VW-Azubi Thomas Jäger berichtete dem Bundespräsidenten über Arbeit in Vernichtungslager-Gedenkstätte

Mit Wulff im Dialog über Auschwitz

Im Austausch: Bundespräsident Christian Wulff (links) und der Baunataler VW-Auszubildende Thomas Jäger (rechts stehend) während der Holocaust-Gedenkfeier in Auschwitz. Rechts von Wulff sitzt das polnische Staatsoberhaupt Bronislaw Komorowski. Fotos: Knoth, VW (nh)

Baunatal. „Die Arbeit ist bedrückend, aber sehr wichtig“, sagt Thomas Jäger, Auszubildender bei VW in Baunatal. Er half in Auschwitz, die Gedenkstätte des ehemaligen Nazi-Vernichtungslagers zu erhalten. Nun will der 20-Jährige aus Borken-Singlis so oft wie möglich Menschen von seinen Eindrücken erzählen, um die Erinnerung an den NS-Terror und seine Opfer wachzuhalten. Einer der ersten Zuhörer war ein äußerst prominenter: Bundespräsident Christian Wulff. Ein zweites besonderes Erlebnis für Thomas Jäger neben der Arbeit in Auschwitz.

In der Vergangenheit hat schon eine Reihe junger VW-Leute aus Baunatal in der Gedenkstätte in Polen gearbeitet – weitere Einsätze sollen folgen. Diesmal waren sieben Azubis aus Nordhessen dort.

„Wir haben die Schuhe ermordeter Menschen restauriert und konserviert“, sagt Jäger – „dort gibt es Tausende Schuhe“. Sie werden aus Respekt vor den Opfern und als Erinnerung an den Holocaust erhalten. Besonders bedrückend empfand der angehende Industriemechaniker einen Extraraum, in dem Mengen speziell von Kinderschuhen aufbewahrt werden.

Jäger hatte zudem nicht mit der riesigen Ausdehnung des Konzentrationslagers gerechnet – „man kannte das ja nur aus Geschichtsbüchern“. Auch die abgeschnittenen Haare, die Kochtöpfe und Gabeln ermordeter Juden machten die jungen Gäste aus Deutschland

überaus betroffen. „Jede Gabel bedeutet ein Menschenleben“, das sei der Sinn dieser Dokumentation, erläutert der 20-Jährige.

In der Gedenkstätte arbeiteten insgesamt 20 VW-Auszubildende aus ganz Deutschland gemeinsam mit polnischen Schülern. Die Kooperation habe mit Schüchternheit begonnen, „doch am ersten Abend war die verflogen“, erzählt Thomas Jäger.

Über diese Zusammenarbeit und seine Eindrücke von Auschwitz berichtete Jäger dann zehn Minuten vor dem deutschen Staatsoberhaupt und dem polnischen Präsidenten Bronislaw Komorowski. Den Rahmen bot eine Feier zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar. Es sei ein Dialog mit Wulff gewesen, sagt der junge Mann aus Singlis. Inzwischen haben Thomas Jäger und seine Kollegen auch vor Politikern in Berlin und bei VW in Wolfsburg von ihrer Tätigkeit in Auschwitz und den Eindrücken dort berichtet. Der 20-Jährige würde gern noch einmal in der polnischen Gedenkstätte arbeiten, wenn das ginge. Auf jeden Fall aber will er durch seine Berichte dazu beitragen, das dunkle Kapitel deutscher Geschichte nicht zu vergessen.

Von Ingrid Jünemann

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