Interview: Siebert kandidiert für zweite Amtszeit als Bürgermeister

Niestetal. Seit 2006 ist Andreas Siebert Bürgermeister in Niestetal. Der SPD-Mann kandidiert zur Bürgermeister-Direktwahl am 3. Juni für eine zweite Amtszeit. Wir sprachen mit dem 41-Jährigen über seine Pläne.

Herr Siebert, Sie sind der einzige Kandidat und damit praktisch schon gewählt – eine langweilige Angelegenheit für Sie, oder?

Andreas Siebert: Nein, überhaupt nicht. Die Wahl ist ja ein Stück weit auch eine Abstimmung über meine Arbeit in den vergangenen sechs Jahren. Und wir haben noch viel vor.

Im Niestetaler Parlament gibt es wenig politischen Streit. Auf Außenstehende wirkt das wie eine Kuscheldemokratie.

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Siebert:
Das ist keine Kuscheldemokratie, aber ich bin schon ein Freund von breiten Mehrheiten. Wir haben in den vergangenen sechs Jahren eine gute Politik gemacht und dabei viele Großprojekte einstimmig auf den Weg gebracht. Aber oft waren viele Stunden der Vorbereitung nötig. Dabei gab es im Vorfeld auch sehr heftige Diskussionen in den Ausschüssen. Was im Parlament ankommt, ist zumeist schon abstimmungsreif.

Niestetal unterscheidet sich in einem Punkt von fast allen anderen Kreisgemeinden: Die Gemeinde hat reichlich Geld in der Kasse. Das erleichtert die Arbeit des Bürgermeisters, oder?

Siebert: Wir haben viel bewegt, aber das ist nicht nur mit Geld zu erreichen. Man braucht zuallererst Ideen und muss wissen, was man verwirklichen will. Dann muss man schauen, was geht. Dabei ist es natürlich hilfreich, dass die Gemeinde gut dasteht.

Haben Sie Ihre Vorhaben in den vergangenen sechs Jahren durchgesetzt?

Siebert: Niemand setzt sich zu hundert Prozent durch, so funktioniert Demokratie nicht. Ich habe mich auch überzeugen lassen. Und manche Themen haben wir noch gar nicht angepackt, zum Beispiel die Sanierung der Mehrzweckhalle. Wir kommen ja gar nicht hinterher bei den vielen Projekten, die wir stemmen müssen. Unsere Verwaltung ist dafür gar nicht ausgelegt.

Wie ist Ihre Marschrichtung in puncto Finanzen?

Siebert: Um unsere Standards langfristig zu sichern, müssen wir Schulden abbauen und finanzielle Rücklagen bilden.

Die Begehrlichkeiten der Bürger sind in einer reichen Gemeinde wie Niestetal hoch. Wie begegnen Sie den Forderungen?

Siebert: So unvernünftig sind die Forderungen gar nicht. Die meisten Menschen hier wissen schon, was wir uns leisten können.

Die Gewerbesteuer von SMA ist Niestetals Haupteinnahmequelle. Doch die Solarindustrie gerät zunehmend unter Druck. Was bedeutet das für die Gemeinde?

Siebert: Wir fahren weiterhin auf Sicht. Vieles wird sich ändern, auch im Fotovoltaikmarkt, der sich lange Zeit sehr gut entwickelt hat. SMA steht aber noch immer sehr gut da und entwickelt sich vor allem im Ausland positiv. Warum soll man da pessimistisch in die Zukunft gucken?

Das Gewerbegebiet Sandershäuser Berg kann noch erheblich erweitert werden. Wie weit sind Sie mit den Plänen?

Siebert: Der Regionalplan ermöglicht weitere Gewerbeansiedlungen am Sandershäuser Berg. Der Regierungspräsident hat aber klargestellt, dass die Erschließung des Langen Feldes bei Kassel-Niederzwehren Vorrang hat.

Voraussetzung für eine Erweiterung wäre ein Autobahnanschluss. Wird darüber noch verhandelt?

Siebert: Wir haben die grundsätzliche Zusage, dass der Anschluss kommen kann.

Aber niemand weiß, wer ihn bezahlt.

Siebert: Gehen Sie mal davon aus, dass darüber Gespräche geführt werden.

Welche Firmen können Sie sich in einem erweiterten Gewerbegebiet vorstellen?

Siebert: Wir brauchen eine gesunde Mischung. Es gibt genügend Unternehmen in der Region, die Flächen brauchen. Einen reinen Logistikpark wird es hier nicht geben.

Erwarten Sie Widerstand gegen eine Erweiterung?

Siebert: Wir haben es geschafft, den ersten Teil umzusetzen, ohne dass es Proteste gab. Wichtig ist, dass wir der Bevölkerung erklären, was wir vorhaben und was die Gemeinde davon hat. Immerhin werden auf dem Sandershäuser Berg ja auch viele Niestetaler arbeiten.

Manche Menschen in Niestetal befürchten eine zunehmende Lärmbelastung. Was tun Sie dagegen?

Siebert: Die neue Südanbindung des Sandershäuser Bergs sorgt schon für eine gewisse Entlastung von Sandershausen. Das wird sich verstärken, wenn die Hannoversche Straße endlich saniert wird.

Wann wird das sein?

Siebert: Das kann ich nicht sagen. Wir sind da auf Gedeih und Verderb vom Land abhängig.

Für Lärm sorgt aber auch die Autobahn.

Siebert: Ich setze mich für mehr Lärmschutz ein. Leider reicht die neue Lärmschutzwand nach den heutigen Plänen nicht bis nach Niestetal. Das will ich ändern, wir sind jetzt auch mal dran.

Das neue Wohngebiet Eichberg in Heiligenrode kommt nicht voran. Wann kann dort gebaut werden?

Siebert: Der Zeitplan ist noch offen. Es gibt Probleme mit den Grundstücksgeschäften, die sind noch nicht alle abgeschlossen. Wenn alles gut läuft, kann ab 2013 gebaut werden.

Zum guten Schluss: Wie würden Sie Ihre erste Amtszeit selbst bewerten?

Siebert: Ich gebe mir die Note 2. Vieles ist gut gelungen, einiges nicht, manches wie der Eichberg hätte schneller gehen müssen.

Zur Person

Andreas Siebert (41) ist seit Oktober 2006 direkt gewählter Bürgermeister der Gemeinde Niestetal. Im Parlament kann sich der Sozialdemokrat, der am Wahltag seinen 42. Geburtstag feiern wird, auf die absolute Mehrheit der SPD stützen. Anders als bei der Wahl 2006 tritt Siebert in diesem Jahr als einziger Kandidat an. Die ebenfalls im Parlament vertretene CDU und die Grünen stellten keine Bewerber auf. Seine Karriere in der Niestetaler Verwaltung begann vor 26 Jahren. Im August 1986 fing Siebert im Rathaus als Verwaltungslehrling an. Später bildete er sich zum Verwaltungsfachwirt weiter. Erste kommunalpolitische Erfahrungen sammelte der verheiratete Vater von vier Kindern in Schauenburg. Die SPD stellte in der Großgemeinde Niestetal bislang alle Bürgermeister. (ket)

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