Werkschutzes. Da geht es längst nicht nur um drohende Diebstähle. Wiegands Mitarbeiter kontrollieren in den verwaisten Hallen, ob alles in Ordnung ist. So bleibt beispielsweise ein Wasserrohrbruch oder das Auslaufen eines Emulsionsbehälters mit mehreren 1000 Litern Flüssigkeit nicht lange unentdeckt. „Wir kennen unser Haus aus dem Effeff. Die Ortskenntnis ist unser Kapital“, erklärt Wiegand. Man bekomme einen Blick dafür, wo etwas nicht stimmt, sagt er.

Bei der Orientierung auf dem weitläufigen Werksgelände hilft ein Koordinatensystem, mit dem alle Gebäude- und Hallenabschnitte beschriftet sind. Das ist nötig, um bei Unglücksfällen schnell vor Ort zu sein. Auch Ortsunkundigen hilft das System. „Wir hatten mal einen Praktikanten, der hat sich zwei Stunden im Werk verlaufen“, erzählt Wiegand.

Zwischen den Jahren bewältigen die Sicherheitsleute von Werkschutz und Werksfeuerwehr aber nicht nur die übliche Routine. Sie sind auch „Mädchen für alles“. Sie verscheuchen Vögel, die durch ein versehentlich offen gelassenes Hallentor eingeflogen sind, oder Rehe, die sich aufs Werksgelände verirrt haben. Und sie helfen aus, wo Not am Mann ist. Beispielsweise wenn eine Abteilung technisches Gerät oder Ersatzteile aus einem verschlossenen Lager benötigt und der zuständige Vorgesetzte im Weihnachtsurlaub ist. Die Sicherheitsleute kommen überall hinein und können alles organisieren. „Da erledigen wir viel auf dem kleinen Dienstweg“, sagt Wiegand.

Von Peter Dilling

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