Im Interview spricht Werke-Chef Andreas Helbig über Profite für die Region

Windpark sorgt für zehn neue Arbeitsplätze

Von Dänemark in die Söhre: Der Fahrer Karsten Godiksen hat dieses Maschinenhaus für eine Windkraftanlage der Firma Vestas von Ringköping in die Söhre gefahren. Es wird in 150 Meter Höhe auf einem Mast montiert, an ihm sollen sich ab kommender Woche die Nabe und die 55 Meter langen Flügel drehen. Archivfoto: Wohlgehagen

 Söhrewald. Für den Windpark Söhrewald / Niestetal werden derzeit sieben bis zu 200 Meter hohe Windräder gebaut. Von der Stromerzeugung in der Söhre und am Sandershäuser Berg soll auch die Region finanziell profitieren. Wir sprachen darüber mit dem Vorstandsvorsitzenden der Städtischen Werke AG, Andreas Helbig.

Herr Helbig, die Turbinen für den ersten großen Windpark bei Kassel stammen aus Dänemark, das Transportunternehmen ebenfalls, und die Anlagen werden von spanischen Arbeitern aufgestellt. Wie viel der 35 Millionen Euro schweren Investition bleibt in der Region?

Andreas Helbig: Die Windkraftanlage wurde inklusive Fundament, Errichtung und Antransport vom dänischen Weltmarktführer für Windkraftanlagen Vestas eingekauft. Aus Gewährleistungsgründen wurden die Arbeiten für das Gesamtsystem Windkraftanlage und Fundament komplett in der Verantwortung des Herstellers belassen. Die Frage geht aber am Ziel vorbei. Wir leben in einem einheitlichen EU-Wirtschaftsraum. Es gibt in Nordhessen keine Turbinenhersteller, wohl aber wichtige Komponentenhersteller, die Teile der Kasseler Anlagen liefern. Entscheidend ist, wie viel Wertschöpfung bei der Ende des Jahres beginnenden Stromerzeugung in Nordhessen bleibt. Und das sind fast 100 Prozent.

Kommen denn beim Bau der Windkraftanlagen auch Firmen aus der Region zum Zuge?

Helbig: Selbstverständlich. Die Fundamentarbeiten und alle anderen Tiefbauarbeiten haben Firmen aus der Region erledigt. Die Kranfirma Regel aus Baunatal ist in den Aufbau der Windkraftanlagen eingebunden. Die Kabel für den Netzanschluss stammen von Nexans aus Bad Arolsen, die Generatoren aus Eutin, den Antriebsstrang bestehend aus Getriebe und Welle liefert Winergy aus Voerde, die Rotorblätter werden im sächsischen Lauchhammer gefertigt. Somit werden alle wichtigen Hauptkomponenten in Deutschland gefertigt.

Bilder aus dem  Windpark Sandershausen

Sind noch weitere Firmen aus Nordhessen beteiligt?

Helbig: Ja. Vermessungsarbeiten, Bodengutachten, Prüfstatik und viele andere Gewerke wurden an Unternehmen der Region vergeben. Zahlreiche Komponenten des Netzanschlusses hat die nordhessische Niederlassung von Schneider Electric geliefert. Einige dieser Komponenten für die Mittelspannungstechnik stammen aus Kasseler Fertigung. Die gesamte Projektierung, Planung und Bauleitung des Windparks sind in Kassel erfolgt. Nämlich durch unsere eigenen Fachleute. Den Betrieb werden wir auch übernehmen. Dafür haben wir eigens eine Windkraftabteilung gegründet und hoch qualifiziertes Personal rekrutiert.

Wie viele Stellen haben Sie geschaffen?

Helbig: In unserem neuen Fachbereich „Windenergie und Windparks“ wurden sechs Stellen geschaffen, im Bereich „Kommunale Kooperationen“ zwei, beim „Kaufmännischen Projektmanagement“ eine. Hinzu kommt mindestens ein Windanlagentechniker. Außerdem fällt in Unternehmensbereichen wie Stromnetzführung, Controlling oder Personalwesen mehr Arbeit an, hier wird bei Bedarf ebenfalls aufgestockt.

Wie profitiert die Region sonst noch von den Windrädern vor der Haustür?

Helbig: Die Energie, die hier erzeugt wird, wird auch in Nordhessen vergütet. Wir müssen weniger Strom einkaufen, deshalb fließen spürbar weniger Mittel ab. Ein Beispiel: Jährlich fließen aus der Stadt Kassel und den Landkreisen Kassel, Schwalm-Eder und Werra-Meißner über 300 Millionen Euro für die Strombeschaffung ab. Das werden wir ändern.

Von Holger Schindler

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