Wohnprojekt Mühle liegt auf Eis

Unter Denkmalschutz: Aufwendig restauriert werden soll die Alte Mühle in Niedervellmar (links). Das weiß getünchte Wohnhaus daneben wird abgerissen. Fotos: Wewetzer

Vellmar. Ambitioniert hörte sich das Projekt an, das Bauherr und Planer Kristof Precht Anfang Januar vorstellte: Die Alte Mühle in Niedervellmar sollte zu einem modernen Wohnkomplex, ergänzt durch drei kleinere Gebäude mit Villencharakter, umgestaltet werden.

Geplantes Investitionsvolumen: geschätzte fünf Millionen Euro. „Wir wollen eine Top-Nutzung hinkriegen“, sagte Precht damals über den Bau, der 1747 erstmals urkundlich erwähnt wurde und seit 2004 unter Denkmalschutz steht.

Doch Probleme tauchten auf. Ein maroder Kanalsammler der Stadt Vellmar, der diverse Hausanschlüsse entsorgt, würde „genau durch die spätere Baugrube laufen“, erläutert Architekt Hans-Jochen Precht von der Gesellschaft für Projekte und Immobilien MBH (GPI) aus Kassel, der seinen Sohn berät. Die Gefahr bestünde, dass der Sammler im Zuge der Arbeiten breche und die Baugrube mit Wasser vollliefe.

Problem Kanal gelöst

Jetzt hat das Trio - neben den Prechts gehört noch Bauinvestor Hüseyin Özbek dazu - zusammen mit den Stadtwerken Vellmar eine einvernehmliche Lösung gefunden: Der Kanal soll neu verlegt werden. Über die genaue Aufteilung der Kosten wollen sich die Stadtwerke Vellmar und der Bauherr noch verständigen, erläuterte Volker Damm vom Bauamt. Trotzdem: Alles sei in trockenen Tüchern, man sei sich grundsätzlich einig, versicherte er. Die Hausanschlüsse für den Wohnkomplex werde der Investor zahlen.

Doch das Projekt stockt aus einem anderen Grund: Laut Hans-Jochen Precht liegen dem Notar, der den Verkauf besiegeln soll, vom Verkäufer noch nicht alle Unterlagen zur Erschließung des Grundstücks und damit zur Erfüllung des Kaufvertrags vor. Die Folge: Die Kaufsumme liege laut Precht beim Notar erst einmal auf Eis, bis die offenen Fragen geklärt seien. Der Architekt ist jedoch zuversichtlich: „Wir wollen den Knoten endlich durchschlagen.“ Wie hoch die Kaufsumme ist, wollte er nicht verraten. Nur so viel: Beim Landesamt für Denkmalpflege in Marburg sei die Alte Mühle bei den Kulturdenkmälern, die zum Verkauf anstehen, mit 160 000 Euro gelistet.

Bauherr Kristof Precht hat damit beim aktuellen Stand der Dinge beim Wohnprojekt seit Dezember vergangenen Jahres zwar einen gültigen Bauantrag, aber noch keine Mühle. Trotz der Verzögerung bei den Bauarbeiten ist laut Architekt Precht geplant, die zwei baufälligen Gebäude - das Wohnhaus und die Scheune - noch bis zum Jahresende abzureißen.

„Unerklärlich“ ist den Verkäufern - die Erbengemeinschaft der Brüder Günter, Dietmar und Norbert Weidlich -, dass sich die Investoren jetzt seit zwei Jahren mit dem Projekt Alte Mühle beschäftigen und anscheinend immer noch nicht genau wissen, was im Untergrund der Mühle an Rohren verlegt ist, sagen sie in einer Stellungnahme. Als Beispiel führen sie die Diskussion um den maroden Kanalsammler an. Schließlich hätten Bauherr, Architekt und Investor den Schlüssel von der Erbengemeinschaft schon vor zwei Jahren bekommen und seitdem freien Zutritt zum Grundstück und zur Mühle gehabt.

Ebenfalls nicht nachvollziehen können die Weidlichs den Streit um die Definition „voll erschlossen“, die im Kaufvertrag statt des Passus „erschlossen“ verwendet worden ist und jetzt zu den Differenzen geführt hat. Nach Aussage von Günter Weidlich „bescheinigen uns die Behörden nachweislich“, dass das Grundstück in Bezug auf die Punkte Anschluss an eine öffentliche Straße, Abwasser, Strom und Gas „erschlossen ist“. (swe)

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