Landkreis muss für Unterbringung tiefer in die Tasche greifen – Mehr als zwei Mio. Euro bis Jahresende

Zahl der Asylbewerber steigt an

Ehemaliges Hotel Rosengarten in Vellmar: Hier sind zurzeit 48 Flüchtlinge untergebracht. Damit ist es voll belegt. Archivfoto: Wewetzer

Kreis Kassel. Zusätzliche Kosten durch die steigende Zahl von Asylbewerbern kommen auf den Landkreis Kassel zu. „Wir haben bereits jetzt so viele neue Asylbewerber bekommen wie im gesamten Jahr 2012“, bilanzierte Vizelandrätin Susanne Selbert (SPD).

Von Januar bis zum Stichtag 18. September wurden dem Kreis laut Selbert vom zuständigen Regierungspräsidium Darmstadt schon 236 Menschen zugewiesen. Damit wurde die Zahl der Flüchtlinge aus dem gesamten Jahr 2012 - damals waren es 237 - schon im September fast erreicht. Die Vizelandrätin erwartet bis zum Ende dieses Jahres noch einmal weitere 200 Asylbewerber. Aktuell leben 524 Flüchtlinge im Landkreis. Der erhöhte Zustrom schlägt sich auch bei den Kosten nieder. Die finanzielle Belastung steigt deutlich an. Nach Angaben von Kreispressesprecher Harald Kühlborn lagen die Gesamtkosten für die Unterbringung der Asylbewerber 2009 bei knapp 2,2 und 2012 schon bei 2,9 Millionen Euro. Zum Stichtag 18. September bewegt sich die Summe schon jetzt um die 2,6 Millionen Euro. Dabei bleibt der dickste Brocken am Landkreis hängen. Zieht man die Erstattung des Landes ab, belief sich die Unterdeckung, für die der Kreis aufkommen muss, Mitte September auf 1,75 Millionen Euro (gesamt 2011: 1,3 Mio. Euro, gesamt 2012: 1,77 Mio. Euro). Bis zum Jahresende rechnet Vizelandrätin Selbert damit, dass bei den Kreismitteln die Zwei-Millionen-Euro-Grenze überschritten wird.

Unterkünfte belegt

Das hat auch Folgen für die Asylbewerber. Denn die Gemeinschaftsunterkünfte des Landkreises sind mit 306 Flüchtlingen - rund 200 leben in Privatunterkünften - komplett belegt. Das betrifft die Pommernanlage in Wolfhagen (95 Plätze), das ehemalige Hotel Rosengarten in Vellmar (48 Plätze) und das frühere Freizeitheim Rotte Breite bei Nieste (34 Plätze). Außerdem gibt es noch zwei privat geführte Gemeinschaftsunterkünfte in Fuldatal (105 Plätze) und Helsa (24 Plätze). Um die neuen Asylbewerber auffangen zu können, wird der Kreis bis Dezember weitere 95 Plätze in der Pommeranlage schaffen, erläuterte Selbert.

Seit 2009 hat der Landkreis mehr als 6,2 Millionen Euro an Eigenmitteln für die Betreuung der Asylbewerber übernommen.

Geld, das nach Überzeugung der Vizelandrätin eine notwendige Investition war. „Wir haben eine moralische Verpflichtung, Flüchtlinge aus den Krisenregionen aufzunehmen“, stellt sie klar. Aber: Die Kommunen dürften mit den steigenden Kosten von Bund und Land „nicht alleine gelassen werden“.

Von Stefan Wewetzer

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