Fracking-Projekt im Kreis Kassel: Widerstände gegen Erdgassuche

Kreis Kassel. Der kanadische Konzern BNK Petroleum will auf einer Fläche von 5000 Quadratkilometern in Nordhessen mit der sogenannten Fracking-Methode nach in festen Gesteinsschichten eingeschlossenen Erdgasvorkommen suchen und hat einen Erkundungsantrag beim Land Hessen gestellt.

Das Vorhaben stößt in der Region wegen der Risiken für die Umwelt auf Vorbehalte. Dies wurde jetzt während einer Informationsveranstaltung mit 300 Besuchern – Bürgermeistern, Wasserversorgungsfachleuten und interessierten Bürgern – im Regierungspräsidium Kassel deutlich.

Eine Entscheidung über den Antrag wird in der zweiten Jahreshälfte erwartet. Das Land will die Ergebnisse von drei Risikostudien und eine Expertenanhörung im Landtag abwarten. Eine Studie wurde bereits präsentiert. Wir geben zu den wichtigsten Fragen des umstrittenen Projekts Antworten.

Was bedeutet Fracking eigentlich?

Fracking ist ein unkonventionelles technisches Verfahren zur Ausbeutung von Erdgasvorkommen, die nicht in unterirdischen Speichern lagern, sondern unzusammenhängend in dichten Gesteinsformationen zu finden sind. Dieses sogenannte Schiefergas wird ausgebeutet, indem man ein Gemisch aus Chemikalien, Wasser und Sand mit hohem Druck in die Erde pumpt, sodass im Gestein Risse entstehen, durch die das Gas aus den Poren entweichen und über das Bohrloch zutage gefördert werden kann.

Gibt es Erfahrungen mit diesem Verfahren?

Ja. Die Firma BNK beutet nach eigenen Angaben seit 2005 mit großem Erfolg mit dieser Methode unkonventionelles Erdgas und Erdöl in den USA aus und hat weitere Projekte in Europa laufen. In den USA ist es im Zusammenhang mit anderen Förderfirmen allerdings schon vorgekommen, dass dabei Methangas ins Trinkwasser gelangte.

Was plant die Firma BNK Petroleum in Nordhessen genau, und wie sieht ihr Zeitplan aus?

Das Unternehmen möchte kommendes Jahr mit seismischen Untersuchungen beginnen. Dabei werden Gesteinsschichten bis in mehrere 1000 Meter Tiefe mit Ultraschall-Wellen abgetastet. Aus den Daten leiten die Experten ab, wo sich Erdgasvorkommen befinden könnten. Anschließend will BNK drei Probebohrungen an erfolgsversprechenden Stellen durchführen, um das wirtschaftliche Potential für eine Ausbeutung zu bestimmen. Möglich ist auch eine Probeförderung von Erdgas. Ende 2016 könnte die Firma einen Entwicklungsplan für die Ausbeutung eines Gasfeldes vorlegen und 2017 mit der Förderung beginnen.

Welche Risiken für die Umwelt sind mit der Fracking-Methode verbunden?

Es geht vor allem um die Gefahren durch eine Verunreinigung des Trinkwassers und des Grundwassers durch Chemikalien und Methangas sowie um die Risiken der Entsorgung großer Mengen von Abwässern aus den Bohrlöchern. Es gibt auch Befürchtungen, durch das Aufbrechen des Gesteins könnten künstliche Erdbeben mit unabsehbaren Folgen ausgelöst werden. Eine bereits vorliegende Studie des Förder-Konzerns Exxon-Mobil kommt dennoch zu dem Schluss, dass das Fracking vertretbar sei, wenn strenge Umweltauflagen eingehalten und bestimmte Schutzgebiete von der Förderung ausgenommen werden.

Werden die betroffenen Gemeinden und Landkreise in dem Genehmigungsverfahren angehört?

Ja. Sie sollen bis Mitte Juli eine Stellungnahme zu dem Vorhaben abgeben. Das Land hat jetzt signalisiert, dass die Frist verlängert werden könnte. Das Fracking könnte den Kommunen bei einem Umweltunfall Probleme bereiten, weil sie die Trinkwasserversorgung ihrer Einwohner sicherstellen müssen.

Würden mit der Genehmigung der Erkundung von Erdgasvorkommen schon die Weichen für eine spätere Ausbeutung gestellt?

Nein. Die Genehmigung entspricht nach dem Bergrecht nur einer Konzession, die vom Regierungspräsidium Darmstadt erteilt werden kann. Sie sichert der Firma BNK lediglich den Schutz vor Mitbewerbern, die von Aktivitäten in dem konzessionierten Gebiet ausgeschlossen werden. Für die konkreten Eingriffe in die Umwelt, also beispielsweise die Bohrungen, muss die BNK gesonderte bergrechtliche Genehmigungen beantragen, denen eine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung vorausgeht.

Von Peter Dilling

Rubriklistenbild: © HNA

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