Lothar Viereck recherchierte Geschichte 

Veredelungs-Werke Petzold: Aus Zebrafellen wurden Pelze

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Reste: Im Gebäude in Ihringshausen sah man später noch die alten zerfallenen Trommeln und vorne alte Zebrafelle.

Fuldatal. Die Pelzveredelung hat nach dem Zweiten Weltkrieg in Ihringshausen Spuren hinterlassen. Die Rauchwaren, wie Pelze in der Fachsprache bezeichnet wurden, erlebten nach Kriegsende eine Blütezeit.

Davon profitierten auch die Pelzveredelungs-Werke Adolf Petzold, die im Herbst 1946 von Leipzig-Schönau aus der damaligen Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) nach Ihringshausen übergesiedelt waren.

Lothar Viereck, ehemaliger leitender Mitarbeiter der Firma Petzold, hat jetzt die knapp 100-jährige Geschichte des Unternehmens für einen Vortrag recherchiert. Viele Informationen und Details konnte er aus eigenen Erkenntnissen beitragen, wertvolle Hinweise und Dokumente bekam er von Familienangehörigen.

Aus kleinsten Anfängen

Aus kleinsten Anfängen hatte sich die in Leipzig-Schönau 1879 von Adolf Petzold gegründete Pelzveredelungsfabrik in ein stattliches Unternehmern verwandelt und sich in der Rauchwarenindustrie etabliert. Während des Zweiten Weltkrieges galt die Firma als kriegswichtiger Betrieb, in dem viele Juden - eine genaue Zahl existiert nicht - zwangsbeschäftigt wurden. Auch wenn es der Firmenleitung gelang, sechs Juden vor der Gestapo-Verfolgung zu retten, wurde der damalige Geschäftsführer Alfred Petzold in der sowjetischen Besatzungszone inhaftiert und der Betrieb zum größten Teil demontiert, erläutert Viereck.

Im August 1946 wurde der Neubeginn genehmigt. Wegen der schwierigen Bedingungen in der „Ostzone“ suchte man schon bald geeignete Produktionsstätten im Westen. Schließlich bekam Ihringshausen wegen der optimalen Lage mit vorhandenen Gebäuden, viel Fläche und guter Wasserversorgung den Zuschlag.

Fotostrecke: Pelzveredelungs-Werke Petzold

Pelzveredelungs-Werke Petzold in Fuldatal-Ihringshausen

Blick in die Näherei: Hier wurden in der Blütezeit des Unternehmens in den 50er- und 60er-Jahren die fertigen Pelze zu Kleidungsstücken verarbeitet.

Maschinen und Gerätschaften wurden mit 22 Lkw-Ladungen von Leipzig zunächst in ein Zwischenlager nach Göttingen geschafft. Im Herbst 1946 begann die Produktion im ehemaligen Wehrmachtssanitätspark der früheren Hahn’schen Fabriken, die später von der Bundesvermögensstelle erworben wurden. In den 1950er-Jahren waren dort zeitweise mehr als 250 Menschen beschäftigt.

Denn das Wirtschaftswunder in der jungen Bundesrepublik sorgte für Nachfrage, man legte Wert auf Statussymbole, trug wieder Pelz - sogar aus Zebrafellen -, wenn man es sich leisten konnte. Die Firma in Ihringshausen expandierte, richtete ein Vertriebsbüro in Frankfurt ein. Dorthin hatte sich das deutsche Pelzhandelszentrum von Leipzig verlagert. In Argentinien beteiligte sich Petzold an einem Partnerbetrieb.

Der Einbruch kam Anfang der 1970er-Jahre. Die Pelzmode war vorbei. Als die Verwendung eines schädlichen Gerbstoffes kurz nach 1974 zu Schadensersatzforderungen führte, kam der Ruin.

Auch Lothar Viereck war mit dabei, als die Firmenleitung im Januar 1976 den Konkursantrag stellen musste. Zehn Jahre noch führte ab Mai 1976 die Firma Schmidt aus Einbeck den Betrieb weiter, dann war endgültig Schluss mit der einst so erfolgreichen Pelzveredelung in Ihringshausen.

Von Klaus Hobein

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