Drei Titel und eine Auszeichnung

Kaufungerin Martina Müller: „Das Fußball-Jahr ist eine glatte Zehn“

Geballte Faust: Das ist der Jubel von Martina Müller nach ihrem verwandelten Elfmeter im Champions-League-Finale. Foto:  dpa

Wolfsburg. Entspannt lehnt sich Martina Müller zurück. Warum sollte sie auch nervös sein? Es gibt schließlich Unangenehmeres, als auf die vergangenen zwölf Monate zurückzublicken.

„Das Jahr ist eine glatte Zehn“, sagt die aus Kaufungen stammende Fußballerin. Meisterschaft, Pokal und Champions League – der VfL Wolfsburg bildete 2013 das weibliche Pendant zum Triple-Sieger FC Bayern.

Zudem erhielt die 33-Jährige vom Sportmagazin Kicker die Auszeichnung „Fußballerin des Jahres“. Wir fassen Müllers ereignisreiches Jahr in drei Stichpunkten zusammen.

1.Die Erfolge:  Am Ende hat sich alles geballt. 12. Mai – Wolfsburg macht mit dem 4:0 gegen Bad Neuenahr die Meisterschaft perfekt. 19. Mai – 3:2-Pokalsieg gegen Potsdam. Und nur vier Tage später bejubeln Müller und Co. im Londoner Stadion an der Stamford Bridge nach dem 1:0 gegen Lyon den Titel in der Königsklasse. „Da konnten wir endlich feiern. Das waren unglaublich intensive Tage“, erinnert sich Müller. Vor allem der Empfang in Wolfsburg nach der Rückkehr aus London sei einmalig gewesen.

Richtig verarbeitet hat sie die Ereignisse erst im Urlaub in Ägypten. Dass sie mit ihren Treffern in diesen drei Partien maßgeblichen Anteil am Dreifach-Triumph hatte, will die offensive Mittelfeldspielerin aber nicht zu hoch hängen. „Ich messe mich schon lange nicht mehr an Toren“, sagt die Kaufungerin ganz bescheiden. Umso überraschender kam die Wahl zur Fußballerin des Jahres. „Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet.“ Über die Wertigkeit der Erfolge muss Müller nicht lange grübeln. „Das Allergrößte war der Gewinn der Meisterschaft.“

2.Der eine Moment:  Bei all diesen Erfolgen gibt es für Müller dann doch diesen einen Moment, der sie bis heute verfolgt: die Situation vor dem Elfmeter im Champions-League-Finale. Damals im Mai wäre sie in einem Tunnel gewesen, hätte gar nicht nachgedacht, „war mir der wahnsinnigen Verantwortung gar nicht bewusst“. Doch heute, da denke sie schon manchmal, was gewesen wäre, wenn sie den Ball in den Himmel geknallt hätte. Müller sagt: „Ich hätte der Depp von London werden können.“

3.Die Lockerheit: Die Fußballerin wirkt gelöst. „Ich hätte nie gedacht, dass das Jahr so bewegend wird. Ich konnte alles absolut genießen“, sagt Müller und strahlt dabei übers ganze Gesicht. Eine neue Lockerheit hätte sich eingestellt, was auch mit dem Abschied aus der Nationalmannschaft zu tun habe. Dadurch sei ein Stück Druck abgefallen, gesteht Müller. Den EM-Triumph der Frauen im Sommer habe sie ohne Wehmut verfolgt.

Innerhalb der Mannschaft sei sie gerade für die Jüngeren eine wichtige Ansprechpartnerin gewesen. „Ich bin ja so was wie die Mutti im Team. Es gibt Spielerinnen, die könnten meine Kinder sein“, witzelt die 33-Jährige. Das Gute daran: Diese Spielerinnen würden sie jung halten. Und dann klopft Müller auf Holz, dass sie von Verletzungen verschont geblieben ist. „Ich fühle mich körperlich definitiv nicht wie 33.“

Zum Abschluss dieses einzigartigen Sportjahres passte es dann wunderbar ins Bild, dass Müller ihren Vertrag vorzeitig bis 2015 verlängerte. Mutti denkt noch lange nicht ans Aufhören.

Von Robin Lipke

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