Karten im Internet zeigen, wo die Luftströme am stärksten sind – Weitere Anlagen im Landkreis geplant

Der Wind wird stärker angezapft

Kreis Kassel. Seit dem Atomunglück von Fukushima und der von der Bundesregierung eingeleiteten Energiewende werden auch im Landkreis Kassel die Anstrengungen zur Nutzung der erneuerbaren Energien verstärkt.

Die Windkraft soll deutlich ausgebaut werden, mit Windkarten im Internet will das Regierungspräsidium diesen Prozess unterstützen. Auf den Karten, die für jeden der nordhessischen Landkreise gefertigt wurden, kann man sich einen Überblick darüber verschaffen, an welchem Ort der Wind wie stark bläst. Die besten Standorte weisen Windgeschwindigkeiten von 6,5 Metern/Sekunde auf, etwa 24 km/h. Angesprochen werden sollen neben Kommunen auch Unternehmen und private Investoren, die auf Windenergie setzen. Im Internet auf www.rp-kassel.hessen.de kann sich jeder die Karten ansehen. Die Ansicht kann am Bildschirm optisch vergrößert und damit eine genauere Darstellung erreicht werden.

Die Windkarten beruhen auf Daten des TÜV Süd, der im Auftrag des hessischen Umweltministeriums landesweit die Windgeschwindigkeiten erfasst hat. Die Karten bilden die durchschnittliche Windstärke in 140 Metern Höhe über dem Boden ab. In dieser Höhe befindet sich bei modernen Windrädern die Nabe des Rotors.

Strom für 90 000 Menschen

Wie die Windkarte für den Landkreis Kassel zeigt, liegen die besten Windstandorte im Norden des Kreises, im Reinhardswald bläst der Wind am kräftigsten. Aber auch auf den Höhenzügen um Kassel kann sich Windstrom rentieren. An vielen guten Standorten drehen sich bereits Windräder. So produzieren 99 Windkraftanlagen im Landkreis Kassel Strom. Im Jahr 2009 erzeugten sie zusammen 80 Millionen Kilowattstunden – genug, um 23 000 Vierpersonenhaushalte, also über 90 000 Menschen, ein Jahr lang mit Strom zu versorgen.

In ganz Nordhessen sind bisher 2400 Hektar – 0,3 Prozent der Landesfläche – für Windkraft ausgewiesen. Nach einem Verwaltungsgerichtsurteil müssen es jedoch mehr werden. Die Landesregierung hat sich auf zwei Prozent der Fläche für Nordhessen festgelegt, das wären 14 000 Hektar. Im Regierungspräsidium arbeitet man an einem neuen Windenergiekonzept für Nordhessen, Mitte 2012 soll es fertig sein. Er sieht unter anderem vor, dass die Windräder künftig auch in Wäldern gebaut werden können. Bis der Plan rechtswirksam ist, können bis zu zwei Jahre vergehen. Per Ausnahmeregelung können für einzelne Standorte aber auch schnellere Lösungen gefunden werden. In einigen Gemeinden im Altkreis Kassel gibt es bereits Pläne für den Bau von neuen Windrädern; in anderen wird untersucht, ob sich die Errichtung lohnen könnte. HINTERGRUND

Von Holger Schindler

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