Großberndt (SPD) im Interview: "Wir stecken den Kopf nicht in den Sand"

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Angelika Großberndt

Kaufungen. Nach dem Rücktritt von Helmut Bring führt jetzt Angelika Großberndt die SPD-Fraktion in Kaufungen. Wir sprachen mit der 48-jährigen Beamtin über die Kaufunger SPD und ihre Pläne.

Frau Großberndt, Sie haben Mitte März die Führung der SPD-Fraktion in einer schwierigen Situation übernommen. Sehen Sie schon Land?

Angelika Großberndt: Die SPD-Fraktion hat sich zu jedem Zeitpunkt auf dem Land befunden, nicht etwa „Land unter“, sodass ich selbstverständlich Land sehe.

Ihr Vorgänger als Fraktionsvorsitzender, der wegen Veruntreuung von Mandantengeld inzwischen vorbestrafte Helmut Bring, hat seine Parteiämter niedergelegt. Den Sitz im Parlament hat er behalten. Können Sie sich Bring als Mitglied Ihrer Fraktion vorstellen?

Großberndt: Es geht nicht darum, was ich mir vorstellen kann, sondern darum, was in der Fraktion vorstellbar ist. In dieser Angelegenheit führen wir derzeit Gespräche. Den dort erarbeiteten Ergebnissen kann und werde ich nicht vorgreifen.

Die SPD verliert in Kaufungen an Boden. Im Jahr 2004 verlor Bring die Bürgermeisterwahl gegen den parteilosen Peter Klein. Bei der Kommunalwahl 2006 büßte die SPD ihre absolute Mehrheit ein, 2011 kam der historische Absturz auf 36,8 Prozent. Wie wollen Sie Boden gutmachen?

Großberndt: In der politischen Arbeit macht man Boden gut, indem man sich in den Fragen, die für die Bürgerinnen und Bürger wichtig sind, klar positioniert. Wir haben uns in der fachlichen Arbeit zu den für Kaufungen wichtigen Themen sehr gut aufgestellt. Daher bin ich davon überzeugt, dass wir die Bürgerinnen und Bürger mit unserer Arbeit und unseren Zielen erreichen werden.

Ein weiteres Problem ist der personelle Aderlass. Nur noch 200 Kaufunger haben das Parteibuch der SPD. Es finden sich kaum noch Nachrücker für ausgeschiedene Mandatsträger …

Großberndt: Schwindende Mitgliederzahlen in politischen Parteien scheinen ein bundesweiter Trend zu sein. Da kann sich auch der Ortsverein in Kaufungen nicht zurücklehnen. Einen Zusammenhang mit Mandatsträgerschaften kann ich hier nicht erkennen.

Den Vorsitzenden der Gemeindevertretung, Karl Hellmich, haben Sie jetzt zum stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzenden gekürt. Befürchten Sie da nicht Interessenskollisionen?

Großberndt: Ich freue mich sehr, dass sich Karl Hellmich bereit erklärt hat, in der Fraktionsführung mitzuarbeiten. Er ist ein sehr erfahrener und wertvoller Sozialdemokrat und geschätzter Gemeindevertreter. Wenn in dieser Konstellation mit Kollisionen von Interessen zu rechnen wäre, würden sich Hinweise dazu in der Hessischen Gemeindeordnung finden. Dies ist nicht der Fall.

Bei der Ansiedlung eines Einkaufsmarkts für Oberkaufungen hat die SPD keine gute Figur gemacht. Als Mehrheitsfraktion zeigten Sie sich ein Jahrzehnt lang nicht handlungsfähig. Nun wurde der Standort Riffer-Gelände beschlossen, den die SPD nie wollte, eine Abweichlerin aus den SPD-Reihen machte die Entscheidung möglich ...

Großberndt: Die Beschlusslage zum Bau eines Einkaufsmarktes in Oberkaufungen ist bekannt. Die SPD hat nach der Entscheidung zur Bürgerhaussanierung, die auf völlig normalem und demokratischem Weg zustande gekommen ist, nicht den Kopf in den Sand gesteckt. Die SPD hat dann die Bebauung des Riffer-Geländes mit ihrem Antrag in die Form gebracht, die für die Bürgerinnen und Bürger und die Gemeinde am verträglichsten ist.

Wo sehen Sie Ihre Arbeitsschwerpunkte?

Großberndt: Wir sehen Schwerpunkte in den Fragen zur A 44, in der Nutzung erneuerbarer Energien in Kaufungen, in der Stärkung der Ortskerne und der gewerblichen Aktivitäten, in der Unterstützung der Entwicklung unserer Kinder und Jugendlichen sowie in der Verbesserung der Gemeindefinanzen.

Was heißt das konkret?

Großberndt: Im Zusammenhang mit der A44 kann ich derzeit nur auf die bestehende Beschlusslage der Gemeindevertretung verweisen. In Arbeitsgruppen in der Fraktion beschäftigen wir uns mit der Planung in Bezug auf die Trassenführung, mit den Lärmbelastungen und den Auswirkungen auf die Luft und für die Natur. Da fängt die Arbeit jetzt erst an.

Wie geht es weiter mit den erneuerbaren Energien?

Großberndt: Wir wollen auf dem Weg zur CO2-freien Gemeinde Schwerpunkte setzen. So unterstützen wir die Gründung einer Energiegenossenschaft. Wir möchten allen Kaufunger Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit geben, sich an den erneuerbaren Energien zu beteiligen.

Von Holger Schindler

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