Bewerbung als Europaabgeordnete

Martina Werner „will Lobbyistin der Region sein“

+
Martina Werner

Niestetal. Sie strebt die Nachfolge von Barbara Weiler an: Martina Werner, Vize-Chefin der nordhessischen SPD und Vorsitzende der Genossen in Niestetal, will im kommenden Jahr als Abgeordnete ins Europäische Parlament einziehen.

Mit Dr. Ruth Beusing aus Marburg hat sie eine parteiinterne Mitbewerberin. Vor dem Nominierungsparteitag am 25. Mai in Baunatal sprachen mit der 51-Jährigen.

Frau Werner, bislang sind Sie nicht als Europapolitikerin aufgefallen. Was reizt Sie an einem Mandat im Europaparlament?

Martina Werner: Die Kommunalpolitik ist meine große Leidenschaft. Die Europäische Union gewinnt immer mehr Einfluss auf die Kommunen. Als Abgeordnete will ich einen Beitrag dazu leisten, dass die abstrakte Materie EU unten ankommt. Als erfahrene Kommunalpolitikerin wiederum will ich gewissermaßen etwas von unten in die EU einspeisen.

Die Themen im Zusammenhang mit Europa sind vielfältig: In welchem Bereich wollen Sie sich engagieren?

Werner: Ich bin da nicht festgelegt. Als Ökonomin interessiert mich in erster Linie der gemeinsame Binnenmarkt.

Barbara Weiler vertritt die Region seit 1994 in Brüssel. Vieles von dem, was sie dort tut, ist einer breiten Öffentlichkeit verborgen geblieben. Was wollen Sie tun, um besser durchzudringen?

Werner: Ich möchte mehr Zeit in die Wahlkreisarbeit investieren. Dazu muss das Wahlkreisbüro verstärkt werden, es soll eine Anlaufstelle werden. Ich will erreichen, dass Europa in Gestalt meiner Person vor Ort ein Gesicht bekommt. Die Distanz der Bürger zur EU nimmt leider zu, während der Einfluss der Gemeinschaft auf die Bürger gleichzeitig immer größer wird. Das ist ein Pulverfass. Da muss man gegensteuern. Ich werde mich auch stärker mit wichtigen Institutionen in der Region vernetzen. Als Beispiele nenne ich die Wirtschaftsförderung und das Regionalmanagement.

Warum ist das Europaparlament für uns hier wichtig?

Werner: Das Europaparlament hat heute mehr Mitspracherechte als früher. Es wirkt an Entscheidungen mit, die auch Nordhessen betreffen - beispielsweise über das VW-Gesetz und über die Agrarpolitik, die in einer ländlich strukturierten Region wie der unsrigen natürlich von Bedeutung ist.

Trotz mehr Mitspracherechten leidet das EU-Parlament unter einem Demokratiedefizit.

Werner: Das stimmt. Es wird ein längerer Weg, aber ich bin davon überzeugt, dass das EU-Parlament von den Kompetenzen her künftig einen Stellenwert wie die nationalen Parlamente haben wird.

Was können Sie als Europaabgeordnete für Nordhessen erreichen?

Werner: Als Abgeordnete würde ich mich auch als Lobbyistin der Region verstehen. Es geht darum, Ansatzpunkte zu finden, wie Nordhessen von der EU profitieren kann. Dazu gehört sicher auch, sich mit Nachdruck um Fördergeld zu bemühen.

Der Wahlkreis ist riesig. Er umfasst ganz Nord- und Teile von Mittelhessen. Ist da eine Arbeit vor Ort überhaupt möglich?

Werner: Das ist eine Herausforderung. Es ist nicht nur so, dass der Wahlkreis sehr groß ist - die EU-Abgeordneten sind auch sehr stark in Brüssel und Straßburg eingebunden. Ich werde meine Kontakte innerhalb und außerhalb der Partei stärken und Netzwerke aufbauen, damit der Spagat zwischen parlamentarischer Arbeit, Austausch und Transfer mit der Region und ihren Menschen gelingt.

Von der Niestetaler Gemeindevertretung ins Brüsseler Parlament ist es ein großer Sprung. Reicht Ihre politische Erfahrung dafür aus?

Werner: Ja. Meine Erfahrung beschränkt sich ja nicht auf die Niestetaler Gemeindevertretung. Ich war Stadtverordnete in Kassel, und als stellvertretende Bezirksvorsitzende der SPD bin ich schon jetzt viel unterwegs und dadurch mit der Situation in Nord- und Mittelhessen und den daraus resultierenden Anforderungen an die Politik in Bund, Land und Europa vertraut.

Zur Person: Martina Werner

Martina Werner ist seit 1982 Mitglied der SPD. Die 51-Jährige ist stellvertretende Bezirksvorsitzende der Genossen in Nordhessen und Chefin des SPD-Ortsvereins Niestetal. Sie gehört der Niestetaler Gemeindevertretung an. Die 51-Jährige wurde in Kassel geboren. Nach einer Ausbildung zur Hotelkauffrau studierte sie in Kassel Wirtschaftswissenschaften mit dem Abschluss Diplom-Ökonomin. Nach einer beruflichen Station als Referentin bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft wechselte Werner Ende 2001 zum Landkreis Kassel. Dort ist sie für die Beteiligungen und den jährlichen Beteiligungsbericht zuständig. Martina Werner ist verheiratet und kinderlos. Mit ihrem Mann lebt sie im Niestetaler Ortsteil Sandershausen.

Von Peter Ketteritzsch

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.