Infoabend über Stromnetzausbau: viel Fachsimpelei – aber wenig neue Argumente

Widerstand macht sie ratlos

Jens Siegmann: Kapazitäten der Stromtrassen sind ausgereizt.

Kreis Kassel. Die wirtschaftliche Notwendigkeit liegt klar auf der Hand, der anhaltende Widerstand von Bürgern gegen die geplante 380 kV-Höchstspannungstrasse Wahle-Mecklar ist eigentlich unverständlich. So sehen es die Befürworter der Trasse, die beim Informationsabend zur geplanten Freileitung in einem Hörsaal der Uni Kassel, zu dem der Bezirksverein Kassel des Fachbverbands VDE (Verband der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik) eingeladen hatte, weitgehend unter sich waren.

Während der Diskussion wurde viel über die Technik des Stromtransports gefachsimpelt, aber wenig neue Argumente gebracht.

Allein in Hessen gebe es 8000 kritische Stellungnahmen von Gemeinden und anderen Trägern öffentlicher Belange zu dem Projekt, sagte der Diplom-Ingenieur Jens Siegmann, der für den Netzbetreiber Tennet TSO die Trasse plant. 17 Bürgerinitiativen bekämpften das Projekt. Am 4. und 5. April wird man sehen, wie die Karten in der Region gemischt sind. An diesen Tagen solle es von 9 bis 17 Uhr einen Erörterungstermin im Hermann-Schafft-Haus (4. April) und im Regierungspräsidium Kassel (5. April) geben.

Aus dem etwa 60 Köpfe zählenden Publikum, aus dem sich überwiegend technisch versierte Fachleute zu Wort meldeten, kam kein Widerspruch gegen die geplante Trasse.

Der Strom von den bereits im Betrieb oder im Bau befindlichen und in den nächsten Jahren noch geplanten Windparks in der Nord- und Ostsee müsse zu den Verbrauchern transportiert werden. Den Strom brauche man, schon wegen des geplanten Atomausstiegs. Die Kapazitäten der vorhandenen Stromtrassen seien ausgereizt, meinte Siegmann. Der Zuhörer Dietrich Hoffmann zeigte sich allerdings überrascht, dass auch Strom von neuen Kohlekraftwerken aus dem Norden transportiert werden soll. Die Kraftwerke müsse man doch nicht gerade an der Nordsee bauen, meinte er.

Eine Verlegung in die Erde, der Einsatz von Gleichstrom statt Wechselstrom beim Transport seien keine wirklichen Alternativen, auch wenn Erdkabel als Pilotprojekt bei dieser Trasse getestet werden sollen, meinte Siegmann.

Diese Alternativen seien um ein vielfaches teurer und verlängerten die Bauzeit erheblich. Die Trasse müsse aber schnell fertig werden, betonte er.

Fachsimpelei zu wenig

Dem Studenten Andreas Kubis war die Fachsimpelei über die Details der Trasse zu wenig. Warum spreche man nicht mehr darüber, warum der Widerstand aus der Bevölkerung trotzdem so groß ist, wollte er wissen. Siegmann zeigte sich da ratlos.

Man baue sogar im Gegenzug für die neue Trasse alte Stromleitungen zurück. „Trotzdem wird protestiert“, sagte der Ingenieur. (pdi)

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