Feuerwehrleute bei Brand in Helsa: Sie wollen keine Helden sein

Helsa. Mit dem Begriff Held, mit dem man sie jetzt im Internet tituliert, können sie nichts anfangen. „Der gefällt uns nicht“, sagt Timo Schröder. Der Einzelne könne bei der Feuerwehr nichts bewirken, betont der 34-jährige Gemeindebrandinspektor von Helsa, nur eine funktionierende Mannschaft könne das.

„Dafür üben wir.“ Schröder leitete in der Nacht zum Sonntag den Einsatz beim Brand des historischen Merten-Jäger-Hauses in Helsa. 85 Feuerwehrleute aus Helsa, Kaufungen und Kassel verhinderten, dass die Flammen von dem imposanten Fachwerkhaus in der Berliner Straße auf die Gebäude in der Nachbarschaft übergreifen konnten.

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Streng genommen dauerte der Einsatz sogar bis Montagabend. Solange haben die Mitglieder der Einsatzabteilung die Fahrzeuge, Geräte und Schläuche in der nur einen Steinwurf von der Brandstelle entfernt gelegenen Wache wieder auf Vordermann gebracht. Wie immer, wenn sie draußen waren, haben die Wehrleute noch zusammengesessen, über den Einsatz geredet, das Vorgehen und das Ergebnis analysiert.

Und sie haben an die beiden Kameraden gedacht, die in der Nacht verletzt wurden. Einer von ihnen ist Sebastian Eberhardt. Der 25-Jährige drang gerade in das leer stehende Gebäude vor, als ein Teil einer Lehmdecke herabstürzte. Eberhardt wurde von Trümmern getroffen und erlitt eine Gehirnerschütterung.

Als kurz nach Mitternacht der Notruf eingegangen war, rückte auch Eberhardt selbstverständlich mit zu dem gefährlichen Einsatz aus. Und das, obwohl er bald Vater wird. Warum macht man das? „Bei der Feuerwehr mitzumachen, ist nicht einfach ein Hobby wie Fußball spielen“, sagt Gemeindebrandinspektor Schröder.

Ihn und die anderen aktiven Feuerwehrleute - insgesamt 110 sind es in der Gemeinde Helsa - treibe der Willen an, anderen Menschen in Notsituationen zu helfen.

Dass im Internet und anderswo im Zusammenhang mit dem Brand vom Sonntag manche auch lapidar kommentieren, die Wehrleute hätten ja „nur ihren Job gemacht“, verletzt ihn und seine Kameraden. Ein Job werde bezahlt, sagt der Mann, der sein Geld als Kundendienstmonteur bei einer Firma in Kassel verdient („Die haben großes Verständnis“), Feuerwehrleute verrichteten ihren Dienst dagegen - so steht es auch im Gesetz - „freiwillig und unentgeltlich“.

Damit sich auch in Zukunft genügend Freiwillige finden, spielt das Thema Nachwuchsgewinnung bei den Helsaer Brandschützern eine große Rolle. Es gibt die „Losselöscher“, eine Kinderfeuerwehr, die die Jüngsten spielerisch an die späteren Aufgaben heranführt. 25 Mädchen und Jungen werden dort gegenwärtig betreut. 30 Mitglieder zählt die Jugendfeuerwehr, aus der die Einsatzabteilung maßgeblich ihren Nachwuchs gewinnt. Mindestens 17 Jahre muss man alt sein, um bei Bränden oder Unfällen helfen zu können, spätestens mit 65 ist dann Schluss. Kontakt unter Tel. 0172/5607235

Von Peter Ketteritzsch

Rubriklistenbild: © Koch

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