Gerlinde Siebert war die erste Kindergartenleiterin in Weimar – Wandel der Arbeit über die Jahrzehnte

Wissen spielerisch vermitteln

Gemeinschaft ist wichtig: Kindergartenleiterin Gerlinde Siebert (hinten) möchte die sozialen Kompetenzen ihrer Kindergartenkinder wie hier mit Jana (von links), Elisa, Kim Luca, Linus, Malte, Pia, Marlon und Emilia fördern. Foto: Kisling

Ahnatal. Als Gerlinde Siebert 1973 im neu eingerichteten Ahnataler Kindergarten Königsfahrt im Ortsteil Weimar den Dienst als Leiterin antrat, konnte sie nicht ahnen, wie sehr sich das Kindergartenleben innerhalb der nächsten 38 Jahre ändern würde.

Nach zweijähriger Arbeit als Erzieherin im Dienst der Stadt Kassel war sie zu der neuen Einrichtung nach Ahnatal gewechselt. Macht zusammen vier Jahrzehnte im öffentlichen Dienst. Ein Jubiläum, das Gerlinde Siebert jetzt feierte.

„1973 war der Kindergarten in Weimar der einzige Ahnataler Kindergarten, entsprechend konnten wir aus Platzkapazitäten auch nur die ältesten Kinder aufnehmen“, erinnert sich Siebert. Die Aufgabe bestand darin, die Sprösslinge auf die Schule vorzubereiten.

Dies geschah anhand von Vorschul- und Arbeitsmappen, Frühlesemethoden und einfachen Rechenaufgaben. „Die Kindergartenarbeit ähnelte der heutigen Vorschule. Dabei war es dennoch stets unsere Intention, den Kindern das Wissen spielerisch zu vermitteln“, so Siebert. Bis heute hält die Kindergartenleiterin das spielerische Lernen für den zentralsten Punkt der frühen Lernfähigkeit der Kinder.

In welchen Maßstäben sich die Arbeit während ihrer 40 Dienstjahre verändert habe, sehe man auch an den Tagesabläufen der Kinder. Früher sei der Mittagsschlaf ein fester Bestandteil des Kindergartenlebens gewesen, meint die Pädagogin. Heute spielten die Sprösslinge dank neuer Betreuungsformen teils bis in den Nachmittag.

Der Grund dafür sei der Wandel des pädagogischen Auftrags für die Einrichtungen. So rückte immer mehr der Aspekt des sozialen Lernens und des erlebnisorientierten Arbeitens in den Vordergrund.

Vor der Jahrtausendwende legte man Wert auf Naturerleben und unternahm Waldtage - ein Konzept, das bis heute erhalten geblieben ist. Nachdem 2006 in Hessen der Erziehungs- und Bildungsplan eingeführt wurde, finden nun Entwicklungsgespräche mit den Eltern statt. Man gehe individuell auf die Kinder ein und fördere vor allem deren Persönlichkeit, Sicherheit und Stärke.

„Die Arbeit als Erzieherin verändert sich ständig mit dem Wandel der Zeit. Wir müssen umdenken, uns neu orientieren, anpassen und Situationen reflektieren“, erklärt Kindergartenleiterin Siebert. Doch gerade diese Lebendigkeit und Herausforderung mache ihren Beruf spannend und erlebnisreich, meint die Jubilarin.

Von Tobias Kisling

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