Suedlink: 180 Besucher bei Auftakttreffen der Bürgerinitiative in der Schauenburghalle

Widerstand formiert sich

Martina Haselroth

Schauenburg. Der Netzbetreiber Tennet will seine neue Gleichstromtrasse, die elektrischen Strom aus Windkraft von der Küste bis nach Bayern transportieren soll, möglicherweise mitten durch die Gemeinde Schauenburg und durch Baunatal bauen. Dagegen formiert sich schon jetzt der Widerstand in Schauenburg: Zur Auftaktveranstaltung für die Gründung einer Bürgerinitiative (BI) kamen vorgestern geschätzte 180 Besucher in den Bürgersaal der Schauenburghalle in Hoof. Die BI will schon nächste Woche ihre Arbeit aufnehmen. 40 Teilnehmer schrieben sich bereits in Mitgliedslisten ein.

Viele Besucher trugen sich außerdem in Unterschriftenlisten ein. Eine davon wollen die Initiatoren der BI noch im Dezember an Wirtschaftsminister Siegmar Gabriel (SPD) übergeben. Die zweite wird Bürgermeisterin Ursula Gimmler (CDU) am 17. Dezember Vertretern von Tennet überreichen, die dann in Schauenburg über die Pläne informieren wollen.

Martina Haselroth, Peggy Singer und Erdmuthe Hoeft, Initiatorinnen der BI, skizzierten vor den Besuchern die Proteststrategie. Dazu gehört die Aufzählung der Zumutungen, die eine Höchstspannungstrasse für Schauenburger Bürger mit sich bringen könnte: In Breitenbach werde die mehr als 100 Meter hohe Trasse 200 Meter an die Schule heranrücken, in Elgershausen werde sie kaum einen Kilometer vom Altenheim entfernt verlaufen, sagte Haselroth, die wie andere Redner auf ungeklärte Gesundheitsgefahren durch Elektro-Smog hinwies. Außerdem werde die Ruine der Schauenburg entwertet, die Grundstücke verlören an Wert und wegen Verschandelung des Landschaftsbildes werde der „Tourismus drastisch nach unten gehen.“

Singer appellierte an die Bürger, so viele Argumente gegen die Trasse wie möglich bei der BI oder der Gemeinde schriftlich einzureichen. Schon vor dem eigentlichen Genehmigungsverfahren müsse man dann bei der Bundesnetzagentur die Einsprüche geltend machen. Hoeft kündigte an, man werde Politiker und Bürger mit verschiedenen Aktionen mobilisieren. „Wir wollen so etwas wie eine Montagsdemonstration organisieren“, sagte sie. Geplant sei eine Vernetzung aller Bürgerinitiativen.

Schützenhilfe erhielten die Schauenburger durch die Vorsitzende der BI Bad Emstal, Veronika Papenhagen-Stannick. Es sei zu bezweifeln, ob die Trasse überhaupt notwendig sei, der Ausbau dezentraler Energieversorgung sei wichtiger. Die Politik propagiere sie wohl vor allem, weil Deutschland in Europa Transitland für Stromtransport werden solle. Dieses Argument teilte Besucher Karl Engelbrecht nicht. Der Strom müsse doch verteilt werden. „Wir sind doch ein Wirtschaftsraum in Europa.“

Erste Tagung der BI: Montag, 1. Dezember, 19.30 Uhr, Gasthaus Kraft, Breitenbach.

KOMMENTAR

Von Peter Dilling

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.