Vor zehn Jahren: Jungfernfahrt auf der Lossetalstrecke von Kassel nach Helsa

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Jungfernfahrt im Jahr 2001 mit Musik: Unter den Klängen des Kaufunger Musikzuges fuhr die Straßenbahn der Linie 4 am 8. Juni 2001 erstmals von Kassel ins Lossetal.

Kaufungen / Helsa. Es war ein historischer Tag für Kaufungen und Helsa: Vor zehn Jahren wurde die Lossetalbahn zwischen Kassel und Helsa eingeweiht. Die Bahnlinie bedeutete ein neues Kapitel im öffentlichen Nahverkehr im Lossetal.

Die Jungfernfahrt fand am 8. Juni 2001 statt. Pünktlich um 13.15 Uhr an diesem Tag fuhren zwei blaue Straßenbahnen der Linie 4 los – eine in Kassel, die andere in Helsa – sie trafen sich in Kaufungen, wo sich viele Bürger zur Begrüßung versammelt hatten. Eskortiert vom Musikzug Kaufungen und der Bigband der Jacob-Grimm-Schule fuhren die Bahnen ein. „Das ist ein großer Tag für Kaufungen“, sagte der damalige Bürgermeister Günther Burghardt (SPD), der mit Helsas Bürgermeister Uwe Schmidt (SPD), Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) und Landrat Udo Schlitzberger (SPD) die Strecke in Betrieb nahm.

Die Lossetalbahn hat die Gemeinden verändert. So rückten die Ortsteile zusammen, die Stadt Kassel ist nun ohne Auto bequem zu erreichen. Auch der Fremdenverkehr erhielt neue Impulse, Wanderer können mit der Tram direkt zu den Wandergebieten im Stiftswald und in der Söhre gelangen.

Aber auch die Probleme reisen mit, so hat der Vandalismus durch Jugendliche, die von auswärts anreisen, in Kaufungen und Helsa zugenommen. Kritisch kommentiert wurden von Anfang an die Fahrzeiten. So verlängerte sich mit dem Wegfall des Schnellbusses die Fahrzeit zwischen Hess. Lichtenau und Kassel, manche Berufspendler stiegen wieder aufs Auto um.

Auch über die Tarife wurde lange Zeit gerungen. Schließlich scheiterte Helsa mit seinem Wunsch, wie Kaufungen in die Kassel-Plus-Zone mit den erheblich günstigeren Fahrscheinen zu kommen. Für Unverständnis sorgte, dass die 300.000 Euro teure Expressstrecke bei Kaufungen nach anderthalb Jahren wieder stillgelegt wurde. Als Mogelpackung empfanden viele auch, dass die hochmodernen Regiobahnen der Linie RT2 nach kurzer Zeit wieder von der Strecke abgezogen wurden.

Die letzten 9,3 Kilometer der Lossetalbahn von Helsa bis Hess. Lichtenau wurden im Januar 2006 eingeweiht.
Von Holger Schindler

NVV prüft Reaktivierung der Expressstrecke

Wenn im Jahr 2016 die A44 im Lossetal fertig sein wird, werden sich auch die Fahrzeiten auf der neuen Autobahn zwischen Kassel und Hess. Lichtenau erheblich verkürzen. Der NVV fürchtet, dass dann etliche Autofahrer von der Lossetaltram aufs eigene Auto umsteigen werden. Der Verkehrsverbund prüft daher, wie die Bahnstrecke schneller gemacht werden kann. Das Ziel lautet: 9 Minuten Fahrzeit weniger. Statt 48 Minuten sollen die Fahrgäste in weniger als 40 Minuten von Hess. Lichtenau zum Kasseler Königsplatz gelangen. Dazu müsste die stillgelegte Expressstrecke reaktiviert werden. Um sie für Straßenbahnen nutzbar zu machen, müsste sie allerdings elektrifiziert werden. Kosten: 400.000 Euro. Die ursprünglich eingeplanten Regiotram-Züge, die sowohl als Straßenbahn als auch mit Diesel fahren können, stehen nicht mehr zur Verfügung.

Zahlen und Fakten

Die Lossetalstrecke ist 22 Kilometer lang (Kaufungen-Papierfabrik bis Hess. Lichtenau-Bürgerhaus), an 17 barrierefreien Haltestellen können Fahrgäste zusteigen. Die meist genutzten Haltestellen sind Gesamtschule Kaufungen, Bahnhof Helsa und Niederkaufungen-Mitte. Der Bau der Strecke kostete 53,2 Mio. Euro. Die 18 Trambahnen sind auf der Lossestrecke mit bis zu 80 Kilometer pro Stunde unterwegs. Die Fahrer fahren nicht auf Sicht wie im Stadtgebiet, sondern nach Signalen. Die Strecke soll noch in diesem Jahr mit elektronischen Informationstafeln ausgestattet werden, die anzeigen, in wie viel Minuten die nächste Bahn kommt oder wie viel Verspätung sie hat.

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