Zahnarzt aus Calden leistete humanitäre Hilfe in Namibia

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Tapfer: Selbst die kleinsten Patienten waren bei der Behandlung durch Hans-Jürgen Richter (links) und Isabel Gancalves-Ramondetta sehr tapfer und diszipliniert.

Calden/Vellmar. Waar is die pyn? Worte in Afrikaans, die Zahnarzt Hans-Jürgen Richter nicht mehr vergessen wird. Unzählige Male hat er sie gestellt: Wo tut es weh? Zwei Wochen leistete der 53-Jährige aus Calden mit Praxis in Vellmar ehrenamtlich zahnmedizinische Hilfe im Nordostzipfel Namibias.

Den humanitären Einsatz - eine Reise auf eigene Kosten - unternahm Richter für die Stiftung Zahnärzte ohne Grenzen (Dentists without Limits Foundation, DWLF) mit Sitz in Nürnberg, der er selbst angehört. Tief gingen die Eindrücke von der Not ärmster Menschen in der Region Otjozondjupa unter die Haut. Ein Großteil der Patienten litt an Aids, viele auch an Tuberkulose, Fälle von offener Tb waren auch bei Kindern keine Seltenheit.

Die zahnmedizinische Fachangestellte Isabel Goncalves-Ramondetta (Kassel) assistierte ihrem Chef auch tausende Kilometer von der Vellmarer Praxis mit all ihren Annehmlichkeiten entfernt. Ehefrau Brigitte, ebenfalls DWLF-Mitglied, half beim Auf- und Abbau ebenso wie beim Reinigen der Instrumente und schoss für eine Dokumentation des Einsatzes im südlichen Afrika 1500 Fotos.

Als Basis diente eine Farm in Grootfontein. Von dort transportierte die Gruppe unter Führung des deutschen DWLF-Namibia-Projektleiters transportable Behandlungseinheiten mit Instrumenten, Spritzen und Medikamenten, Wasserkanister und einen Kompressor für die Stromversorgung auf zumeist unbefestigten Pisten im Jeep.

Für einen Behandlungstag draußen im Buschmannland fuhren die Helfer schon mal 250 Kilometer hin und nach anstrengender Arbeit zurück. Das Machbarste an Hygiene zu leisten, stellte das Team vor Herausforderungen. Sterilisiert wurde bei Einsätzen weitab von jeder Klinik im Drucktopf auf offener Flamme.

Zurück in Vellmar: Zahnmediziner Hans-Jürgen Richter, seine Ehefrau Brigitte (links) und Mitarbeiterin Isabel Goncalves-Ramondetta lassen die Erinnerungen an das gesehene Leid nicht los. Hier zeigen sie die T-Shirts, die sie während ihrer Arbeit für Zahnärzte ohne Grenzen trugen.

Die Nordhessen hatten buchstäblich alle Hände voll zu tun. Ungezählte Füllungen, auch mal 31 Weisheitszähne an einem Vormittag zu ziehen, das war selbst für einen langjährig Zahnmediziner wie Richter kein Pappenstiel. In einer Waisenstation nahm sich der Caldener mit Herzblut den Zahnproblemen von Kindern an.

Seine namibischen Patienten wird er nicht vergessen: „Alle saßen da wie die Einsen, waren bewundernswert geduldig und diszipliniert, auch die Kleinsten.“ Wenn jemand im Dorf die nahende Gruppe erspähte, warfen sich die Älteren für den seltenen Zahnarztbesuch schon mal in ihre besten Anziehsachen. Bei der Übersetzung von Afrikaans oder aus den Stammessprachen der Hereros und Damaras ins Englische halfen immer wieder freiwillige Dolmetscher.

Harte Arbeit in einem Urlaub, der keiner war, kostete den Vellmarer Zahnarzt ein paar Kilo Gewicht. Richter, seine Frau Brigitte und Assistentin Isa aber haben auch gewonnen: das gute Gefühl, bei den Ärmsten der Armen geholfen zu haben.

Von Dorina Binienda-Beer

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