Ferngesteuerte Flug-Drohne nahm Windräder ins Visier

Drohnen-Video aus dem Windpark

Der neue Windpark der Städtischen Werke vor den Toren Kassels ist nicht mehr zu übersehen. Fünf je 196 Meter hohe Windräder werden am Rand der Söhre südöstlich von Kassel errichtet, vier davon stehen bereits.

Das letzte wird in den nächsten Tagen aufgestellt. Die Kasseler Firma Aibotix, Hersteller von ultraleichten Fluggeräten, hat am Dienstag die Baustelle mit einer Foto-Drohne beflogen und dabei atemberaubende Fotos und Videoaufnahmen geschossen.

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Bernd Schmidt (32) ist für die Firma Aibotix in Kassel tätig, die ferngesteuerte Drohnen herstellt und in alle Welt verkauft. Wenn der aus Lohfelden stammende Testpilot seinen an fliegende Untertassen erinnernden Multikopter auf einen Start vorbereitet, tauchen immer Neugierige auf. So war es auch Dienstagmittag bei einem Testversuch im neuen Mega-Windpark der Städtischen Werke in der Söhre.

Kaum hatte Bernd Schmidt seine von sechs Minipropellern und zwei LiPo-Akkus angetriebenen Mini-Minihubschrauber mit dem dazugehörenden Equipment aus dem Auto geholt, war er von einigen Fragestellern umringt. Der Plan, den Multikopter für Fotos und Videos auf die Höhe der gerade installierten Windräder aufsteigen zu lassen, stieß offenkundig auf reges Interesse. Gut, dass der für Vestas tätige Bauleiter den Testflug genehmigt hatte. Die aus dem Nebel aufsteigende Sonne sollte den Aufstieg beflügeln und mit für herrliche Bilder sorgen.

Für den ersten Flug auf etwa 150 Meter Höhe, den die Drohne in Sekundenschnelle bewältigte, befestigte Bernd Schmidt eine Nikon-D 800-Kamera an seinem Fluggerät. Für den zweiten und dritten Flug baute er die Technik dann auf Video-Filmaufnahmen um.

Das Ergebnis – sichtbar in der Live-Video-Station am Boden – war verblüffend: Die Kamera lieferte außerordentlich scharfe Aufnahmen von den Maschinenbauteilen und Rotoren in luftiger Höhe und einen herrlichen Rundumblick auf den Herbstwald und Kassel.

Ebenso überzeugend waren die Filmaufnahmen. Die an der Drohne befestigte Kamera lieferte Videosequenzen von guter Qualität und so ruhig wie aus einem Segelflugzeug.

„Unser Multikopter war schon bei Windkraftanlagen in Österreich im Einsatz“, sagte Schmidt. Man könne Rotorblätter auf diese Weise innerhalb einer Stunde kontrollieren, wofür Mitarbeiter auf herkömmliche Weise mindestens einen ganzen Tag benötigen, erläuterte der Pilot, als er sein futuristisches Fluggerät mit der Fernsteuerung ganz vorsichtig aus der Luft auf seine Ebene zurückholte.

Fotos: Riesen-Windräder der Söhre aus der Luft

Riesen-Windräder der Söhre aus der Luft

Von den Umstehenden gab es viel Anerkennung und Bewunderung für den Testeinsatz. „Es ist erstaunlich, dass zwei Akkus eine solche Leistung bringen“, sagte Andreas Wolf. Der 48-jährige Vermessungstechniker aus Kassel kann sich gut vorstellen, „dass der Einsatz von Multikoptern auch in der Vermessungstechnik Sinn macht“ und zu erheblichen Vereinfachungen führen könne. Die Bildqualität sei „überwältigend gut“, befand ein Mitarbeiter aus der Security-Branche, der sich eine Verwendung in der Baustellenüberwachung vorstellen kann.

Von Hans-Peter Wohlgehagen

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