Christdemokraten suchen Gründe für Wahlniederlage – Unionschef Mock schließt Konsequenzen nicht aus

Nach der Wahl: Zahlenstau und CDU-Jammer

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Berg von Umschlägen: Regina Dorschner (links) und Karin Schlecht von der Baunataler Stadtverwaltung beim Auszählen von Briefwahlstimmen.

Baunatal. Obwohl der Genosse Trend sich schon am frühen Sonntagabend auf die Seite der SPD schlug: Spannung lag dennoch in der Luft im Baunataler Rathaus. Denn der Ergebnisdienst für Bürgermeister- und Kommunalwahl hing – weit länger als zwei Stunden kamen keine Zahlen auf die Leinwand im Stadtverordnetensaal.

Das System hakte, weil versehentlich ein Parlamentsergebnis in die Rubrik der Bürgermeisterwahl eingegeben worden war. Aber wo genau? Die Fehlersuche dauerte und dauerte.

Die Ergebnisse im Detail finden Sie hier

An einem überragenden Sieg von Amtsinhaber Manfred Schaub (SPD) und einem vorzüglichen Resultat der SPD, die ihre Mehrheit klar verteidigte, bestand indes von Anfang an kein Zweifel. Das war an zufriedenen Gesichtern der SPD-Vertreter und betretenen Mienen der CDU-Gäste, die auf eine herbe Schlappe zusteuerten, abzulesen.

Die Union büßte sowohl bei Bürgermeister- als auch Parlamentswahl um die sieben Prozent ein. „Wir hatten ein völlig anderes Ergebnis erwartet“, räumte Rathauskandidat Andreas Mock, der auch Partei- und Fraktionschef der CDU ist, am Montag ein.

Ob er Konsequenzen ziehe und von Ämtern zurücktrete? Mock, der auf der CDU-Liste die meisten Stimmen erhielt, äußerte sich am Tag danach äußerst vorsichtig. Er könne noch nichts Definitives sagen, der Parteivorsitz sei sicherlich ein Thema und: „Ich schließe nichts aus.“ Eigentlich müsste die Fraktion führen, wer die meisten Stimmen auf sich vereinigt habe, aber darüber müsse man nun reden.

Er wolle es sich nicht so einfach machen, alles auf den bundesweiten Trend zu schieben, sagte Mock. Man müsse vielmehr selbstkritisch fragen, warum der Bürger die eigene Arbeit nicht belohnt habe, ob man auf falsche Themen und falsche Generationen („wir hatten eine recht junge Liste“) gesetzt habe.

Hingegen sieht FDP-Fraktionschef Dr. Heribert Brungs für das Schrumpfen seiner Partei um die Hälfte auf nur noch zwei Prozent keinen örtlichen Grund. Das Ergebnis liege im Trend der Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. In der VW-Stadt sei man „nicht schlechter als der Rest der FDP“, sagte Brungs am Montag.

Gute Arbeit wurde honoriert, sowohl im Parlament als auch an der Rathausspitze. So hatten Bürgermeister Schaub und Fraktionschefin Carmen Kipping das die eigenen Erwartungen übertreffende Resultat der SPD schon am Wahlabend kommentiert.

Riesige Freude auch bei den Grünen (13,6 Prozent). Vorsitzender Edmund Borschel, der zudem als Rathaus-Chef kandidierte, sieht das als „Erfolg des neuen Teamgeistes“ an, nachdem die Grünen vor fünf Jahren zu wenig Bewerber nominiert hatten. Jetzt komme „richtig harte, aber konstruktive Oppositionspolitik“. Erste Themen: Eine Stromnetz-Kooperation mit Eon Mitte verhindern und die energetische Rathaus-Sanierung anschieben. (ing)

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