Militärmusik in Deutschland: Interview mit Chef des Heeresmusikkorps Kassel

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Im Einsatz: Heeresmusikkorps Kassel beim Konzert in in der Stadthalle Baunatal

In der Region treffen sich diese Woche die Chefs der 18 Musikkorps der Bundeswehr zu ihrer Jahrestagung. Über die Bedeutung und den Wandel der Militärmusik sprachen wir mit Oberstleutnant Reinhard Kiauka, dem scheidenden Chef des Heeresmusikkorps Kassel.

Herr Kiauka, vor 17 Jahren fand das letzte Treffen der Musikkorpschefs in der Region statt. Was hat sich seither in der Militärmusik verändert?

Reinhard Kiauka: Die jüngste Reform der Bundeswehr hat dazu geführt, dass die Militärmusik zentralisiert wurde. Der Militärmusikdienst der Bundeswehr ist jetzt gewissermaßen eine eigenständige Truppe, die alle Musikkorps aus einer Hand führt. Indem wir die Kräfte gebündelt haben, ist jetzt beispielsweise eine zentrale Einsatzgebung möglich. Wir haben dadurch also einen besseren Überblick und können die erforderliche Priorisierung exakt vornehmen.

Und was hat sich musikalisch verändert?

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Kiauka: Wir haben eine starke Professionalisierung erlebt. Unsere Musiker absolvieren alle eine vierjährige Ausbildung beim Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr mit einem Teilstudium von sechs Semestern an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf. Das Ergebnis ist eine professionelle Qualität.

Was bietet das Heeresmusikkorps Kassel heutzutage?

Kiauka: Wir sind ein großes sinfonisches Blasorchester mit 50 Musikerinnen und Musikern. Das Spektrum reicht von klassischer und zeitgenössischer sinfonischer Blasmusikliteratur über konzertante Märsche bis zu moderner Unterhaltungsmusik. Die Pflege der traditionellen Marschmusik findet heutzutage hauptsächlich im Truppenzeremoniell statt.

Man hat den Eindruck, dass der künstlerische Stellenwert der Musikkorps oft nicht ausreichend gewürdigt wird. Wurmt es Sie, dass es selten echte Konzertkritiken gibt?

Kiauka: Zum Teil haben wir diese ja, aber eben nicht durchgängig. Wir sind einerseits Musiker und Soldat, verstehen uns aufgrund unseres Studiums aber natürlich auch als Künstler und freuen uns über Konzertkritiken im Kulturteil. Viel wichtiger für die Öffentlichkeitsarbeit ist jedoch die angemessene Darstellung in Wort und Bild über unsere Benefizkonzerte oder weiteren Auftritte.

Auch die Musiksoldaten haben nun Auslandseinsätze. Was bewirken Sie mit den Auftritten bei den Soldaten in Afghanistan?

Kiauka: Die Resonanz bei den Soldaten ist unglaublich positiv. Wir bringen ein Stück Heimat mit. Auch bei diesen Gastspielen ist eine enorme musikalische Bandbreite gefordert. Sie reicht von der Serenade zum Tag der Deutschen Einheit über die musikalische Gestaltung der Empfänge bei der Deutschen Botschaft bis zum Oktoberfest im NATO-Hauptquartier. Mit unserer Musik erzielen wir bei den deutschen Soldaten und ihren internationalen Kameraden pure Begeisterung.

Es wird einige Zeit bis zum nächsten Treffen der Militärmusikchefs in Kassel vergehen. Wie stellen Sie sich die Militärmusik in 20 Jahren vor?

Kiauka: Die Militärmusik wird auch zukünftig die Truppe betreuen und darüber hinaus ein effektives Instrument für die Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr sein. Gewiss wird sie aber auch die zivile Blasmusikszene in beispielgebender Art und Weise weiterentwickeln. Zunächst müssen wir aber mit der Tatsache zurechtkommen, dass bis April 2014 leider vier Musikkorps aufgelöst werden. Dies wird für die verbleibenden Musikkorps zu längeren Fahrzeiten führen.

Und das Heeresmusikkorps Kassel wird es in 20 Jahren noch geben?

Kiauka: Das will ich schwer hoffen, denn die hessische Militärmusik ist schließlich eine tolle Truppe. Infos: www.militaermusik.bundeswehr.de

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