Viereinhalb Hektar werden renaturiert

Das Moorgebiet im Kaufunger Wald ist ein uraltes Wunder der Natur

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Kennt sich bestens mit Moosen aus: Ralf Meusel von Hessen Forst setzt sich seit 2015 für den Schutz des etwa viereinhalb Hektar großen Hang- und Quellmoorgebietes im Kaufunger Wald ein.

Moore und Sümpfe haben etwas Unheimliches: Viele Gruselgeschichten gibt es von versunkenen Menschen oder Tieren, die nie mehr wieder auftauchten. Doch das Moor hat eine uralte und besondere Geschichte, die oft von den Schauermärchen abweicht – so auch beim Hang- und Quellmoor im Kaufunger Wald.

Vermutlich mehrere tausend Jahre alt ist das Moor, das rund vier Kilometer nordwestlich von Großalmerode entfernt liegt. Als Teil des Naturschutzgebietes Oberes Niestetal breitet sich das spezielle Biotop über viereinhalb Hektar aus und ist etwa 1,30 Meter tief.

 „Im 19. Jahrhundert wurde das Moor durch Gräben entwässert und mit Fichte aufgeforstet, um es mehr und mehr verschwinden zu lassen“, sagt Förster Ralf Meusel, der sich von Oktober 2015 bis Januar 2017 für den Schutz des Moorgebietes im Forstamt Hessisch Lichtenau eingesetzt hat. „Das Hang- und Quellmoor ist aber eine Seltenheit in Hessen und hat viele Vorteile. Deswegen wollen wir es nun mit verschiedenen Mitteln aufrechterhalten.“

Doch wie entsteht überhaupt ein Moor? Und was ist daran so besonders und schützenswert? Anders als Nieder- und Hochmoore entstehen Hang- und Quellmoore durch Bachläufe und Rinnsale, die dazu führen, dass sich permanent Wasser sammelt. In diesen feuchten Gebieten wachsen saugstarke Torfmoose – sie sind typisch für ein Moor.

So ergibt sich bereits der erste Aspekt, warum Hessen Forst das Moor im Kaufunger Wald schützen möchte: „Durch die Quellfähigkeit der Moose wird das Moorgebiet zum Wasserspeicher. Bei starkem Regen verringert es den Abfluss. So speichert und filtert es das Wasser“, sagt der Leiter des Forstamts Hessisch Lichtenau, Matthias Dumm.

Neben Wasser speichere ein Moor außerdem bis zu 500 Tonnen Kohlenstoff je Hektar – etwa viermal so viel wie ein normaler Mineralboden. Je weniger Kohlenstoff in der Luft ist, desto besser wirke sich das auf unser Klima aus. Ein weiterer wichtiger Punkt ist laut Dumm der Artenschutz: Im Moorgebiet leben seltene Lebewesen wie der Sperlingskauz oder die Waldschnepfe, die auf der Suche nach Insekten sind. 

Aufgeforstet: Forstamtsleiter Matthias Dumm zeigt auf den Moorbirkenwald, der bereits von Fichten befreit wurde.

Der Unterschied zwischen Hoch- und Niedermoor

Das Hochmoor entsteht aus einem Überschuss an Regenwasser und hat keine Verbindung zum Grundwasser. Es handelt sich um ein sehr nährstoffarmes Biotop. Niedermoore sind viel nährstoffreicher, weil sie auch vom Grundwasser gespeist werden auch die Quell- und Hangmoore im Kaufunger Wald.

So wird das Quellmoor erhalten

Von Ende 2015 und bis 2021 renaturieren Hessen Forst, die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt Göttingen und die Obere Naturschutzbehörde Kassel das Moor. Die Aufgaben auf einen Blick:

Fichten entnehmen:

Der Fichtenwald rund um das Moorgebiet sorgt dafür, dass dem Hang- und Quellmoor viel Wasser entzogen wird. Um es als Wasserspeicher bestehen zu lassen, haben die Förster bereits viele Gebiete von der Fichte befreit.

Wassergräben mit Stämmen schließen:

Im 19. Jahrhundert wurden Entwässerungsgräben ausgehoben, die dem Moor die Feuchtigkeit entziehen sollten. Diese Gräben verschließen die Waldarbeiter nun mit den Fichtenstämmen. So können die Förster das abgeschlagene Fichtenholz gleich nutzen.

Birkenwald stabilisieren:

Ziel der Renaturierung ist es, rund um die Moorfläche einen Moorbirkenwald entstehen zu lassen. Die Birken bieten vielen Tierarten den idealen Lebensraum und entziehen dem Moor weniger Wasser als die Fichten, weil sie nicht das ganze Jahr über Blätter tragen.

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