Interview mit Timon Gremmels

SPD will absolute Mehrheit zurück

Timon Gremmels

Nach 14 Jahren beginnt für die SPD im Landkreis Kassel eine neue Ära: Landrat Uwe Schmidt hat auf eine neuerliche Amtszeit verzichtet, an seiner Stelle lenkt nun Timon Gremmels die Geschicke der Partei.

Wir sprachen mit dem Landtagsabgeordneten aus Niestetal über seine Ziele und den Zustand der SPD.

Herr Gremmels, seit vier Tagen sind Sie Chef der SPD im Landkreis Kassel. Wie fühlt sich das an? 

Timon Gremmels: Zum einen freue ich mich natürlich sehr, zum anderen spüre ich auch die große Verantwortung auf meinen Schultern, die ich nun für die fast 5000 Mitglieder trage.

14 Jahre lang stand Uwe Schmidt an der Spitze der Genossen. Wie wollen Sie aus seinem Schatten heraustreten - inhaltlich und was den Politikstil angeht? 

Gremmels: Auf den 14 Jahren mit Uwe Schmidt an der Spitze der SPD kann man gut aufbauen. Gleichwohl werde ich natürlich meine eigenen Wege gehen, mit Uwe Schmidt als Landrat aber weiterhin eng zusammenarbeiten.

Mit 39 Jahren sind Sie ein Vierteljahrhundert jünger als das durchschnittliche SPD-Mitglied im Landkreis. Was werden Sie tun, um die Partei zu verjüngen?

Gremmels: Die SPD für jüngere Menschen attraktiv zu machen, ist nicht nur eine Aufgabe des Vorsitzenden, sondern der gesamten Partei. Es ist gegenwärtig so, dass sich viele Menschen lieber punktuell und zeitlich begrenzt engagieren, zum Beispiel in Bürgerinitiativen oder der Flüchtlingshilfe, als dauerhaft in einer Partei. Wir müssen Angebote schaffen, die das aufgreifen.

Noch mal: Was unternehmen Sie konkret, um die Partei zu verjüngen ?

Gremmels: Ein Beispiel ist die erfolgreiche Mitgliederwerbung der Jusos. Allein in Hofgeismar wurde eine Juso-AG mit 25 Mitgliedern auf die Beine gestellt.

In knapp einem Jahr steht die nächste Kommunalwahl an. Hat Ihre Partei genügend Bewerber? 

Gremmels: Was die Bewerberliste für den Kreistag angeht, mache ich mir da keine Sorgen. Auch bei den meisten Städten und Gemeinden bin ich sehr optimistisch, dass wir die Listen gefüllt bekommen. Wie bereits 2011 können auf den SPD-Listen grundsätzlich auch wieder Männer und Frauen kandidieren, die nicht Mitglied der Partei sind. Konkret entscheidet darüber aber die örtliche SPD.

An weiblichen Bewerbern fehlt es auch Ihrer Partei. 

Gremmels: Das kann ich so nicht stehen lassen. Nehmen Sie die Kreistagsfraktion. Von ihren 39 Mitgliedern sind 20 Frauen. Da kann man wohl kaum von einem Defizit sprechen.

Bei der Kreistagswahl, das haben Sie in Ihrer Bewerbungsrede angekündigt, wollen Sie die 2011 verloren gegangene absolute Mehrheit der SPD zurückerobern. Wie wollen Sie das bewerkstelligen? 

Gremmels: Es soll nicht arrogant klingen: Aber wer, wenn nicht die SPD, soll im Landkreis Kassel die absolute Mehrheit erringen? Uns fehlen aktuell gerade einmal zwei Sitze. Das ist zu schaffen. Zumal die grünen Bäume nicht in den Himmel wachsen. Die letzte Wahl stand unter dem Eindruck der Reaktorkatastrophe von Fukushima. Dadurch hatten die Grünen Rückenwind. Das war eine besondere Situation, die heute so nicht mehr besteht.

Bitte konkret: Wie wollen Sie die absolute Mehrheit zurückerobern? 

Gremmels: Indem wir den Wählern unsere Erfolge vor Augen führen. Wichtige Stichworte sind hier die sanierten Schulen, kostenlose Turnhallennutzung für Vereine, eine gute Bilanz bei der Bewältigung der Folgen des demografischen Wandels und einen ausgeglichenen Kreishaushalt.

Als neuer SPD-Chef haben Sie den ersten Zugriff, wenn es 2021 um die Nachfolge von Uwe Schmidt als Landrat geht. Werden Sie sich um den Chefsessel im Kreishaus bewerben? 

Gremmels: Ich bitte Sie: Die zweite Amtszeit von Uwe Schmidt als Landrat hat nicht einmal begonnen. Dieses Thema steht jetzt wirklich nicht an, sondern frühestens im Jahr 2019. Es geht jetzt um etwas anderes: um die Rückeroberung der absoluten Mehrheit im Kreistag im kommenden Jahr, und darum, bei der Bundestagswahl 2017 den Wahlkreis Waldeck für die SPD wieder zu gewinnen, der 2013 knapp an die CDU gefallen ist.

Als Landtagsabgeordneter, stellvertretender SPD-Fraktionschef im Landtag und im Kreistag und nun auch noch als Vorsitzender eines der mitgliederstärksten SPD-Unterbezirke sind Sie ein einflussreicher Mann. Was hat der Landkreis von der Ämterkonzentration? 

Gremmels: Ich glaube, dass in Wiesbaden sehr genau wahrgenommen wird, wie die SPD für den Landkreis Kassel erfolgreich Politik macht. Das Schlüsselwort lautet hier Solidarität. Wir machen keine Politik, die sich nur an Kennzahlen orientiert, sondern zeigen, wie man ein solidarisches Miteinander organisiert. Das wird nicht zuletzt an der Art und Weise deutlich, wie wir Flüchtlinge unterbringen und man sich um sie kümmert.

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